Pflegekost: 6,50 Euro täglich reichen nicht – Experten fordern 9 Euro
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 22:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Qualität der Verpflegung in deutschen Pflegeeinrichtungen ist Gegenstand einer aktuellen fachlichen Debatte über die gesundheitlichen Auswirkungen einer unzureichenden Versorgung. Experten und Branchenverbände warnen vor den Folgen einer zu knappen Kalkulation bei den täglichen Budgets für Lebensmittel und Getränke, die in deutlichem Kontrast zu den steigenden Kosten für die Heimbewohner stehen.
Finanzielle Schieflage zwischen Eigenanteil und Verpflegungsbudget
In den Diskussionen im August 2026 wird die Diskrepanz zwischen den Kosten für die Bewohner und den tatsächlichen Ausgaben für die Verpflegung deutlich. Christian Heerdt vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) wies auf Daten hin, wonach in Pflegeheimen oft lediglich Beträge zwischen 6,50 und 7,50 Euro pro Bewohner und Tag für Essen und Trinken zur Verfügung stehen. Dieser geringe Spielraum bei den Sachkosten steht einem durchschnittlichen Eigenanteil gegenüber, den Pflegebedürftige monatlich leisten müssen und der sich mittlerweile auf rund 3.500 Euro beläuft.
Diese wirtschaftliche Enge in der Kalkulation der Verpflegungssätze führt laut Branchenexperten zu einer Unterversorgung, die weit über rein kulinarische Aspekte hinausgeht. Während die Gesamtkosten für einen Heimplatz kontinuierlich steigen, scheinen die Budgets für die Ernährung nicht im gleichen Maße angepasst worden zu sein.
Gesundheitliche Risiken durch Mangelernährung
Die Folgen einer minderwertigen oder mengenmäßig unzureichenden Verpflegung werden von Fachleuten als kritisch eingestuft. Christian Heerdt betonte im Rahmen der aktuellen Erhebungen Anfang August 2026, dass Billigkost in der Pflege direkte medizinische Risiken berge. Dazu gehöre primär die Gefahr der Mangelernährung, die bei älteren Menschen häufig zu einem raschen Funktionsverlust des Körpers führe.
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Darüber hinaus korreliere eine schlechte Ernährungsqualität mit einer erhöhten Rate an Krankenhausaufenthalten. Die Kostenersparnis bei den Lebensmitteln könne somit an anderer Stelle im Gesundheitssystem zu deutlich höheren Belastungen führen. Die Sicherstellung einer ausgewogenen Ernährung sei daher nicht nur eine Frage der Lebensqualität, sondern eine notwendige präventive Maßnahme zum Erhalt der Gesundheit der Bewohner.
Forderungen nach Anpassung an die Lebensmittel-Inflation
Auch die Trägerverbände sehen das aktuelle Preisniveau für die Verpflegung als nicht mehr tragbar an. Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) formulierte Anfang August 2026 konkrete Forderungen für eine Neugestaltung der Sätze. Thomas Knieling erklärte für den VDAB, dass ein täglicher Verpflegungssatz von mindestens 9 Euro pro Person notwendig sei, um eine angemessene Versorgung sicherzustellen. Derzeit liege dieser Satz im Durchschnitt bei lediglich 7,24 Euro.
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Als Begründung für diesen notwendigen Sprung führt der Verband die massive Teuerung bei Lebensmitteln an. In den vergangenen fünf Jahren habe die Inflation in diesem Bereich bei insgesamt 32 Prozent gelegen. Die bisherigen Verpflegungssätze könnten diese Preissteigerungen nicht mehr auffangen. Um die Versorgung zu gewährleisten, rückt auch das Catering als Option verstärkt in den Fokus der Einrichtungen.
Die kommenden Pflegesatzverhandlungen werden nach Einschätzung von Branchenvertretern entscheidend sein, um diese Finanzierungslücke zu schließen. Nur durch eine Anpassung der Sätze an die realen Marktpreise könne die Qualität der Verpflegung in der stationären Pflege dauerhaft gesichert und gesundheitliche Folgeschäden für die Bewohner abgewendet werden.
