Osteoporose, Menschen

Osteoporose in Österreich: Mehr als 500.000 Menschen sind betroffen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ausreichend Kalzium, Vitamin D und regelmäßiges Training unterstützen die Knochen; Nahrungsergänzung empfiehlt sich laut Fachleuten nur gezielt.
Nahaufnahme einer porösen, gitterartigen Struktur, die die innere Beschaffenheit von Knochengewebe darstellt. Illustration mit AI erstellt.

Fachgesellschaften und Mediziner weisen verstärkt auf die essenzielle Rolle von Kalzium für die Stabilität des menschlichen Skeletts hin und warnen vor den gravierenden gesundheitlichen Folgen einer anhaltenden Unterversorgung. Da ein Mangel über lange Zeiträume symptomlos verlaufen kann, bleibt der schleichende Verlust an Knochensubstanz häufig unbemerkt, bis es zu ersten Frakturen oder zur Diagnose einer Osteoporose kommt.

Schleichender Mangel und die Folgen für das Skelett

Laut dem Zentrum für Kompetenzen für funktionelle Ernährung von Roskatschjestwo kann ein Kalziummangel lange verborgen bleiben, da ein normales Blutbild das Defizit oft nicht unmittelbar abbildet.

Reicht das über die Nahrung zugeführte Kalzium nicht aus, greift der Organismus auf die körpereigenen Speicher zurück: Er entzieht den Knochen Mineralstoffe, um lebenswichtige Funktionen von Muskeln, Nervensystem und Herz aufrechtzuerhalten.

Die Folge sind brüchige Knochen, eine Zunahme von Frakturen und die Entstehung von Osteoporose. Als typische Anzeichen eines Mangels nennt Roskatschjestwo erhöhte Müdigkeit, Muskelschmerzen, Krämpfe sowie Zahnprobleme; in schweren Fällen können auch Herzrhythmusstörungen auftreten.

Die Abnahme von Knochendichte und Festigkeit führt dazu, dass Knochen porös werden. Typische Warnzeichen sind Knochenbrüche nach bereits leichten Verletzungen, ein Verlust an Körpergröße, eine zunehmend gekrümmte Haltung sowie Knochen- und Rückenschmerzen. Gemessen wird die Knochenmasse pro Gewebevolumen üblicherweise über die Dual-Energy-Röntgenabsorptiometrie (DEXA).

Ein reduzierter Wert signalisiert ein erhöhtes Risiko für Frakturen, die besonders häufig an der Wirbelsäule, der Hüfte und den Handgelenken auftreten. Bereits ab dem 30. Lebensjahr setzt ein natürlicher Knochenverlust ein, der nach Berichten bei 0,5 bis 1 % pro Jahr liegt.

Verbreitung und Risikofaktoren im Alter

Die epidemiologische Dimension ist erheblich: In Österreich sind aktuellen Schätzungen zufolge mehr als 500.000 Menschen von Osteoporose betroffen, wovon etwa 80 % auf Frauen entfallen. Angesichts der steigenden Lebenserwartung nimmt die Zahl der Betroffenen weiter zu.

Nach Angaben der spanischen Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel (Senpe) erleiden eine von drei Frauen und einer von fünf Männern über 50 Jahren im Laufe ihres Lebens eine osteoporotische Fraktur.

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Die Diagnostik erfolgt postmenopausal über einen T-Score von -2,5 oder niedriger; bei prämenopausalen Frauen deutet ein Z-Score von -2,0 oder darunter auf Werte hin, die unter der Erwartung für die jeweilige Altersgruppe liegen.

Fachärzte weisen darauf hin, dass Frauen ab der Menopause durch das Absinken des Östrogenspiegels rascher an Knochenmasse verlieren. Zudem können starker Gewichtsverlust und Untergewicht die Knochendichte sowie den Hormonhaushalt negativ beeinflussen.

Empfehlungen zur Zufuhr und die Rolle von Begleitstoffen

Für die tägliche Zufuhr von Kalzium gibt Roskatschjestwo für Erwachsene einen Richtwert von ca. 1000 mg an, ab einem alter von 60 Jahren liegt die Empfehlung bei 1200 mg. Senpe formuliert für Erwachsene ein Ziel von 1000 bis 1200 mg Kalzium pro Tag.

