Paracetamol bei Bluthochdruck: Regelmäßige Einnahme erhöht den Wert um 4,7 mmHg
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 18:40 Uhr | Redaktion boerse-global.deParacetamol gilt in vielen Haushalten als bewährtes Standardmedikament gegen Schmerzen und Fieber. Da der Wirkstoff im Gegensatz zu nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen keine entzündungshemmenden Eigenschaften besitzt, wird er von Medizinern häufig bei bestehender Magen-Darm-Empfindlichkeit oder unter Einnahme gerinnungshemmender Mittel bevorzugt.
Dennoch mahnen klinische Daten bei einer langfristigen Anwendung zu erhöhter Wachsamkeit. Im Zentrum der Diskussion stehen die Ergebnisse der PATH-BP-Studie der Universität Edinburgh aus dem Jahr 2022, die signifikante Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System belegen.
Klinische Studie der Universität Edinburgh dokumentiert Blutdruckanstieg
Die von der British Heart Foundation finanzierte und 2022 im Fachjournal Circulation publizierte Untersuchung analysierte die Folgen einer regelmäßigen Einnahme bei 110 Erwachsenen mit bereits bestehender Hypertonie.
Im Rahmen der doppelblinden, randomisierten Studie erhielten die Probanden über zwei Wochen hinweg viermal täglich 1 g Paracetamol – insgesamt 4 g pro Tag – im Vergleich zu einem Placebo, getrennt durch eine zweiwöchige Pause.
Insgesamt 103 Teilnehmer schlossen die Studie ab, die im Clinical Research Centre am Western General Hospital in Edinburgh unter Aufsicht des Verbunds ACCORD gemeinsam mit der Universität Edinburgh und dem NHS Lothian Health Board stattfand.
Die Auswertung zeigte, dass Paracetamol den systolischen Blutdruck placebokorrigiert um 4,7 mmHg und den diastolischen Blutdruck um 1,6 mmHg steigerte.
Der mittlere tägliche systolische Wert kletterte in der Paracetamol-Phase von 132,8 auf 136,5 mmHg, während er in der Placebogruppe von 133,9 auf 132,5 mmHg nachgab. Der Blutdruckanstieg zeigte sich bereits am vierten Einnahmetag und hielt über die gesamte 14-tägige Beobachtungsdauer an.
Dieser Effekt trat unabhängig davon auf, ob die Studienteilnehmer parallel blutdrucksenkende Medikamente einnahmen. Zudem wurde ein nennenswerter, statistisch signifikanter Anstieg der Leberwerte (ALT) verzeichnet, die sich zwei Wochen nach Absetzen des Präparats wieder normalisierten.
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Risikoeinschätzung der Forscher bei chronischer Einnahme
Mit einem durchschnittlichen Anstieg des systolischen Blutdrucks um rund 5 mmHg gegenüber Placebo fällt der Effekt laut den Studienautoren ähnlich aus wie bei NSAR. Prof. David Webb von der Universität Edinburgh ordnete die Daten so ein, dass dieser Anstieg dem Effekt des Absetzens einer Blutdrucktablette entspreche.
Auf Basis der Messwerte schätzen die Wissenschaftler, dass eine längerfristige Anwendung das Risiko für Herzkrankheiten oder Schlaganfälle um etwa 20 % erhöhen könnte.
Direkt mehr Herzinfarkte oder Schlaganfälle löste die zweiwöchige Studienphase allerdings nicht aus. Es traten zwei schwerwiegende Ereignisse auf: ein Myokardinfarkt, der bereits vor Studienbeginn stattgefunden hatte, sowie ein Fall von Vorhofflimmern mit Hospitalisierung, bei dem kein kausaler Zusammenhang mit Paracetamol festgestellt werden konnte.
Prof. James Dear von der Universität Edinburgh betonte, dass eine zweiwöchige Einnahme den Blutdruck bei Patienten mit Hypertonie steigere und Ärzte sowie Patienten das Risiko-Nutzen-Verhältnis bei einer Langzeitverordnung sorgfältig abwägen sollten.
Dr. Iain MacIntyre hob ergänzend hervor, dass dieses Risiko vor allem die regelmäßige Einnahme bei chronischen Schmerzen betreffe und nicht die kurzzeitige Anwendung bei akutem Kopfschmerz oder Fieber.
Relevanz für Hypertoniker und Gefahren von Überdosierungen
Das Zusammenspiel von Bluthochdruck und Schmerzmedikation betrifft große Patientengruppen. Nach Angaben der Kardiologin Prof. Anna Tomaszuk-Kazberuk lebten im Jahr 2024 rund 11 Mio. Menschen in Polen mit Hypertonie. Gleichzeitig verzeichnete das dortige Gesundheitssystem OSOZ im selben Jahr den Kauf von 46 Mio. Packungen paracetamolhaltiger Arzneimittel.
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Fachleute weisen zudem auf allgemeine Anwendungsrisiken hin. Eine Fachärztin für Kinderheilkunde warnt davor, dass unsachgemäße Dosierungen, zu kurze Einnahmeabstände oder unbemerkte Wirkstoffdopplungen durch verschiedene Kombinationspräparate zu schweren Leber- und Nierenschäden führen können.
Auch Apotheker raten dazu, Kombinationsmittel gegen Erkältungen genau zu prüfen, um versehentliche Überdosierungen zu vermeiden, und Wechselwirkungen – etwa mit Gerinnungshemmern wie Warfarin – vorab abzuklären. Bei chronischen Schmerzen sollte eine Daueranwendung von Paracetamol daher stets unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
