Pflegeheime in Krise: 39% erwarten Verschlechterung – Fachkräftemangel wächst
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Umfrage der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), die bis Juli 2026 lief, zeichnet ein düsteres Bild der stationären Pflege im Land. 39 Prozent der befragten Pflegeheimbetreiber erwarten für 2026 eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage, während nur 5 Prozent von einer Verbesserung ausgehen – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2010. Ergänzend zeigt der BWKG-Indikator, dass 40 Prozent der Geschäftsführer eine Verschlechterung erwarten und lediglich 4,7 Prozent eine Verbesserung – ebenfalls der niedrigste Stand seit 2010. Als Hauptgrund nennen die Betreiber geplante Kürzungen durch das Pflegekompetenzgesetz beziehungsweise dessen Nachfolgeregelungen (PNOG). 27 Prozent der Befragten rechnen zudem mit einem negativen Jahresergebnis.
Personalmangel als zusätzliche Belastung
Neben der finanziellen Unsicherheit kämpfen die Einrichtungen mit erheblichen Personalproblemen. Laut der BWKG-Umfrage berichten 81 Prozent der Betreiber von Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Pflegefachkräften, 29 Prozent haben Probleme bei der Rekrutierung von Hilfskräften, und 37 Prozent tun sich schwer, Auszubildende zu finden.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Fachkräftemangel längst zu einem strukturellen Problem geworden ist, das die wirtschaftlichen Sorgen der Branche weiter verschärft.
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BWKG-Chef Scheffold forderte angesichts dieser Entwicklung die volle Refinanzierung der Tarifgehälter durch die Politik. Ohne eine verlässliche Finanzierung steigender Löhne drohten viele Einrichtungen in eine noch prekärere Lage zu geraten, so die Position des Verbandes.
Kostendruck auch für Bewohner spürbar
Die wirtschaftliche Anspannung bei den Betreibern korrespondiert mit steigenden Belastungen für Pflegebedürftige selbst. Eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zur Jahresmitte 2026 zeigt, dass die durchschnittliche Gesamtbelastung für Pflegeheimbewohner in Sachsen-Anhalt bei 2.274 Euro monatlich liegt, wobei der pflegebedingte Eigenanteil seit Jahresbeginn um 12 Prozent gestiegen ist – die zweithöchste Veränderung bundesweit.
Die Gesamtkosten im Heim variieren stark je nach Bundesland: In Sachsen-Anhalt liegen sie laut WIdO mit 4.736 Euro bundesweit am niedrigsten, in Baden-Württemberg dagegen bei 5.612 Euro.
Vor diesem Hintergrund fordert die AOK eine Übernahme der Ausbildungs- und Investitionskosten durch den Staat, um die Eigenanteile der Bewohner zu entlasten.
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Kritik an geplanter Pflegereform
Die BWKG-Umfrage steht im direkten Zusammenhang mit dem PNOG-Entwurf zur Pflegereform, der bei Betreibern und Verbänden auf erhebliche Kritik stößt. AGVP-Geschäftsführerin Isabell Halletz bemängelte am Entwurf insbesondere die fehlende Refinanzierung steigender Löhne und warnte vor einer möglichen Aussetzung der Tarifpflicht. Sie forderte stattdessen einen flexibleren Personaleinsatz, einheitliche Anerkennungsverfahren für internationale Fachkräfte sowie eine bessere Förderung der Digitalisierung in Pflegeeinrichtungen.
Zusätzliche Unsicherheit bringt ein Führungswechsel im Bundesgesundheitsministerium mit sich: Die Leitung wechselte von Nina Warken zu Carsten Linnemann, was die weitere Ausgestaltung der Pflegereform aus Sicht der Branche schwerer kalkulierbar macht.
Einordnung
Die BWKG-Umfrage fügt sich in ein größeres Bild wirtschaftlicher Anspannung in der deutschen Pflegelandschaft ein. Sinkende Zuversicht bei Betreibern, steigende Eigenanteile für Bewohner und ungelöste Fragen zur Refinanzierung der geplanten Reform verdichten sich zu einem Szenario, in dem sowohl Anbieter als auch Pflegebedürftige unter wachsendem finanziellem Druck stehen.
Ob die angekündigten Reformschritte tatsächlich Entlastung bringen oder die Kostenlast weiter verschieben, bleibt angesichts der noch ausstehenden politischen Entscheidungen offen.