Als nahrungsbasierte Quellen gelten unter anderem Hartkäse, Milch, Kefir, Quark, Hülsenfrüchte wie Bohnen und Sojabohnen sowie Sesam und Fisch mit Gräten wie Sardinen. Ebenso tragen kalziumreiches Mineralwasser, Tofu und grünes Gemüse zur Bedarfsdeckung bei.

Damit Kalzium effektiv verwertet werden kann, ist Vitamin D unverzichtbar. Wie medizinische Fachleute betonen, nimmt der Darm Kalzium allein nur zu etwa 5 bis 10 % auf. In Verbindung mit Vitamin D steigt die Resorption auf bis zu 50 bis 70 %. Unverwertetes Kalzium birgt dagegen das Risiko, Nierensteine zu begünstigen oder Magen-Darm-Beschwerden auszulösen.

Ergänzend sind Proteine, Vitamin K und Magnesium für den Knochenstoffwechsel erforderlich. Senpe nennt im Rahmen einer mediterranen Ernährung eine Proteinzufuhr von 1,0 bis 1,2 g pro Kilogramm Körpergewicht am Tag; Leitlinien empfehlen generell mindestens 1 g Protein pro Kilogramm täglich.

Grenzen und Fallstricke bei der Supplementierung

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Fachleute raten dazu, den Kalziumbedarf vorrangig über die normale Ernährung zu decken. Eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte nur bei einem nachgewiesenen Mangel, nach Operationen oder bei verminderter Magensäure erfolgen.

Bei Präparaten wird darauf verwiesen, dass Kalziumkarbonat Magensäure für die Verwertung benötigt, während Kalziumzitrat oder Kalziumglukonat auch ohne diese Bedingung aufgenommen werden.

Eine Einzeldosis sollte 500 mg nicht überschreiten und vorzugsweise auf Mahlzeiten am Morgen und Abend verteilt werden. Zudem sollte zwischen der Einnahme von Kalzium und Eisen ein Abstand von mindestens zwei Stunden liegen.

Kritik gibt es an festen Kombinationspräparaten. Fachärzte am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE Hamburg) weisen darauf hin, dass derartige Produkte oft unausgewogen zusammengesetzt seien: Sie enthielten häufig 600 bis 800 mg Kalzium, jedoch nur 400 I.E. Vitamin D. Bei einem Tagesbedarf der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) von 800 I.E. Vitamin D und 1000 mg Kalzium führe dies bei Anwendern zu einer Unterversorgung mit Vitamin D und einer gleichzeitigen Überversorgung mit Kalzium.

Während Vitamin D bis zu einer Dosierung von 1000 I.E. pro Tag als unbedenklich gilt, erbrachte eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 mit über 40.000 Probandinnen in der Fachzeitschrift BMC Musculoskeletal Disorders, dass eine kombinierte Supplementierung bei postmenopausalen Frauen die Knochendichte nicht deutlich verbesserte und das Frakturrisiko nicht senkte.

Bewegung und ganzheitliche Prävention

Für einen wirksamen Schutz vor Knochenschwund reicht eine isolierte Nährstoffzufuhr selten aus. Nach Angaben von Senpe kann eine ganzheitliche Prävention das Frakturrisiko um 30 bis 50 % senken.

Neben einer gezielten Ernährung empfiehlt die Gesellschaft ein regelmäßiges Krafttraining im Umfang von 30 bis 40 Minuten an drei bis vier Tagen pro Woche sowie Gleichgewichtsübungen. Ein Body-Mass-Index von mindestens 19 kg/m², Rauchstopp und der Verzicht auf Alkohol gelten als weitere Schutzfaktoren.

Liegt bereits eine manifeste Osteoporose vor, reichen Kalzium und Vitamin D zur Stabilisierung nicht aus. In solchen Hochrisikofällen ist eine zusätzliche medikamentöse Therapie erforderlich, die das Risiko für Knochenbrüche ebenfalls um 30 bis 50 % senken kann.

Beim Blutwert für 25-OH-Vitamin D gilt ein Wert von mindestens 30 ng/mL als Zielbereich, während Werte unter 20 ng/mL ein ärztliches Eingreifen erfordern. Warnzeichen wie unklare Knochenschmerzen oder Frakturen bei geringer Belastung sollten stets fachärztlich abgeklärt werden.

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