Persönlichkeit: Neue Studien belegen lebenslange Veränderbarkeit
11.06.2026 - 10:20:18 | boerse-global.de
Eine Befragung von rund 13.000 Personen belegt: Über 60 Prozent wünschen sich, bestimmte Persönlichkeitsmerkmale zu verändern. Und sie können es auch. Eine Metaanalyse von Brent Roberts wertete rund 200 Studien mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus. Das Ergebnis: Psychotherapie ist ein wirksames Instrument für langfristige Anpassungen.
Digitale Helfer im Test
Auch Apps können helfen. Die Universität Zürich testete 2021 die sogenannte Peach-App mit 1.500 Probanden. Bereits nach drei Monaten zeigten sich messbare Steigerungen bei Extraversion, Gewissenhaftigkeit und emotionaler Stabilität.
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Kommerzielle Selbsthilfeprodukte schnitten schlechter ab. Laut Beobachtungen der Universität Zürich entfalteten sie selbst nach zwei Jahren keine signifikante Wirkung auf die Persönlichkeitsstruktur.
Veränderung kennt kein Alter
Die Idee, dass die Persönlichkeit im Alter erstarrt, ist überholt. Eine Berliner Studie unter der Leitung von Specht mit über 23.000 Teilnehmern zeigt: Auch Menschen über 70 können ihren Charakter signifikant verändern.
Eine Heidelberger Studie untermauert das. Sowohl jüngere Teilnehmer (19 bis 42 Jahre) als auch ältere Probanden (50 bis 78 Jahre) verbesserten durch ein achtwöchiges Training ihre Extraversion und emotionale Stabilität. Die lebenslange Plastizität psychischer Strukturen ist damit belegt.
Gene sind nicht alles
Die biologische Disposition spielt eine Rolle – aber eine kleinere als gedacht. Eine internationale GWAS-Studie mit 693.869 Teilnehmern identifizierte 74 Genpositionen im Zusammenhang mit Angstsymptomen, davon 39 bisher unbekannte. Doch die genetischen Unterschiede erklären nur rund 6 Prozent der Symptomvarianz.
Umweltfaktoren und individuelle Erfahrungen haben also weitaus mehr Einfluss auf die Persönlichkeit.
Musik als Stimmungsregulator
Ob Musikhören die Psyche verbessert, ist umstritten. Eine Analyse des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik verglich Daten von rund 20.000 Probanden aus den Jahren 2012 und 2022. Ergebnis: Kein direkter Beleg für eine kausale Wirkung. Menschen mit Belastungen wie Einsamkeit oder Depressionen nutzen Musik jedoch vermehrt zur Stimmungsregulation.
Die Schattenseiten der Veränderung
Nicht jede Veränderung ist harmlos. Bei medizinisch induzierten Eingriffen wie Hormontherapien zur Geschlechtsangleichung warnen Betroffene vor irreversiblen Folgen. Chris Brönimann berichtete vom Verlust seiner Sexualität nach jahrzehntelanger Hormonbehandlung und mehreren Operationen. Er kritisiert eine unzureichende Aufklärung über langfristige Risiken.
Gleichzeitig treibt die Forschung technologische Ansätze voran. Das Biotech-Unternehmen Life Biosciences testet eine Gentherapie, die durch epigenetische Reprogrammierung geschädigte Zellen verjüngen soll. Ursprünglich für Augenerkrankungen wie das Glaukom entwickelt, könnten solche Verfahren neue Wege in der regenerativen Medizin eröffnen. Sie werfen jedoch grundlegende Fragen über die Grenzen der menschlichen Formbarkeit auf.
