Osteoporose: Fünf bis zehn Zentimeter Größenverlust können Wirbelbrüche anzeigen
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deSchleichende körperliche Veränderungen wie der Verlust an Körpergröße, anhaltende Rückenschmerzen oder auffällige Haltungsänderungen gelten laut mehreren internationalen Fachpublikationen als zentrale, oft jedoch übersehene Frühwarnsignale für Wirbelfrakturen bei Osteoporose.
Da der Abbau von Knochensubstanz über Jahre hinweg meist völlig schmerzfrei verläuft, wird die Erkrankung in vielen Fällen erst nach einem ersten Knochenbruch diagnostiziert.
Unbemerkte Wirbelbrüche und typische Alarmsignale
Nach Einschätzung von Dr. Valérie Royant, Chefärztin für Rheumatologie am Hôpital Louis-Pasteur au Coudray, kann bereits ein Größenverlust von fünf bis zehn Zentimetern auf vorangegangene Wirbelbrüche hindeuten. Fachberichten zufolge können multiple Frakturen oder ein schwerer Wirbelkollaps zudem eine Kyphose hervorrufen.
Besondere Aufmerksamkeit verlangen sogenannte Fragilitätsfrakturen, die bereits bei einem einfachen Sturz aus eigener Höhe auftreten. Dr. Royant betonte, dass eine minimale Kinetik als Warnsignal zu werten sei, während Unfälle mit hoher Krafteinwirkung, etwa Stürze von Bäumen oder Verkehrsunfälle, nicht hierunter fallen.
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Zudem erhöhe eine Handgelenksfraktur im Alter von 50 Jahren das Risiko für eine spätere Hüftfraktur mit 80 Jahren, bei der 20 bis 25 Prozent der Betroffenen im Folgejahr versterben.
Auch Prof. Pascal Guggenbuhl, Leiter der Rheumatologie am Universitätsklinikum Rennes, hob hervor, dass eine Fraktur nach einem Sturz aus dem Stand, insbesondere am Handgelenk, Anlass für eine differenzierte Osteoporose-Abklärung sein müsse.
Ein gesundes Handgelenk solle einem solchen Sturz normalerweise standhalten. In der Bretagne sei bereits etwa jede zweite Frau nach der Menopause sowie 15 bis 20 Prozent der Männer von Osteoporose betroffen, während das Krankheitsbild in der Öffentlichkeit nach wie vor wenig bekannt sei.
Weltweite Versorgungslücken bei der Früherkennung
Die Diagnose erfolgt international meist verspätet. Dr. José Luis Baquero von der spanischen Organisation OAFI unterstrich, dass die Prävention bereits vor einer manifesten Diagnose über die gezielte Identifikation von Risikopersonen ansetzen müsse.
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In Spanien weisen 54,4 Prozent der über 50-Jährigen eine Osteopenie und 10,7 Prozent eine Osteoporose auf. Die Erkrankung betreffe zudem keineswegs ausschließlich Senioren; so erhielt die Patientin Sandra Toril ihre Diagnose bereits im Alter von 39 Jahren.
Nach Angaben der International Osteoporosis Foundation (IOF) leben weltweit rund 500 Millionen Menschen mit Osteoporose. Bei den über 55-Jährigen ereignen sich rechnerisch etwa 70 Fragilitätsfrakturen pro Minute.
Dennoch erhalten laut der IOF 80 Prozent der Patienten nach einer solchen Fraktur weder ein entsprechendes Screening noch eine Behandlung. Erhebungen aus Taiwan verdeutlichen ähnliche Defizite: Rund 70 Prozent der Betroffenen erhalten keine rechtzeitige Knochenbewertung.
Schwere Folgekomplikationen und Risikoprofile
Die gesundheitlichen Folgen unentdeckter Knochenbrüche sind gravierend. Dr. Alejandro Ordás von den Madrider Kliniken Ramón y Cajal und Ruber Internacional wies darauf hin, dass Fragilitätsfrakturen zu chronischen Schmerzen, funktionellen Einschränkungen und einem drastischen Autonomieverlust führen.
Die globale Belastung durch die Erkrankung übersteige jene von COPD und Schlaganfällen. Daten aus Taiwan zeigen nach einer Hüftfraktur ein erneutes Bruchrisiko von rund 50 Prozent, eine Ein-Jahres-Mortalität von nahezu 20 Prozent sowie bei circa 30 Prozent eine dauerhafte Behinderung.
Als zentrale Risikofaktoren gelten nach medizinischen Berichten Kalzium- und Vitamin-D-Mangel, Glukokortikoide, ein früher Östrogenabfall durch eine Menopause vor dem 40. Lebensjahr, familiäre Vorbelastungen sowie Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum.
Fachleute empfehlen neben einer ausreichenden Zufuhr von Nährstoffen und regelmäßiger Bewegung vor allem eine frühzeitige ärztliche Risikobewertung, um Knochendichteverluste noch vor dem ersten Bruch festzustellen.
