Pankreaskrebs-Früherkennung: Studie kombiniert zehn microRNAs mit CA 19-9
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der wissenschaftliche Austausch im Bereich der Gastroenterologie und Viszeralchirurgie stand Mitte September im Zeichen des Kongresses Viszeralmedizin 2026. Die in Hamburg ausgetragene Jahrestagung, die unter dem Leitmotiv „Prävention, Translation, Perspektiven“ stattfand, versammelte Fachleute zur Diskussion über neue Diagnose- und Therapieverfahren.
Unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Elke Roeb vom Universitätsklinikum Gießen (UKGM), der ersten Frau an der Spitze dieser Tagung, wurden Schwerpunkte wie die Krebsprävention, metabolische Lebererkrankungen sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz erörtert.
Neue Standards in der Diagnostik von Zöliakie und Pankreaskrebs
Ein wesentlicher Aspekt der wissenschaftlichen Debatte betraf die Anpassung diagnostischer Verfahren. Im Rahmen des Kongresses wurde eine neue Leitlinie zur Zöliakiediagnose thematisiert. Demnach ist eine Biopsie nicht mehr zwingend erforderlich, sofern der Transglutaminase-Antikörpertiter mindestens das Zehnfache über dem oberen Normwert liegt. Bisher galt in Deutschland die Biopsie als Regelfall für eine gesicherte Diagnose.
Parallel dazu präsentierte ein internationales Forschungsteam Fortschritte bei der Früherkennung des Pankreaskarzinoms. Da für diese Krebsart bislang kein klinisch etablierter Bluttest existiert und die Prognose aufgrund später Diagnosen oft schlecht ist, wurde ein neuer Ansatz untersucht.
In einer Studie mit 1.785 Teilnehmern aus vier Ländern konnte durch die Kombination einer Signatur aus zehn spezifischen microRNAs mit dem Tumormarker CA 19-9 Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits im Frühstadium mit hoher Genauigkeit nachgewiesen werden.
Innovationen bei chronischen Entzündungen und Onkologie
Im Bereich der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) lieferte eine gepoolte Analyse der Phase-3-Studien GALAXI 2 und 3 neue Daten. Die Untersuchung des IL-23p19-Inhibitors Guselkumab bei moderat bis schwer aktivem Morbus Crohn deutet darauf hin, dass die Therapie auch extraintestinale Manifestationen an Gelenken, Haut oder Augen lindern kann. Diese Begleiterscheinungen klangen unter der Behandlung häufiger ab als in der Placebogruppe.
Weitere klinische Beobachtungen wurden von Forschenden der Universitätsklinik Minden vorgestellt. Eine Synbiotika-Therapie reduzierte bei Patienten mit chronischer Pankreatitis die Häufigkeit von Beschwerden signifikant. Obwohl dies keinen direkten Einfluss auf die allgemeine Lebensqualität zeigte, wird die intestinale Dysbiose als relevanter Faktor bei persistierenden Symptomen unter Leitlinientherapie diskutiert.
In der Onkologie zeigten Untersuchungen von Forschenden um Dana Krauß am Zentrum für Krebsforschung der MedUni Wien, dass der Rezeptor EGFR auch bei KRAS-mutierten Tumoren eine aktive Rolle spielt. Eine Hemmung des EGFR beeinflusse den Zellstoffwechsel und schwäche Wachstumssignale ab.
Für das Pankreaskarzinom existiert bislang kein klinisch etablierter Bluttest — die Diagnose kommt meist zu spät. Ein internationales Forschungsteam hat nun eine Signatur aus zehn microRNAs mit dem Tumormarker CA 19-9 kombiniert und damit in einer Studie mit 1.785 Teilnehmern aus vier Ländern Tumoren im Frühstadium mit hoher Genauigkeit nachgewiesen. Wie Sie solche Befunde in der Sprechstunde einordnen, zeigt unser kostenloser Praxisleitfaden. Praxisleitfaden jetzt kostenlos anfordern
Zudem identifizierten die Wissenschaftler das Gen Smoc2 als Schlüsselfunktion: Patienten mit dieser Signatur haben bei KRAS-mutiertem Darmkrebs bessere Überlebenschancen. Diese Ergebnisse könnten künftig Kombinationstherapien unterstützen, wobei klinische Studien hierzu noch ausstehen.
Hepatologie und die Debatte um die Organspende
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) nutzte den Rahmen des Kongresses, um eine Reform der Organspende anzumahnen. Hintergrund sind Beratungen im Bundestag über eine mögliche Widerspruchslösung.
Laut DGVS sterben in Deutschland rund 20 % der Patienten auf der Warteliste für eine Leber – ein Wert, der etwa 5 % über dem Durchschnitt von Eurotransplant-Ländern mit Widerspruchsregelung liegt.
Bei akutem Leberversagen im Stadium IV versterben ohne Transplantation rund 80 bis 90 % der Betroffenen. Selbst bei einer priorisierten „High-Urgency“-Listung dauert es durchschnittlich 72 Stunden bis zur Organfindung, was etwa 30 % der Erkrankten nicht überleben.
Ergänzend dazu untersuchten Forschende des Universitätsklinikums Tübingen die Langzeitnachsorge nach Lebertransplantationen. Bei rund einem Drittel der Patienten fanden sich Hinweise auf Alkoholkonsum, insbesondere bei länger zurückliegenden Eingriffen, was das Überleben des Transplantats gefährden kann.
Einen neuen Ansatz zur Behandlung der Fettleber präsentierten Wissenschaftler der Universität Konstanz. Sie wiesen molekular nach, dass die Vaccensäure, eine von Bakterien in Wiederkäuern gebildete trans-Fettsäure, über Fleisch und Milch in den Darm gelangt und dort Entzündungen hemmt. Im Mausmodell führte die Gabe dieser Fettsäure zu einer Reduktion der Blutglucose- und Blutfettwerte sowie zu einer Rückbildung bestehender Fettleberbefunde.
Auszeichnungen und akademischer Kontext
Im Rahmen der Tagung wurde Prof. Wolfram H. Gerlich für seine über fünf Jahrzehnte währende Forschung zum Hepatitis-B-Virus mit der Thannhauser-Medaille geehrt. Neben der wissenschaftlichen Arbeit widmete sich der Kongress mit dem NEXT GEN Day gezielt der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.
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Die Jahrestagung der DGVS blickt auf eine lange Tradition zurück, die auf den ersten Kongress im Jahr 1914 zurückgeht. Das gastgebende UKGM, an dem Kongresspräsidentin Roeb tätig ist, gilt mit 86 Kliniken und Instituten als drittgrößtes Universitätsklinikum Deutschlands; seit Februar 2006 hält die RHÖN-KLINIKUM AG eine Beteiligung von 95 %.
