Pflegegrad 1: 131 Euro Entlastungsbetrag reichen für 90 Minuten Hilfe
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Unterstützungsdienste für Menschen mit Pflegegrad werden etabliert, während gleichzeitig ein gesellschaftliches Umdenken gefordert wird, um Senioren stärker in das alltägliche Leben einzubinden.
Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Hilfsorganisationen bauen derzeit ihr Netzwerk an Entlastungsleistungen, Beratungsangeboten und Notrufsystemen aus. Ziel ist es, die Selbstständigkeit älterer Menschen im vertrauten Umfeld so lange wie möglich zu bewahren und pflegende Angehörige spürbar zu unterstützen.
Alltagsentlastung und Hilfen im Haushalt
Ein Beispiel für den Ausbau praxisnaher Hilfen stellt der Paritätische Niedersachsen dar, der seit dem Jahr 2026 in der Grafschaft Bentheim den „AzUA-Dienst“ (Angebote zur Unterstützung im Alltag) anbietet. Das vierköpfige Team um Leiterin Anke Diekamp richtet sich an Personen ab Pflegegrad 1. Die Angebote umfassen praktische Unterstützung wie Haushaltshilfen – darunter Bettenbeziehen, das Reinigen des Kühlschranks sowie Ordnunghalten –, Begleitungen zu Arzt- oder Friedhofsbesuchen, gemeinsames Kochen und Einkaufen sowie Gesellschaft bei Freizeitaktivitäten.
Finanzieren lassen sich diese Leistungen über den gesetzlichen Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI in Höhe von monatlich 131 Euro, der zweckgebunden eingesetzt wird. Bei durchschnittlichen Stundensätzen reicht dieser Betrag für rund 90 Minuten Betreuung alle zwei Wochen.
Zusätzliche Aufwände können privat getragen oder über die Verhinderungspflege nach § 39 SGB XI abgerechnet werden. Der Dienst ist in Nordhorn in der Großen Gartenstraße 14 ansässig.
Auch Fahrdienste tragen zur Teilhabe bei: In Bad Kötzting ermöglicht das Seniorenmobil Arzt- und Einkaufsfahrten, die telefonisch im Büro des Bürgermeisters angefragt werden können. Dabei unterstützt Fahrer Uwe Hessels Bürger wie Helena Capcuch unmittelbar an der Wohnungstür.
Kommunale Förderstrukturen und Aktionswochen
Auf kommunaler Ebene werden Rahmenbedingungen angepasst, um Versorgungsstrukturen langfristig zu sichern. Der Landkreis Kassel hat aktualisierte Förderrichtlinien für Beratungsstellen für ältere Menschen sowie Angebote für Personen mit Demenz und deren Angehörige beschlossen. Nach Angaben der Verwaltung sind damit keine Kürzungen verbunden.
Vizelandrätin Silke Engler erklärte, das Ziel sei der Erhalt bewährter Strukturen und die verlässliche Unterstützung etablierter Angebote. Nathalie Hügues, Altenhilfeplanerin des Landkreises, hob hervor, dass die Angebote einen Mehrwert für die alternde Bevölkerung darstellen.
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Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz setzt die 13. Woche der Gesundheit und Pflege unter dem Motto „Gesund versorgt und gut verbunden“ kreisweite Schwerpunkte.
Das Programm im Landratsamt Senftenberg umfasst Informationen der Fachstelle Altern und Pflege im Quartier (FAPIQ) zur Nachbarschaftshilfe, den Film „Zeit, die zählt: Ehrenamt für Menschen im OSL“ sowie die Vorstellung der kostenfreien digitalen Plattform „Alina-App“.
Bis zum 9. Oktober 2026 finden Veranstaltungen unter anderem in Calau, Ortrand, Schipkau, Altdöbern und Lauchhammer statt. Ergänzend sind ein Gesundheitstag in Lübbenau/Spreewald am 7. Oktober, ein Tag der offenen Tür im Pflegekompetenzzentrum Lübbenau am 8. Oktober sowie ein Gesundheitstag im Kurmärkersaal in Großräschen am 21. Oktober 2026 geplant.
In Bayern verzeichnet der Pflegestützpunkt Rosenheim, der als kostenlose und neutrale Anlaufstelle für Themen rund um Pflege, Betreuung und barrierefreies Wohnen dient, nach Angaben des dortigen Landratsamts nach fünfjährigem Bestehen eine stark gestiegene Nachfrage.
Vorbeugende Beratung und technische Sicherheitssysteme
Neben Hilfen für Menschen mit bestehender Einstufung gewinnen präventive Formate an Relevanz. Das Projekt „PauLa“ (psychosoziale Fachkraft auf dem Land) bietet seit 2018 in neun Kommunen des Verbunds NOVO – Abtsteinach, Birkenau, Fürth, Grasellenbach, Lautertal, Lindenfels, Mörlenbach, Rimbach und Wald-Michelbach – eine unabhängige und kostenlose Beratung für Senioren ohne Pflegegrad an. Die Sprechstunden finden dezentral in den Rathäusern und Gemeinschaftszentren der Region statt.
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Für Sicherheit in den eigenen vier Wänden sorgen Notrufdienste. Die Malteser in Frankenthal informieren im Rahmen kostenfreier Sprechstunden in der Villa Malta am 13. Oktober und 27. Oktober 2026 über Hausnotrufsysteme und schnelles Eingreifen im Ernstfall.
Auch die Johanniter stellen mobile Notrufsysteme mit Freisprecheinrichtung und GPS-Ortung bereit, die bundesweit von mehr als 300.000 Kunden genutzt werden. Bis zum 2. November 2026 bieten sie einen vierwöchigen kostenlosen Test an; die Kosten für das Basispaket können bei anerkannter Pflegebedürftigkeit voll von der Pflegekasse übernommen werden.
Ergänzt wird das Spektrum durch lokale Begegnungsangebote: Das Netzwerk „Älter werden in Würselen“ bündelt in einer Publikation für das vierte Quartal 2026 Angebote von Gedächtnis-Cafés über Techniksupport für Handys und Laptops bis hin zu gemeinsamen Wanderungen und festlichen Veranstaltungen.
