Gehtraining, Operation

pAVK-Therapie: Gehtraining schlägt Operation – neue Leitlinie

19.06.2026 - 12:12:24 | boerse-global.de

Die aktualisierte S3-Leitlinie priorisiert strukturiertes Gehtraining vor operativen Eingriffen bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit.

pAVK-Therapie: Neue Leitlinie setzt auf Gehtraining statt OP
Gehtraining - Nahaufnahme von Beinen und Füßen einer Person, die auf einem Weg geht, um die Bewegung beim Gehtraining darzustellen. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bei der Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) setzen Ärzte künftig verstärkt auf konservative Methoden. Strukturiertes Gehtraining gilt bei der sogenannten Schaufensterkrankheit als vorrangige Therapieoption.

Leitlinien priorisieren konservative Maßnahmen

pAVK-Patienten haben oft schlechtere Überlebensraten als Menschen mit koronarer Herzkrankheit. Dabei leidet nur etwa jeder zehnte Betroffene unter den typischen Symptomen der Claudicatio intermittens.

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Die aktuelle S3-Leitlinie schreibt bei diesen Patienten ein primäres Gehtraining über drei bis sechs Monate vor. Erst danach kommt eine operative Wiederherstellung der Gefäßdurchlässigkeit (Revaskularisation) in Betracht. Ausgenommen sind Patienten mit einer kritischen Extremitätenischämie (CLTI) – sie benötigen sofortige operative Eingriffe.

Die Herausforderung: Viele Patienten halten das Training nicht durch, und spezielle Gefäßsportgruppen sind oft Mangelware. Die Angiologin Gesine Dörr betont in aktuellen Fachbeiträgen, dass Ärzte Patienten trotz dieser Hürden konsequent zum Gefäßtraining motivieren müssen.

Schmerz als Therapieschlüssel

Die Intensität der Belastung entscheidet über den Erfolg. Eine Studie aus Chicago zeigt: Nur Gehtraining, das bewusst in den schmerzhaften Bereich hineinführt, verlängert die schmerzfreie Gehstrecke signifikant. Schmerzfreie Übungseinheiten erzielten dagegen kaum Effekte.

Der Trend zu bewegungsorientierten Therapien zeigt sich auch anderswo. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 18. Juni die Anforderungen für Disease-Management-Programme (DMP) bei chronischem Rückenschmerz aktualisiert. Auch hier steht die Förderung körperlicher Aktivität im Zentrum.

Medikamente im Zusammenspiel

Die konservative Therapie der pAVK wird durch ein striktes medikamentöses Management ergänzt. Standard sind Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS oder Clopidogrel sowie eine aggressive Senkung der LDL-Cholesterinwerte auf unter 55 mg/dl.

Auch GLP-1-Rezeptoragonisten werden zunehmend relevant. Eine auf dem ENDO-Kongress vorgestellte Studie zeigt jedoch: Die körperliche Aktivität sinkt bei Patienten nach Beginn einer GLP-1-Therapie im Durchschnitt. Für das pAVK-Management bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung – der positive Medikamenteneffekt darf nicht durch Bewegungsmangel konterkariert werden.

Digitale Helfer in Sicht

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Um die Therapietreue zu steigern, gewinnen digitale Angebote an Bedeutung. Spezialisierte Apps für pAVK-Patienten stehen zwar noch nicht flächendeckend zur Verfügung, andere Bereiche zeigen bereits funktionierende Modelle.

Eine große Krankenkasse bietet ab Juli in Berlin und Brandenburg ein kombiniertes Konzept aus Physiotherapie und App-Unterstützung für Arthrose-Patienten an. Der bundesweite Rollout ist geplant. Solche hybriden Ansätze könnten künftig auch die Versorgungslücken beim Gehtraining für pAVK-Patienten schließen.

Kommunale Initiativen ergänzen das Angebot. In Berlin-Spandau gibt es von Mai bis Oktober wöchentliche Walking-Termine für Senioren. Die gelenkschonende Ausdauerstärkung leistet einen Beitrag zur primären und sekundären Prävention von Gefäßerkrankungen.

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