Pflege-Beratung: 36.750 Senioren profitieren von neuem Modell
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland haben Anfang September als erste niedersächsische Kommunen ein gemeinsames Modellvorhaben zur Pflege gestartet.
Mit der Genehmigung des Landes Niedersachsen ist die Finanzierung des Projekts bis Ende 2028 gesichert, wobei eine Option zur Verlängerung bis in das Jahr 2029 besteht. Das Vorhaben zielt darauf ab, die Beratungsstrukturen für Pflegebedürftige und deren Angehörige grundlegend zu modernisieren und individuell anzupassen.
Finanzielle Förderung und regionale Reichweite
Für die Umsetzung des Modellvorhabens wurden den beteiligten Landkreisen erhebliche Mittel zugewiesen. Demnach erhält der Landkreis Grafschaft Bentheim rund 785.000 Euro, während dem Landkreis Emsland rund 946.000 Euro für die Projektlaufzeit zur Verfügung stehen.
Die landesweite Finanzierung dieses Typs von Modellvorhaben erfolgt durch das Land Niedersachsen mit jährlich gut 2 Millionen Euro, ergänzt durch einen gleich hohen Betrag der Pflegekassen.
Das Potenzial der verbesserten Beratungsangebote ist beträchtlich: In der Grafschaft Bentheim könnten über 11.000 Pflegebedürftige von den neuen Strukturen erreicht werden, im Landkreis Emsland liegt die Zahl bei etwa 25.750 Personen.
Inhaltlich knüpft das Vorhaben an das bereits im Jahr 2019 durch die Gesundheitsregion EUREGIO initiierte ReKo-Projekt an. Ein zentraler Aspekt der Weiterentwicklung ist der Einsatz von Case- und Caremanagern, die eine individuelle Beratung und Begleitung der Betroffenen sicherstellen sollen.
Digitale Lösungen und infrastruktureller Ausbau
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Parallel zu den regionalen Beratungsinitiativen gewinnen digitale Steuerungsinstrumente an Bedeutung. In Sachsen-Anhalt wird laut Planungen im September ein landesweiter digitaler Pflegeplatzfinder in Betrieb genommen. Das mit 240.000 Euro geförderte Projekt ermöglicht die Suche nach freien Kurz- und Langzeitpflegeplätzen per Web und App.
Nach Nordrhein-Westfalen ist Sachsen-Anhalt damit das zweite Bundesland, das ein solches System einführt. Die teilnehmenden Einrichtungen sind verpflichtet, ihre Kapazitäten mindestens wöchentlich zu melden, wobei auch Details wie die Verfügbarkeit von Ein- oder Zweibettzimmern erfasst werden.
Zusätzlich investieren Träger verstärkt in stationäre und teilstationäre Infrastrukturen. In Ueckermünde wird im Herbst eine neue Einrichtung mit rund 50 Plätzen eröffnet, in die Ameos rund 8,5 Millionen Euro investierte. In Bayern steht der Neubau des Caritas-Altenheims Mariahilf in Passau vor dem Abschluss, der mit Kosten von 22 Millionen Euro beziffert wird.
Auch in Rheinland-Pfalz werden neue Wege beschritten: In Herrstein wurde die Grundlage für ein Kompetenzzentrum Pflege und Wohnen geschaffen, das im Frühjahr 2027 bezogen werden soll und barrierefreien Wohnraum mit einer Tagespflege sowie sozialen Beratungsdiensten kombiniert.
Ökonomische Herausforderungen und politische Reformansätze
Die strukturellen Neuerungen finden vor dem Hintergrund einer angespannten Finanzlage in der sozialen Pflegeversicherung statt. Marktdaten zeigen für das erste Halbjahr 2026 ein Transaktionsvolumen bei Gesundheitsimmobilien von 1,8 Milliarden Euro, was bereits den Wert des gesamten Vorjahres übersteigt.
Schätzungen gehen von einem Investitionsbedarf in Höhe von 100 Milliarden Euro bis zum Jahr 2040 aus, um den Mangel von rund 350.000 Pflegeplätzen auszugleichen und bestehende Einrichtungen zu modernisieren.
Auf politischer Ebene kündigte das Bundeskabinett im September Reformen an, die unter anderem eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 5.812,50 Euro auf knapp 6.950 Euro pro Monat vorsehen. Für kinderlose Fachkräfte mit einem Bruttoeinkommen von 7.000 Euro würde dies eine jährliche Mehrbelastung von 999 Euro bedeuten.
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Kritik an der aktuellen Ausrichtung der Pflegepolitik kommt unterdessen von Verbänden. Das Bündnis pflegender Angehöriger fordert in einer Petition an den Bundestag, die Verhinderungspflege zu erhalten und Rentenpunkte für Pflegende nicht zu kürzen.
Fachleute verweisen darauf, dass laut der Pflegestatistik 2023 rund sechs von sieben Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden, wobei über 3,1 Millionen Menschen allein durch Angehörige Unterstützung erfahren.
Bundesgesundheitsminister Linnemann erklärte dazu, bei den Rentenansprüchen pflegender Angehöriger nicht sparen zu wollen, ließ die konkrete Gegenfinanzierung jedoch offen. Der Bundesrechnungshof mahnte zudem die Finanzierung über Bundesdarlehen an und kritisierte die Verschiebung der Rückzahlungsfristen in die Jahre 2035 bis 2039.
