PayPal-Umbau: Analysten spalten sich bei Kursziel 41–42 Dollar
30.06.2026 - 00:48:13 | boerse-global.de
Der Zahlungsdienstleister PayPal steckt im Umbau zum „Everything App“-Anbieter – und bekommt dafür gemischte Noten von den Analysten.
Am Montag, dem 29. Juni 2026, haben gleich zwei große US-Investmentbanken ihre Kursziele für die Aktie von PayPal Holdings angepasst. Goldman Sachs erhöhte das Ziel leicht von 40 auf 41 US-Dollar, hält aber an der Verkaufsempfehlung fest. Piper Sandler senkte das Kursziel dagegen von 46 auf 42 US-Dollar und bleibt neutral. Die unterschiedlichen Einschätzungen spiegeln die Unsicherheit wider, ob PayPal seine riesigen Transaktionsdaten tatsächlich gewinnbringend nutzen kann – und das in einem zunehmend umkämpften Markt.
Solide Zahlen, aber Druck von allen Seiten
Die gemischten Analystenurteile kommen trotz eines starken ersten Quartals 2026. PayPal erzielte einen Umsatz von 8,35 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten, die mit 8,05 Milliarden Euro gerechnet hatten. Das entspricht einem Wachstum von 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch beim Gewinn je Aktie lag das Unternehmen mit 1,34 Euro über der Prognose von 1,27 Euro.
Dennoch bleibt die Aktie unter Druck. Die Marktkapitalisierung des Zahlungsdienstleisters liegt bei rund 39,14 Milliarden Euro – ein Bruchteil der historischen Höchststände von 274,41 Milliarden Euro im Jahr 2020. Zum Vergleich: Der Konkurrent Visa ist mit über 649 Milliarden Euro bewertet, Mastercard mit rund 450 Milliarden Euro. Sogar Block, Inc. (ehemals Square) kommt mit etwa 46,43 Milliarden Euro auf eine höhere Marktkapitalisierung als PayPal.
Die Werbestrategie: Transaktionsdaten als Goldgrube?
Ein zentraler Pfeiler der neuen Strategie ist der Aufbau eines Werbegeschäfts auf Basis des sogenannten „Transaction Graph“. Dieses System bündelt Echtzeit-Kaufdaten von über 400 Millionen Nutzerkonten und mehr als 25 Milliarden Transaktionen. Damit will PayPal gezielte Werbelösungen für Händler anbieten.
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Erste Großkunden wie Adorama, Best Buy und Etsy machen bereits mit. Die langfristigen Prognosen sind ambitioniert: Bis 2029 sollen die neuen Einnahmequellen zu einem Umsatz von 38 Milliarden Euro und einem Gewinn von 4,8 Milliarden Euro beitragen – bei einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von vier Prozent.
Expansion mit Stablecoins und lokalen Zahlungsmethoden
Parallel dazu treibt PayPal die technische Innovation voran. Der firmeneigene Stablecoin PYUSD ist inzwischen in 70 Märkten verfügbar und soll grenzüberschreitende Transaktionen schneller und günstiger machen.
Um im europäischen grenzüberschreitenden E-Commerce-Markt – einem Volumen von rund 359 Milliarden Euro – stärker Fuß zu fassen, hat PayPal eine Partnerschaft mit PPRO geschlossen. Das Ziel: mehr als 30 neue lokale Zahlungsmethoden integrieren, darunter Swish in Schweden, MB WAY in Portugal, BLIK Pay Later in Polen und Pix in Brasilien. Diese Integration soll die Abbruchrate von Einkaufswagen bei internationalen Händlern senken.
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Zudem testet das Unternehmen ein System zur digitalen Identitätsprüfung, das Betrugsfälle um 15 bis 20 Prozent reduzieren könnte.
Wettbewerb wird härter
Doch die Konkurrenz schläft nicht. X Money, ein konkurrierender digitaler Zahlungsdienst, hat bereits fünf Millionen Nutzer und will bis Ende 2026 auf 25 Millionen wachsen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, setzt PayPal auf Partnerschaften: Mit der Großbank JPMorgan Chase arbeitet man zusammen und plant die Einführung von blockchain-basierten Echtzeit-Transaktionen.
Die Analysten von Goldman Sachs sehen trotz der soliden Ergebnisse weiterhin Risiken – insbesondere durch den Druck auf die Monetarisierung digitaler Zahlungen und durch Probleme im Zusammenhang mit Kartenausstellern. Ob sich der umbau zum „Everything App“-Anbieter auszahlt, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen müssen.
