Pflanzliche, Immunpräparate

Pflanzliche Immunpräparate: Laborbefunde versprechen mehr als beim Menschen belegt ist

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Pflanzenstoffe zeigen antivirale Effekte im Labor, doch ein verlässlicher Schutz oder eine Behandlung beim Menschen ist nicht belegt.
Nahaufnahme von Kurkuma, Ingwer und Schwarzkümmelsamen auf einer steinernen Oberfläche Illustration mit AI erstellt.

Zahlreiche internationale Medienberichte und Fachanalysen haben die wissenschaftliche Datenlage zu pflanzlichen Immunpräparaten und traditionellen Hausmitteln zur Vorbeugung sowie Bekämpfung von Influenza-Infektionen untersucht.

Im Fokus stehen dabei unter anderem Kurkuma, Ingwer und Schwarzkümmel sowie traditionelle Heilpflanzen. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen vielversprechenden Laborbefunden und den tatsächlich belegten Effekten beim Menschen.

Vielversprechende Laborergebnisse bei traditionellen Arzneipflanzen

In In-vitro- und Tierstudien weisen diverse pflanzliche Inhaltsstoffe hemmende Eigenschaften gegenüber Influenzaviren auf. Für Sambiloto (Andrographis paniculata) konnten Untersuchungen zeigen, dass der Inhaltsstoff Andrographolid sowie dessen Derivat AL-1 im Zell- und Tierversuch verschiedene Influenza-A-Stämme hemmen, darunter H1N1, H3N2, H5N1 und H9N2. Bei Meniran (Phyllanthus niruri) deuten Laboranalysen darauf hin, dass enthaltene Flavonoide und Lignane virushemmend wirken können.

Ähnliche Effekte wurden für bekannte Küchenkräuter und Gewürze dokumentiert: Curcumin aus Kurkuma hemmt im Labor die Vermehrung von Influenza-A-Viren, während bei Ingwer die Komponente Gingerenone A in Zell- und Tierversuchen antivirale Aktivität zeigte. Schwarzkümmel enthält Thymoquinon und Thymol, welche in experimentellen Laborsettings gegen Influenzaviren aktiv waren.

Zudem zeigte eine im Journal of Ethnopharmacology publizierte Untersuchung der Autorengruppe um Siyuan Ke, Ruonan Chen, Jiaxi Wang, Xiaozhao Bi und Dajie Zhang, dass die traditionelle Rezeptur Re Du Ning über die Hemmung des viralen Nichtstrukturproteins NS1 eine antivirale Wirkung gegen Influenza entfaltet.

Gleichzeitig bewerten Autoren und Fachleute die Studienlage jedoch als stark heterogen. Da ein Großteil der Daten ausschließlich aus Zellkulturen oder Tiermodellen stammt, besteht keine wissenschaftliche Grundlage dafür, pflanzliche Präparate als Ersatz für eine Grippeimpfung oder etablierte medizinische Behandlungen zu empfehlen.

Hausmittel lindern Beschwerden, bekämpfen aber keine Viren

Klassische Zubereitungen wie Ingwertee, heiße Milch mit Ingwer und Sternanis, Kurkumatee oder Honig und Propolis können zwar Beschwerden im Rahmen eines Infekts subjektiv lindern, eine ausreichende klinische Evidenz für eine direkte Virenbekämpfung im menschlichen Körper fehlt jedoch.

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Sternanis enthält zwar Anethol und Shikimisäure – einen wichtigen Ausgangsstoff für das antivirale Arzneimittel Oseltamivir – und zeigt im Labor antibakterielle sowie antivirale Eigenschaften, die ihm zugeschriebene immunstimulierende Wirkung beruht jedoch rein auf Volksüberlieferungen ohne klinischen Nachweis.

Zudem wird vor Verwechslungen mit dem giftigen Japanischen Sternanis gewarnt, weshalb entsprechende Zubereitungen nicht ohne medizinischen Rat konsumiert werden sollten.

Fachärzte und Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass auch Nahrungsergänzungsmittel wie Ingwer-Shots, Zink oder hochdosiertes Vitamin C das Immunsystem nicht grundlegend umstellen oder Infektionen verlässlich verhindern können.

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Eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2024 kam zu dem Schluss, dass Zink Erkältungen wahrscheinlich nicht zuverlässig abwehrt, eine sehr frühe Einnahme allenfalls die Dauer leicht verkürzen kann.

Auswertungen zu Vitamin C ergaben, dass eine regelmäßige prophylaktische Einnahme bei Erwachsenen die Erkrankungsdauer lediglich um rund 8 Prozent verringern kann, während ein Beginn erst nach Symptomauftritt keinen konsistenten Nutzen bringt.

Für einen wirksamen Schutz vor schweren Verläufen von Atemwegsinfektionen bleiben laut medizinischen Empfehlungen die Impfung, Basishygiene, ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Schlaf und Erholungsphasen die zentralen Säulen. Treten schwere Grippesymptome auf, kann der rechtzeitige Einsatz antiviraler Medikamente innerhalb der ersten 48 Stunden nach Symptombeginn den Krankheitsverlauf mildern.

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