Parkinson-Tremor: Ultraschall lässt Zittern in 69% der Fälle verschwinden
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von Parkinson-Symptomen hat durch die Weiterentwicklung des MR-gesteuerten fokussierten Ultraschalls (MRgFUS) neue Impulse erhalten. Ein klinischer Fall am UT Southwestern Medical Center im Frühjahr 2026 verdeutlichte das Potenzial dieser Technologie: Bud Leavell, ein 72-jähriger Veteran der US-Luftwaffe, bei dem die Parkinson-Krankheit bereits im Jahr 2017 diagnostiziert worden war, unterzog sich am 13. April 2026 dem Eingriff.
Berichten des medizinischen Zentrums zufolge verschwand sein Tremor unmittelbar während der Behandlung. Dieser Fall steht exemplarisch für eine Reihe von therapeutischen Fortschritten, die durch regulatorische Erweiterungen und klinische Studien gestützt werden.
Technologische Entwicklung und regulatorische Meilensteine
Die Anwendung von fokussiertem Ultraschall bei neurologischen Erkrankungen basiert auf der gezielten thermischen Destruktion spezifischer Hirnregionen, die für motorische Fehlfunktionen verantwortlich sind.
Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat den Einsatzrahmen für diese Technologie über das letzte Jahrzehnt kontinuierlich erweitert. Während die erste Zulassung für essenziellen Tremor bereits im Jahr 2016 erfolgte, wurde der Einsatz bei Parkinson-Tremor im Jahr 2018 genehmigt.
In den darauffolgenden Jahren folgten Zulassungen für die Pallidotomie im Jahr 2021 sowie für die pallidothalamische Traktotomie im Jahr 2025. Letztere ermöglichte auch bilaterale Behandlungen.
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Im Januar 2026 wurde die FDA-Zulassung für das System „Exablate Neuro“ speziell für Parkinson-Tremor erneut bestätigt beziehungsweise erweitert. Diese regulatorischen Schritte bilden die Grundlage dafür, dass spezialisierte Einrichtungen wie Henry Ford Health oder das UT Southwestern Medical Center diese Form der Hochintensiven fokussierten Ultraschalltherapie (HIFU) als Behandlungsoption anbieten können.
Klinische Evidenz und Wirkungsweise
Die Wirksamkeit der Methode wird durch wissenschaftliche Untersuchungen untermauert. Eine im New England Journal of Medicine (NEJM) im Jahr 2023 veröffentlichte randomisierte Studie verglich die Ultraschallbehandlung mit einer Scheinbehandlung (Sham).
Nach einem Zeitraum von drei Monaten zeigten 69 Prozent der Patienten in der Ultraschallgruppe ein Ansprechen auf die Therapie, während die Responder-Quote in der Vergleichsgruppe bei 32 Prozent lag.
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Trotz der signifikanten Reduktion motorischer Symptome weisen Mediziner auf die Grenzen des Verfahrens hin. Die Neurochirurgin Dr. Danika Paulo von Henry Ford Health erläuterte im August 2026, dass die Methode zwar die Lebensqualität durch die Linderung des Zitterns erheblich verbessern könne, jedoch keine Heilung der zugrunde liegenden neurodegenerativen Erkrankung darstelle. Es handele sich um einen symptomatischen Ansatz zur Kontrolle der motorischen Beeinträchtigungen.
Risikoprofil und Patientenbetreuung
Wie bei jedem neurochirurgischen Eingriff ist die Anwendung des MR-gesteuerten fokussierten Ultraschalls mit Risiken verbunden. Klinische Daten deuten darauf hin, dass Nebenwirkungen in etwa 20 bis 30 Prozent der Fälle auftreten können. Da das Verfahren Hirngewebe dauerhaft verändert, ist eine präzise Indikationsstellung entscheidend.
Die Vorteile liegen für Patienten wie Bud Leavell vor allem in der Invasivität des Eingriffs, der ohne Öffnung der Schädeldecke auskommt. Dennoch bleibt die Langzeitbeobachtung ein wesentlicher Bestandteil der klinischen Begleitung, um die Dauerhaftigkeit der Tremor-Reduktion und mögliche verzögerte Effekte der Gewebedestruktion zu bewerten.
Die zunehmende Verfügbarkeit der Technologie an spezialisierten Zentren markiert eine phase, in der die thermale Ablation mittels Ultraschall zu einer etablierten Alternative gegenüber invasiveren Methoden wie der Tiefen Hirnstimulation heranwächst.
