OpenAI, Microsoft

OpenAI und Microsoft: 3,9 Millionen NYT-Kopien ohne Lizenz trainiert

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 20:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Gerichtsunterlagen zeigen interne Warnungen zu KI-Training, Paywall-Zugriffen und stark sinkendem New-York-Times-Traffic.

New York Times gegen Microsoft und OpenAI: Interne Memos enthüllt
Ein leerer, stimmungsvoll beleuchteter Gerichtssaal mit hölzernem Mobiliar und langen Schatten. Illustration mit AI erstellt.

Im laufenden Urheberrechtsstreit zwischen der New York Times, Microsoft und OpenAI haben neu entsiegelte Gerichtsakten brisante interne Kommunikation offengelegt. Die Dokumente, die im Rahmen eines 92-seitigen Schriftsatzes für ein Versäumnisurteil beim Bezirksgericht für den südlichen Distrikt von New York eingereicht wurden, enthalten deutliche Zugeständnisse führender Mitarbeiter.

Demnach wurde das massenhafte Auslesen von Daten (Scraping) intern bereits frühzeitig als eine Form von Arbeitsdiebstahl und als existenzielle Bedrohung für Verlage eingestuft.

Die New York Times beantragt in dem Verfahren mit dem Aktenzeichen 25-md-3143 ein summarisches Urteil über vier Kategorien von Vervielfältigungen. Die nun öffentlich gewordenen Memos zeichnen ein Bild, nach dem sich die Verantwortlichen bei Microsoft und OpenAI der rechtlichen und ethischen Risiken ihres Vorgehens bewusst waren, noch bevor Produkte wie ChatGPT oder Copilot in großem Umfang eingeführt wurden.

Interne Warnungen vor einem beispiellosen Diebstahl

Besonders belastend wirken interne Aufzeichnungen eines Microsoft-Forschers aus dem Januar 2023. In einem Memo bezeichnete er das Scraping als einen erstaunlichen Diebstahl von beispiellosem Ausmaß und sprach vom größten Diebstahl von Arbeit in der Menschheitsgeschichte.

Das Vorgehen mache das Konzept der fairen Nutzung (Fair Use) zu einem Gespött. In einer weiteren Nachricht aus dem Januar des Folgejahres beschrieb derselbe Mitarbeiter die Situation als eine Art Teufelskreis, einen sogenannten „Doom Loop“.

Anzeige

Der rechtliche Rahmen für Künstliche Intelligenz wandelt sich rasant und stellt Unternehmen vor völlig neue Compliance-Fragen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Risikoklassen Sie jetzt kennen müssen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Auch bei OpenAI herrschte intern offenbar Klarheit über die Auswirkungen der Technologie. Der für ChatGPT zuständige Manager Nick Turley bezeichnete die Sprachmodelle den Akten zufolge als weitgehend ersetzend und stufte sie als existenzielle Bedrohung für Herausgeber ein.

Ein weiterer Forscher des Unternehmens informierte den Mitbegründer Greg Brockman über den erfolgreichen Zugriff auf Paywall-Inhalte der New York Times, worauf dieser laut den Unterlagen zustimmend reagierte.

Massive Einbußen beim Nutzerverkehr

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Strategie lassen sich durch interne Daten von Microsoft konkretisieren. Tracking-Daten der Suchmaschine Bing belegen, dass der Einsatz des KI-Assistenten Copilot die Klickraten für das Online-Angebot der New York Times massiv reduzierte. Die Besuche auf der Website des Verlags sanken demnach um 87 bis 93 Prozent. In der Spitze wurde ein Rückgang des Traffics von bis zu 94 Prozent verzeichnet.

Anzeige

Wer heute KI-Systeme entwickelt oder im geschäftlichen Umfeld einsetzt, muss die neuen gesetzlichen Anforderungen an Dokumentation und Kennzeichnung genau beachten. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen hierfür den notwendigen Überblick über alle relevanten Fristen. Jetzt kostenlos herunterladen: Der Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act mit allen relevanten Übergangsfristen

Die Dokumente verdeutlichen zudem das Ausmaß der Datennutzung für das Training der KI-Modelle. OpenAI nutzte laut den Filings 3,9 Millionen Kopien von Inhalten der New York Times. Spezielle Datensätze für das Training enthielten über 91.000 Kopien der Times, der Daily News und des Center for Investigative Reporting (CIR). Ein internes Projekt mit dem Codenamen „Mango“ umfasste allein 160.903 Werke.

Strategischer Konflikt um die Zukunft des Internets

Der Kern des Rechtsstreits dreht sich um die Frage, ob das Training von KI-Modellen eine rechtmäßige transformative Nutzung darstellt oder eine unzulässige Kopie geschützter Inhalte ist. Die New York Times argumentiert, dass die KI-Antworten den Besuch von Originalquellen ersetzen, wodurch Verlage Einnahmen verlieren und letztlich die Qualität des offenen Webs sinkt.

Microsoft-CEO Satya Nadella räumte in einer Zeugenaussage ein, dass Chatbots Quellen substituiert hätten und Paywall-Inhalte eigentlich lizenziert werden müssten. Er gab an, er hätte OpenAI zu einem erneuten Training der Modelle verpflichtet, wenn er von der Umgehung der Bezahlschranken gewusst hätte.

Ein Sprecher von Microsoft distanzierte sich unterdessen von den scharfen Formulierungen des eigenen Forschers und betonte, es handele sich dabei lediglich um die persönliche Perspektive eines einzelnen Mitarbeiters, aus der das Unternehmen keine rechtlichen Schlussfolgerungen gezogen habe. Ein abschließendes Gerichtsurteil in der Sache steht noch aus.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70139526 |