Pflanzliche, Ernährung

Pflanzliche Ernährung bei Kindern: 48.600 Fälle zeigen Nährstofflücken

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 19:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Auswertung von 59 Studien zeigt Vorteile und mögliche Nährstoffdefizite; Fachgesellschaften empfehlen Supplemente und regelmäßige Kontrollen.
Frisches, unverarbeitetes Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreide auf einem schlichten Holztisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Der Verzicht auf Fleisch und tierische Erzeugnisse gewinnt in Familien und bei jungen Menschen zunehmend an Bedeutung. Laut der Studie „nemo Erwachsene“ des Max-Rubner-Instituts ernähren sich inzwischen 4,8 Prozent der Erwachsenen in Deutschland vegetarisch oder vegan.

In jüngeren Altersgruppen fällt dieser Trend noch deutlicher aus: Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) verzichten bereits 14 Prozent der 14- bis 29-Jährigen auf Fleisch. Angesichts dieser Entwicklung rücken die gesundheitlichen Auswirkungen einer pflanzlichen Ernährung im Wachstumsalter verstärkt in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

Umfassende Auswertung zu Wachstums- und Blutwerten

Wissenschaftler der Universität Florenz untersuchten in einer Auswertung von 59 Studien die Daten von über 48.600 Kindern und Jugendlichen. Die Analyse ergab ein differenziertes Bild: Vegetarisch ernährte Heranwachsende wiesen eine höhere Aufnahme von Ballaststoffen, Folat, Vitamin C und Magnesium auf.

Gleichzeitig nahmen sie jedoch geringere Mengen an Eiweiß, Vitamin B12, Vitamin D, Zink und Eisen zu sich, was mit einem häufigeren Auftreten von Blutarmut einherging.

Bei rein vegan ernährten Kindern stellten die Forscher zudem häufig Defizite bei der Calciumversorgung fest. Über beide Gruppen hinweg zeigten sich die vegetarisch und vegan lebenden Kinder im Durchschnitt etwas kleiner und schlanker als Gleichaltrige mit Mischkost, wiesen im Gegenzug jedoch günstigere Cholesterinwerte auf.

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Empfehlungen für Supplementierung und ärztliche Kontrollen

Vor diesem Hintergrund formulierte die DGKJ in einer Stellungnahme für das Jahr 2026 konkrete Handlungsanweisungen für Eltern und Mediziner. Demnach muss Vitamin B12 bei einer rein veganen Ernährung von Kindern ausnahmslos supplementiert werden.

Bei einer vegetarischen Kostform wird dazu geraten, den B12-Status regelmäßig zu überprüfen. Je nach individueller Gestaltung des Speiseplans sollten zudem Mikronährstoffe wie Jod, Eisen, Zink und Calcium ergänzend zugeführt werden.

Pflanzliche Drinks eignen sich laut der Fachgesellschaft nur dann als vollwertiger Milchersatz, wenn sie mit Calcium angereichert sind. Ergänzend kommen Vitamin D sowie Omega-3-Fettsäuren in Betracht. Zur frühzeitigen Erkennung von Mangelerscheinungen empfiehlt die DGKJ regelmäßige labormedizinische Blutuntersuchungen.

Auch die Europäische Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) betont in ihren Leitlinien die Risiken einer unbegleiteten pflanzlichen Kost.

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Eine strikt vegane Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter berge ohne dauerhafte Supplementierung und enge medizinische Überwachung erhebliche Gefahren. Mängel an Calcium, Eisen oder Vitamin B12 könnten gravierende gesundheitliche Folgen bis hin zu neurologischen Schäden bei Säuglingen nach sich ziehen.

Gezielte Nährstoffkombination bei vegetarischer Kost

Die American Academy of Pediatrics (AAP) hält fest, dass eine pflanzliche Kostform mit Milchprodukten und Eiern den kindlichen Nährstoffbedarf decken kann. Auch eine rein vegane Ernährung könne vollwertig sein, sofern kritische Nährstoffe wie Vitamin B12, Calcium, Eisen, Zink und Vitamin D systematisch überwacht und zugeführt werden.

Gemeinsam mit den US-amerikanischen National Institutes of Health verweist die Fachgesellschaft darauf, dass Vegetarier etwa das 1,8-Fache der üblichen Eisenmenge benötigen, da pflanzliches Eisen vom Körper schlechter aufgenommen wird.

Daher wird angeraten, pflanzliche Eisenquellen mit Vitamin C zu kombinieren, um die Resorption zu verbessern. Calcium könne neben angereicherten Pflanzendrinks auch über Gemüsesorten wie Grünkohl oder Brokkoli aufgenommen werden, wobei sekundäre Pflanzenstoffe wie Phytate und Oxalate die Bioverfügbarkeit einschränken können.

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