PCOS heißt jetzt PMOS: 170 Millionen Frauen, neue Therapien
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 05:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Idee: Ernährung und Bewegung an den weiblichen Menstruationszyklus anpassen. Doch wie fundiert ist das Konzept wirklich?
So soll die Ernährung nach Zyklusphasen aussehen
Die Theorie teilt den Zyklus in vier Phasen mit unterschiedlichem Nährstoffbedarf. Während der Menstruation (Tag 1 bis 5) steht der Eisenausgleich im Fokus. Der durchschnittliche Blutverlust liegt bei 30 bis 80 Millilitern – das entspricht einem Eisenverlust von 15 bis 40 Milligramm. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 16 Milligramm. Gute Quellen: Linsen, Kürbiskerne oder Haferflocken, kombiniert mit Vitamin C für bessere Aufnahme.
In der Follikelphase und während des Eisprungs (Tag 6 bis 16) steigt der Östrogenspiegel. Hier setzen Konzepte auf Proteine, komplexe Kohlenhydrate und fermentierte Lebensmittel. Die Lutealphase (Tag 17 bis 28) steht unter Progesteron-Dominanz. Empfohlen werden mehr Magnesium und Ballaststoffe – das soll PMS-Symptome lindern.
Eine beliebte Ergänzung: Seed Cycling. In der ersten Zyklushälfte Kürbiskerne und Leinsamen, in der zweiten Sonnenblumenkerne und Sesam.
Sportwissenschaft: Große Versprechen, kleine Effekte
Auch beim Training soll der Zyklus den Ausschlag geben. Die Theorie: In der Follikel- und Ovulationsphase ist der Körper leistungsfähiger für Krafttraining und HIIT. Die Lutealphase und Menstruation dagegen eher für Yoga oder moderate Einheiten.
Doch die wissenschaftliche Evidenz ist dünn. Eine Meta-Analyse zeigt: Die Leistungsunterschiede zwischen den Phasen sind bei vielen Frauen minimal. Ein personalisierter Ansatz kann trotzdem das Wohlbefinden steigern.
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Wichtiger ist ein anderer Punkt: Sportmediziner warnen vor chronisch niedriger Energieverfügbarkeit. Das sogenannte RED-S (Relative Energy Deficiency in Sport) kann den Körper so stark belasten, dass die Periode ausbleibt und die Leistung abfällt. Ein IOC-Consensus-Statement von 2018 beschreibt das Risiko detailliert.
PCOS bekommt neuen Namen – und neue Therapieoptionen
Im Frühjahr 2026 gab es eine wichtige Änderung: Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) heißt jetzt Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). 56 Organisationen trugen die Umbenennung mit. Der neue Name unterstreicht den systemischen Charakter der Erkrankung, von der weltweit rund 170 Millionen Frauen betroffen sind.
Etwa 85 Prozent der Patientinnen haben eine Insulinresistenz. Das vervierfacht das Risiko für Typ-2-Diabetes. Gleichzeitig gibt es neue medikamentöse Optionen: Die EMA sprach am 22. Mai 2026 eine Zulassungsempfehlung für eine orale Semaglutid-Tablette zur Gewichtsregulierung aus.
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Digitale Helfer wie die Ferrum App unterstützen Cycle Syncing praktisch. Eine Version vom 10. Juli 2026 bietet adaptive Workouts und Funktionen zur Verfolgung der progressiven Überlastung – abgestimmt auf die Zyklusphasen.
Neue Studien: Was wirklich beim Abnehmen hilft
Unabhängig vom Zyklus liefert die Forschung neue Erkenntnisse. Eine internationale Studie mit über 15.000 Teilnehmern identifizierte eine „Fettsignatur“ im Blut bei hohem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel. Die Forscher fanden Zusammenhänge mit 22 Stoffwechselprodukten.
Zum Jo-Jo-Effekt gibt es überraschende Daten. Eine norwegische Studie mit 284 Teilnehmenden, präsentiert im Mai 2026 in Istanbul, stellt die gängige Vermutung infrage, dass schneller Gewichtsverlust automatisch zu schnellerer Gewichtszunahme führt. Nach zwölf Monaten zeigte die Gruppe mit initial sehr kalorienarmer Diät einen Gewichtsverlust von 14,4 Prozent – die Gruppe mit moderater Kalorienrestriktion lag bei 10,5 Prozent.
Experten betonen: Für die langfristige Gesundheit bleibt eine ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen und hochwertigen Proteinen entscheidend.
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