Osteoporose: Starke Muskeln senken Sterberisiko um 12 Prozent
04.06.2026 - 12:03:36 | boerse-global.deDabei ranken sich zahlreiche Mythen um die Krankheit. Ein Überblick über aktuelle Forschung und Prävention.
Kalzium ist nicht alles
Viele glauben, Osteoporose sei reine Kalziummangel-Krankheit. Die Wahrheit ist komplexer. Untergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel und Grunderkrankungen spielen eine ebenso große Rolle bei der Entstehung.
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Die Gefahr wird oft unterschätzt: Bei fortgeschrittener Osteoporose können Knochenbrüche bereits durch Husten oder Niesen ausgelöst werden – ohne Sturz oder äußere Einwirkung. Auch die Annahme, eine einmalige Knochendichtemessung reiche aus, ist überholt. Mediziner empfehlen jährliche Kontrollen.
Bewegung statt Schonung
Ein gefährlicher Irrtum: Wer Osteoporose hat, sollte sich schonen. Das Gegenteil ist der Fall. Moderate Bewegung drei- bis viermal pro Woche für jeweils über 30 Minuten kann die Knochendichte aktiv verbessern.
Ernährungsmythen halten ebenfalls nicht stand. Knochenbrühe etwa enthält kaum Kalzium, dafür aber reichlich Blutfette und Harnsäure.
Forschung im All
Die Universitätsmedizin Greifswald geht einen ungewöhnlichen Weg: Für Anfang 2027 ist ein Experiment auf der Internationalen Raumstation geplant. In der Schwerelosigkeit erleben Astronauten massiven Knochenschwund – ideale Bedingungen, um Osteoporose besser zu verstehen. Das Projekt läuft in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Parallel dazu liefern Beobachtungsstudien überraschende Erkenntnisse: GLP-1-Rezeptoragonisten, eigentlich gegen Diabetes und Adipositas entwickelt, senken offenbar auch das Risiko für Kniegelenkersatzoperationen. Nach acht Jahren lag die kumulative Risikoreduktion bei fast fünf Prozentpunkten. Forscher vermuten entzündungshemmende Effekte und den Gewichtsverlust als Ursache.
Muskeln schützen Knochen
Eine im Frühjahr 2026 im Fachmagazin JAMA Network Open diskutierte Studie zeigt: Muskeln sind der beste Schutz fürs Skelett. Bei über 5.400 untersuchten Frauen im Durchschnittsalter von 79 Jahren senkte eine höhere Griffkraft das Sterberisiko um 12 Prozent. Die Empfehlung: mindestens zweimal pro Woche Krafttraining.
Gewichtswesten rücken dabei in den Fokus. Eine Studie aus Oregon belegte, dass Westentraining kombiniert mit Sprungübungen die Knochenmasse im Oberschenkel um 1,54 Prozent steigern kann. Allerdings: Die Gelenkbelastung ist hoch, der Einsatz sollte dosiert erfolgen.
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Ernährung: Supplemente mit Bedacht
Eine vietnamesische Längsschnittstudie im European Journal of Clinical Nutrition verglich Veganer mit Nicht-Vegetariern. Ergebnis: Bei den pflanzlich lebenden Teilnehmern lag die Kalziumaufnahme bei lediglich 300 bis 400 mg pro Tag – empfohlen werden 1000 mg. Dennoch war der Knochendichte-Rückgang bei Vegetariern mit 0,9 Prozent geringer als bei der Kontrollgruppe mit 1,9 Prozent. Dafür trat Vitamin-D-Mangel bei Veganern deutlich häufiger auf.
Fachleute raten zu gezielter Supplementierung: Multivitaminkomplexe sind für die breite Bevölkerung unnötig, aber essenziell für Veganer (Vitamin B12, Eisen), Schwangere (Folsäure) und ältere Menschen (Vitamin D, Kalzium). Vorsicht gilt bei unbekannten Präparaten gegen Gelenkschmerzen – sie können versteckte Kortikosteroide enthalten, die langfristig zu schweren Gesundheitsschäden wie Nebenniereninsuffizienz führen.
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