Pflanzliche, Proteine

Pflanzliche Proteine: Markt wächst von 24 auf 35 Milliarden Dollar

25.06.2026 - 10:10:56 | boerse-global.de

Der Markt für pflanzliche Proteine wächst rasant, doch Produktionsengpässe und neue EU-Richtlinien stellen die Branche vor Herausforderungen.

Pflanzenprotein-Boom: Tofu-Knappheit und neue EU-Regeln gegen Greenwashing
Pflanzliche - Ein gut gefülltes Supermarktregal mit einer Vielzahl von modern verpackten pflanzlichen Lebensmitteln, darunter Tofu und vegane Alternativen. 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Prognosen sagen voraus: Das weltweite Volumen steigt von rund 24 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf etwa 35 Milliarden US-Dollar bis 2030. Die Nachfrage nach Tofu und innovativen Kakaoalternativen schießt in die Höhe. Doch die Branche kämpft mit Produktionsengpässen.

Tofu-Knappheit: Österreich als Retter in der Not

Der Proteintrieb hat die Nachfrage nach Tofu in Deutschland zuletzt enorm befeuert. Die Folge: leere Regale und Kapazitätsengpässe bei den Herstellern. Österreich springt in die Bresche. Das Land hat sich als einer der wichtigsten Sojalieferanten etabliert. 2025 ernteten die Bauern dort 272.000 Tonnen auf 86.000 Hektar. Damit ist Österreich der drittgrößte Sojaproduzent in der EU.

Spezialisierte Unternehmen spielen eine Schlüsselrolle. Die Saatbau Linz liefert das Saatgut für etwa jedes zweite Sojafeld in Österreich. Der Betrieb beschäftigt 533 Mitarbeiter und setzte im Geschäftsjahr 2025 rund 261,5 Millionen Euro um. Verarbeiter wie die Sojarei legen kräftig zu: ein Absatzplus von 20 Prozent im Vorjahr. 25 Millionen Packungen produziert das Unternehmen jährlich, 70 Prozent gehen ins Ausland.

Vom Fleisch zum Pflanzenprotein

Der Strukturwandel erfasst auch die deutsche Agrarwirtschaft. Die Paschertz Gruppe wandelt sich vom klassischen Fleisch-Convenience-Anbieter zum Produzenten pflanzlicher Alternativen. Das Unternehmen setzt auf regionale Rohstoffe und baut auf 7.000 Hektar in Brandenburg eigene Sojabohnen an. Ökologische Ausgleichsmaßnahmen wie Blühflächen und Ackerrandstreifen gehören zum Konzept.

Auch bei Produktinnovationen tut sich etwas. Neue Herstellungsverfahren für Kakaoalternativen sollen den CO2-Fußabdruck deutlich senken. Während herkömmliche Milchschokolade bei 10,6 kg CO2-Äquivalent pro Kilogramm liegt, kommen Alternativprodukte ohne Kakao und Zuckerzusatz auf etwa 2,8 kg CO2e/kg.

Gesund und umweltfreundlich – aber mit Fallstricken

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bewertet eine vegane Ernährung bei sorgfältiger Planung und Vitamin-B12-Supplementierung als gesundheitsfördernd. Studien zeigen positive Effekte auf Blutfettwerte und BMI. Die ökologischen Vorteile sind ebenfalls beachtlich. Ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) zeigt: Erwachsene in der EU nehmen täglich 80 bis 85 Gramm Protein zu sich, rund 60 Prozent stammen aus tierischen Quellen.

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Die Tierhaltung verursacht mehr als 65 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen. Die EU importiert jährlich rund 30 Millionen Tonnen Soja für Futtermittel. Eine Umstellung auf pflanzliche Proteine könnte die Emissionen bis 2035 um schätzungsweise 5 Prozent senken. Kritische Nährstoffe bei rein pflanzlicher Ernährung sind neben B12 auch Jod, Calcium, Eisen, Zink und Omega-3-Fettsäuren.

Strengere Regeln gegen Greenwashing

Die Vermarktung pflanzlicher Produkte wird regulatorisch anspruchsvoller. Neue EU-Richtlinien gegen Greenwashing gelten ab dem 27. September 2026. Österreich plant eine verspätete Umsetzung mit einer dreijährigen Übergangsfrist für bereits in Verkehr gebrachte Waren. Verstöße können mit Strafen von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes geahndet werden.

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Um den Absatz ökologischer Lebensmittel zu steigern, setzen Initiativen auf engere Kooperation mit dem Lebensmitteleinzelhandel. In Deutschland lag der Bioumsatz 2025 bei 18,2 Milliarden Euro. Projekte zur Selbstverpflichtung des Handels wollen die Marktanteile heimischer Bioprodukte bis 2027 deutlich erhöhen. Ein runder Tisch am 30. November 2026 soll weitere Schritte abstimmen, gefolgt vom BioFach-Kongress im Februar 2027.

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