Osteoporose, SpineQ

Osteoporose im CT: SpineQ wird bereits in fast 100 Praxen eingesetzt

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

SpineQ analysiert CT-Aufnahmen bereits in fast 100 Praxen; Fraunhofer entwickelt mit BMDNow einen ähnlichen Ansatz weiter.

Bonescreen erhält Medizintechnikpreis für Osteoporose-Software SpineQ
Ein heller, steriler Raum in einer medizinischen Radiologie-Abteilung mit moderner Technik im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die unterschätzte Volkskrankheit Osteoporose rückt zunehmend in den Fokus technologischer Entwicklung. Die Münchner Bonescreen GmbH wurde für ihre CE-gekennzeichnete Software SpineQ mit dem Preis für Innovation in der Medizintechnik 2026 ausgezeichnet, verliehen von VDE DGBMT und der Stiftung Familie Klee.

Die Auszeichnung ist mit 15.000 Euro dotiert, Preisträger sind Anjany Sekuboyina, Dominik Maurer und Jan Kirschke. Parallel arbeitet das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) an einem ähnlichen Ansatz: Mit der Software BMDNow erreichte das Institut 2025 beim Wettbewerb „Hessen Ideen" den zweiten Platz.

Das Problem: Eine häufig übersehene Erkrankung

Laut DVO-Leitlinie bleibt Osteoporose in Deutschland in über 70 Prozent der Fälle unerkannt oder unbehandelt – selbst dann, wenn bereits Frakturen aufgetreten sind.

Beide Projekte setzen an genau diesem Punkt an: Sie nutzen bereits vorhandene CT-Aufnahmen, die aus anderen medizinischen Gründen angefertigt wurden, um nebenbei auch die Knochendichte zu bestimmen. Dieses sogenannte opportunistische Screening erfordert keine zusätzliche Untersuchung und keine zusätzliche Strahlenbelastung für Patienten.

SpineQ: Vom CT-Bild zur Diagnose

Die Software SpineQ von Bonescreen berechnet aus vorhandenen CT-Aufnahmen die volumetrische Knochendichte (vBMD) und sucht gleichzeitig nach bestehenden Frakturen. Eine Studie im British Journal of Radiology aus dem Jahr 2026 untersuchte an 178 Patienten insgesamt 914 vBMD-Messungen; der Variationskoeffizient lag je nach Wirbelsäulenabschnitt und Messkonstellation zwischen 0,83 und 6,8 Prozent.

Eine weitere Frakturstudie analysierte 3.548 Brust- und Lendenwirbel von 331 Patienten. Dabei erreichte SpineQ mit 96,3 Prozent die höchste Spezifität, während Fachärzte mit 97,0 Prozent die höchste Sensitivität erzielten.

Anzeige

Wer sich mit der Vorsorge gegen Knochenabbau und Muskelschwäche befasst, findet in diesem Ratgeber gezielte Methoden zur Stärkung des Bewegungsapparats. Erfahren Sie, wie Sie mit minimalem Zeitaufwand Ihre körperliche Stabilität fördern und Beschwerden aktiv vorbeugen können. 17 effektive Übungen jetzt kostenlos anfordern

Bei mittelgradigen und schweren Frakturen lag die Sensitivität von SpineQ bei 95,9 Prozent. Nach Angaben des VDE nutzen mittlerweile fast 100 radiologische Praxen in Deutschland die Software im klinischen Alltag – wobei sie ausdrücklich kein Ersatz für die ärztliche Diagnose ist, sondern als unterstützendes Werkzeug dient.

BMDNow: Ansatz aus der Forschung

Während SpineQ bereits im klinischen Einsatz ist, befindet sich die Fraunhofer-Software BMDNow noch in der Entwicklung. Sie wurde im gleichnamigen Projekt entwickelt und nutzt ebenfalls bestehende Routine-CT-Aufnahmen, etwa aus Herz- oder Lungenuntersuchungen, ohne dass eine zusätzliche Untersuchung nötig wird.

Der Algorithmus segmentiert den trabekulären Wirbelbereich und erstellt daraus eine dreidimensionale Dichtekarte, deren Farbskala von Rot (0 Milligramm pro Kubikmillimeter) bis Blau (800 Milligramm pro Kubikmillimeter) reicht. Über Kalibrierkurven berechnet das System daraus die Knochendichte und kann sowohl Osteoporose als auch die Vorstufe Osteopenie erkennen.

Anzeige

Neben modernen Diagnoseverfahren spielt die tägliche Belastung der Knochen durch gezieltes Training eine entscheidende Rolle für die langfristige Gesundheit. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie mit nur sechs Übungen von zuhause aus Ihre Knochen und Gelenke schützen können. Gratis-Ratgeber für starkes Heimtraining herunterladen

Fraunhofer-Forscher Stefan Wesarg beschrieb den Ansatz so, dass der Algorithmus auf bereits vorhandenen Bildern läuft und die Knochendichteanalyse quasi als Nebenprodukt anfällt. Ziel des Projekts sei proaktives Screening und frühzeitige Intervention anstelle einer reaktiven Behandlung erst nach Symptombeginn.

Projektpartner sind die Goethe-Universität Frankfurt und das Unternehmen garritz online media international; gefördert wird das Vorhaben durch die Hessen Agentur. Aktuell kommt vorrangig Dual-Energy-CT zum Einsatz, künftig soll auch Single-Energy-CT unterstützt werden.

Langfristig ist zudem der Aufbau einer Referenzdatenbank geplant. Derzeit läuft die Validierung mit realen Patientendaten sowie die finale Bewertung des Prototyps; eine Zulassung als Medizinprodukt wird in ein bis zwei Jahren angestrebt.

Zwei Wege, ein Ziel

Beide Projekte verfolgen dieselbe Grundidee: Knochendichtemessungen sollen künftig nicht mehr eine eigene, gezielte Untersuchung erfordern, sondern als Zusatznutzen aus ohnehin durchgeführten CT-Scans gewonnen werden.

Während Bonescreens SpineQ mit CE-Kennzeichnung und breiter Nutzung in fast 100 Praxen bereits einen Schritt weiter ist, befindet sich BMDNow noch auf dem Weg zur klinischen Reife. Beide Ansätze könnten dazu beitragen, die hohe Dunkelziffer unentdeckter Osteoporose-Fälle in Deutschland zu verringern.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70214340 |