Pflanzliches oder tierisches Eiweiß: 29 Studien zeigen kaum Unterschiede
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 20:35 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine umfassende Meta-Analyse von 29 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 2.363 Teilnehmenden über 50 Jahren liefert neue Erkenntnisse zum Einfluss der Proteinquelle auf die körperliche Verfassung im Alter.
Bei vergleichbarer Proteinzufuhr und gleicher Interventionsdauer zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen pflanzlichen und tierischen Proteinen bezüglich der fettfreien Körpermasse, der Griffkraft sowie der Mehrheit der Blutparameter.
Einzig beim Gesamtcholesterin wurde eine geringfügige Senkung zugunsten pflanzlicher Proteine festgestellt, die jedoch mit einer sehr hohen Variabilität zwischen den analysierten Untersuchungen einherging.
Methodische Schwerpunkte der bisherigen Studienlage
Die Ergebnisse der Meta-Analyse unterliegen bestimmten methodischen Rahmenbedingungen der zugrunde liegenden Studien. In 25 der 29 ausgewerteten Untersuchungen wurde Soja als pflanzliche Proteinquelle eingesetzt. Zudem kamen in 23 Studien Proteinisolate anstelle von Vollwertkost zum Einsatz. Als tierischer Vergleichsmaßstab diente den Forschenden in den meisten Fällen Milchprotein.
Einflussfaktoren auf den Muskelerhalt ab 50
Fachleute der Harvard T.H. Chan School of Public Health weisen darauf hin, dass bei der Bewertung der Ernährung nicht nur die reine Grammanzahl an Protein betrachtet werden sollte, sondern die Zusammensetzung der gesamten Mahlzeit. Für den Erhalt der Muskelmasse jenseits des 50. Lebensjahres seien neben der Proteinquelle vor allem die Gesamtkalorienzufuhr, regelmäßige Mahlzeiten und insbesondere ein begleitendes Krafttraining ausschlaggebend.
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Ernährungsexperten betonen ebenfalls, dass ab einem Alter von 45 Jahren die Kombination aus Eiweißzufuhr und Krafttraining wesentlich für den Erhalt der Muskulatur ist. Eine Zufuhr über tierische Produkte sei dafür nicht zwingend erforderlich; eine gut geplante rein pflanzliche Ernährung könne den Bedarf in jeder Lebensphase abdecken.
Da der tatsächliche Eiweißbedarf von Parametern wie Alter, Körpergewicht, Aktivitätsgrad und Gesundheitszustand abhängt, wird von pauschalen Mengenangaben abgesehen. Stattdessen wird empfohlen, jede Hauptmahlzeit mit einer verlässlichen Proteinquelle zu kombinieren.
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Als Grundlagen dienen unter anderem Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh sowie texturiertes Soja, das im trockenen Zustand rund 50 Prozent Eiweiß aufweist und alle essenziellen Aminosäuren liefert. Bei rein pflanzlicher Kost wird zudem die Supplementierung von Vitamin B12 angeraten.
Generell verändern sich die Nährstoffanforderungen im fortgeschrittenen Lebensalter: Da die Aufnahmefähigkeit des Körpers im Alter sinkt, benötigen beispielsweise Frauen ab 50 höhere Proteinmengen. Neben Proteinen als Baustoff gewinnen Mikronährstoffe wie Calcium für den Knochenaufbau, Vitamin D für den Calciumstoffwechsel sowie verschiedene B-Vitamine, Vitamin C, Vitamin E, Zink, Magnesium und Eisen an Bedeutung.
Verarbeitungsgrad von Fleischalternativen
In der ernährungsphysiologischen Diskussion spielt auch der Verarbeitungsgrad pflanzlicher Produkte eine Rolle. Das NOVA-System teilt Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad in vier Kategorien ein.
Nach Einschätzung von Fachgesellschaften wie dem Max-Rubner-Institut und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sagt die Zuordnung zur Gruppe 4 für hochverarbeitete Lebensmittel jedoch für sich genommen nichts über deren gesundheitlichen Wert aus.
Beispielsweise besteht herkömmliches Sojagranulat ausschließlich aus Soja und weist 52 Gramm Protein pro 100 Gramm auf, wird bedingt durch den Extrusionsprozess bei der Herstellung jedoch der Gruppe 4 zugeordnet.
Untersuchungen im Fachblatt The Lancet verweisen darauf, dass ein erhöhtes Krankheitsrisiko im Kontext von Fertigprodukten hauptsächlich bei zuckerhaltigen Softdrinks und verarbeitetem Fleisch wie Wurstwaren beobachtet wird. Bei hochverarbeiteten Getreide- und Vollkornprodukten sowie pflanzlichen Alternativen zeigte sich ein solcher Zusammenhang hingegen nicht.
