Osteoporose: Zelltherapie senkt Knochenbrüche um 94%
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 11:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Fachzeitschrift „Cell“ wurden im September 2026 Ergebnisse einer Phase-1-Studie veröffentlicht, die neue Ansätze in der Behandlung schwerer Osteoporose beleuchten.
Ein Forscherteam um Moraleda et al. untersuchte darin die Wirkung einer einmaligen intravenösen Infusion von körpereigenen, modifizierten Knochenmarkszellen. Diese sogenannten exofukosylierten oder HCELL-modifizierten Zellen wurden bei zehn Frauen im Alter zwischen 51 und 72 Jahren eingesetzt, die an einer fortgeschrittenen Form der Knochenkrankheit litten.
Die wissenschaftliche Untersuchung, die bereits im Jahr 2015 gestartet wurde, liefert nun Langzeiterkenntnisse über einen Zeitraum von etwa sechs Jahren.
Signifikante Reduktion von Fragilitätsfrakturen
Ein zentraler Aspekt der Analyse liegt in der Veränderung der Frakturraten bei den Teilnehmerinnen. Laut den Daten des Studienteams sank die Anzahl der Fragilitätsfrakturen in den zwei Jahren nach der Zellinfusion massiv.
Während die Patientinnen in den zwei Jahren vor der Behandlung durchschnittlich 8 Frakturen pro Jahr erlitten hatten, reduzierte sich dieser Wert nach dem Eingriff auf 0,5 Frakturen pro Jahr. Dies entspricht einem Rückgang von -94%.
Auch im weiteren Langzeitverlauf bestätigte sich dieser Trend. Die Forscher beobachteten eine Senkung von ursprünglich 0,54 auf 0,11 Frakturen pro Patientenjahr. Bemerkenswert ist dabei, dass die Teilnehmerinnen sowohl vor als auch während der Studienphase ihre konventionellen Osteoporosemedikamente weiterhin einnahmen. Die Zelltherapie wurde somit als ergänzende Maßnahme zur bestehenden Standardtherapie evaluiert.
Morphologische Veränderungen und Schmerzentwicklung
Neben der rein statistischen Erfassung von Knochenbrüchen dokumentierte das Studienteam signifikante Veränderungen der Knochenstruktur. Vier Monate nach der einmaligen Infusion war die Knochengewebefläche bei sieben der zehn Teilnehmerinnen signifikant erhöht und hatte sich in diesen Fällen nahezu verdoppelt.
Eine einmalige Infusion mit körpereigenen, modifizierten Knochenmarkszellen hat in einer kleinen Phase-1-Studie die Fragilitätsfrakturen bei Frauen mit fortgeschrittener Osteoporose um 94 Prozent gesenkt — doch die Teilnehmerinnenzahl war gering und eine breite Anwendung liegt noch fern. Unser kostenloser Report ordnet die Ergebnisse verständlich ein und zeigt, welche Fragen Sie Ihrem Arzt jetzt stellen können. Kostenlosen Studien-Report anfordern
Die Messungen ergaben zudem, dass die volumetrische Knochendichte anstieg, wobei dieser Zuwachs vor allem im trabekulären Bereich, also der inneren Schwammstruktur des Knochens, festgestellt wurde.
Die physischen Verbesserungen spiegelten sich auch im Befinden der Patientinnen wider. Die Daten zeigen eine Schmerzreduktion um 34% bis zum 24. Monat nach der Behandlung. Parallel dazu verbesserte sich die körperliche Funktion der Frauen im selben Zeitraum um 30%.
Hinsichtlich der Sicherheit der Therapieform berichteten die Forscher, dass über den gesamten Nachbeobachtungszeitraum von rund sechs Jahren keine schweren unerwünschten Ereignisse auftraten.
Limitationen und geplante klinische Validierung
Trotz der klinisch relevanten Ergebnisse weist das Studienteam auf die methodischen Einschränkungen der aktuellen Untersuchung hin. Da die Phase-1-Studie lediglich zehn Teilnehmerinnen umfasste und zudem ohne Kontrollgruppe oder Verblindung durchgeführt wurde, ist die statistische Aussagekraft für eine breite Anwendung noch begrenzt.
Wenn bisherige Osteoporose-Medikamente nicht ausreichen und die Angst vor dem nächsten Knochenbruch den Alltag bestimmt, lohnt ein Blick auf die aktuelle Studienlage: Eine geplante randomisierte Folgestudie mit rund 100 Patienten soll die Zelltherapie systematisch prüfen. Unser Leitfaden fasst zusammen, was heute gesichert ist und wie Sie informiert bleiben. Leitfaden zur Zelltherapie-Studienlage sichern
Experten ordnen die Ergebnisse als wichtigen Wirksamkeitsnachweis (Proof of Concept) ein, betonen jedoch, dass eine breite therapeutische Anwendung zum jetzigen Zeitpunkt noch in weiter Ferne liegt.
Um die Erkenntnisse auf eine solidere wissenschaftliche Basis zu stellen, ist bereits eine randomisierte Folgestudie geplant. Diese soll rund 100 Patienten einschließen und eine systematische Validierung der bisherigen Beobachtungen ermöglichen. Erst nach erfolgreichem Abschluss größerer klinischer Studienphasen wird absehbar sein, ob die HCELL-modifizierte Zelltherapie Einzug in die klinische Routineversorgung finden kann.
