Osteomed-Gel für 39 Euro: Werbeversprechen sind wissenschaftlich unbelegt
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 04:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deMehrere redaktionelle Prüfungen und Tests haben die Wirksamkeit und Sicherheit topischer Präparate zur äußeren Anwendung bei Gelenkbeschwerden untersucht. Im Fokus der Betrachtungen stehen frei verkäufliche Gele, Salben und Cremes, deren tatsächlicher Nutzen sich mitunter deutlich von den Werbeaussagen der Hersteller unterscheidet. Neben kosmetischen Produkten stehen dabei auch etablierte Schmerzgele und Wärmepflaster auf dem Prüfstand.
Kosmetische Gele zwischen Werbeversprechen und Realität
Ein Beispiel für frei verkäufliche Produkte ist das Gel Osteomed, bei dem es sich laut einem redaktionellen Check um ein kosmetisches Pflege-Gel und nicht um ein Arzneimittel handelt. Die Rezeptur enthält Wacholdersamenextrakt, natürliches Kollagen, Kiefernrindenextrakt und indisches Räucherharz (Boswellia). Vorgesehen ist eine zwei- bis dreimal tägliche Anwendung auf der Haut über dem Schmerzpunkt.
Der Hersteller stellt eine Schmerzbeseitigung innerhalb weniger Minuten, eine Wiederherstellung der Gelenkbeweglichkeit in 7 bis 9 Tagen sowie die Regeneration erschöpften Knorpelgewebes und die Linderung von Schwellungen, Entzündungen und Rötungen in Aussicht.
Diese Angaben sind jedoch nicht durch unabhängige Studien belegt. Eine redaktionelle Einschätzung stuft die Versprechungen als wissenschaftlich und medizinisch nicht haltbar ein, da Knorpel nicht durch das äußere Auftragen einer Creme regeneriere und keine unabhängigen klinischen Studien zum Endprodukt vorlägen.
Das Gel wird online zu einem Preis von 39 Euro angeboten, wobei die Konzentrationen der Inhaltsstoffe nicht deklariert sind und die Lieferung per Nachnahme erfolgt.
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Klassische Schmerzsalben im Vergleich
Untersuchungen an klassischen Schmerzsalben zeichnen ein differenziertes Bild hinsichtlich der tatsächlichen Wirksamkeit. In einem Test von Öko-Test mit 20 Schmerzsalben konnten demnach nur fünf Präparate Schmerzen und Entzündungen nachweislich lindern.
Als Testsieger mit der Note „Sehr gut“ schnitten das Doc Ibuprofen Schmerzgel 5% (200 g), die Proff Schmerz-Creme (150 g) sowie das ThermaCare Schmerzgel (100 g) ab, welche auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Piroxicam oder Felbinac setzen. Zwar ist auch für Diclofenac eine Wirkung belegt, der Wirkstoff wird jedoch als umweltschädlich eingestuft.
Für Stoffe wie Capsaicin, Arnika, Campher und Menthol sah der Test keine belegte Wirkung. Dem Präparat Kytta auf Beinwell-Basis wurde lediglich eine ausreichende Wirksamkeit zugestanden, was mit allergieauslösenden und hormonell wirksamen Substanzen begründet wurde.
Bei der Finalgon Wärmesalbe Duo sowie sechs weiteren Salben wurden aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen, bei denen laut Bundesinstitut für Risikobewertung krebserregende Bestandteile möglich sind. Den letzten Platz belegte Mobilat Duo Aktiv aufgrund des Einsatzes von Salicylsäure, die als fruchtbarkeitsschädigend gilt.
Internationale Produkte und Anwendungsrisiken
Auch internationale Marktübersichten von Consumer Health Digest beleuchten unterschiedliche Produkte. Das Präparat Advil Targeted Relief des Herstellers Haleon, das kein Ibuprofen, sondern Capsaicin, Menthol und Kampfer enthält, erhielt eine Gesamtbewertung von 3,5 von 5 Punkten. Es wird online für 12,98 US-Dollar je 65-g-Tube angeboten, wobei neben einer erhofften schnellen Wirkung ein starker Geruch, ein fettiger Film und teils ausbleibende Effekte verzeichnet wurden.
Neben der äußeren Anwendung können auch gezielte Übungen helfen, den Bewegungsapparat langfristig zu stärken und Beschwerden vorzubeugen. Ein renommierter Orthopäde hat dafür 17 einfache Übungen entwickelt, die sich mit minimalem Zeitaufwand in den Alltag integrieren lassen. Kostenlosen Ratgeber mit 17 Wunderübungen anfordern
Das Kreain Massagegel aus Tampa erzielte ebenfalls eine Bewertung von 3,5 von 5 Punkten, schnitt bei Kunden jedoch mit 1 von 5 Sternen ab. Das Produkt Zostrix, das auf 0,1 Prozent gereinigtes Capsaicin setzt und für 19,99 US-Dollar erhältlich ist, erreichte eine Bewertung von 3,7 von 5 Punkten.
Hier tritt eine deutliche Linderung in der Regel erst nach vier bis sechs Wochen kumulativer Anwendung ein; zudem fehlen klinische Studien zum Endprodukt und das entstehende Hitzegefühl wird mitunter als problematisch empfunden.
Ein wissenschaftlicher Faktencheck verweist zudem auf grundlegende Verhaltensregeln bei Gelenkbeschwerden. Demnach sollten Arthritis-Patienten Schmerzpflaster und Schmerztabletten bei Kälte keinesfalls eigenmächtig höher dosieren.
Pflaster sind ausschließlich nach Vorgabe anzuwenden und bei Brennen, Jucken oder Stechen sofort zu entfernen, um Hautschäden bis hin zu Geschwüren zu vermeiden. Bei oralen Schmerzmitteln sollte zur Schonung von Magen-Darm-Trakt, Leber, Nieren und Herz-Kreislauf-System nur ein Präparat gleichzeitig eingenommen werden.
