OpenAI, Dell

OpenAI und Dell: Codex kommt auf Unternehmensserver

27.05.2026 - 10:30:26 | boerse-global.de

OpenAI integriert Codex auf Dell-Servern, investiert in Singapur und Japan, kämpft aber mit hohen Verlusten vor dem geplanten Börsengang.

OpenAI und Dell: Codex kommt auf Unternehmensserver - Foto: über boerse-global.de
OpenAI und Dell: Codex kommt auf Unternehmensserver - Foto: über boerse-global.de

Mit millionenschweren Investitionen in Singapur, einer strategischen Hardware-Allianz mit Dell und einem Sicherheitsangebot an Japan will das Unternehmen seine Modelle tief in globale Unternehmensabläufe einbetten. Der Zeitplan ist ambitioniert: Noch 2026 könnte der Börsengang anstehen – doch die Verluste sind gewaltig.

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Dell-Partnerschaft: Codex kommt auf den Unternehmensserver

Am heutigen Dienstag gaben OpenAI und Dell Technologies eine umfassende Partnerschaft bekannt. Kern der Zusammenarbeit ist die Integration des Codex-Modells in Unternehmensinfrastrukturen. Mit der sogenannten „On-Device Codex Agentic AI" können Unternehmen KI-Agenten direkt auf ihren eigenen Servern betreiben – statt in der Public Cloud.

Die Lösung nutzt die Dell AI Data Platform und die Dell AI Factory. Besonders für stark regulierte Branchen wie Banken und Gesundheitswesen ist das ein entscheidender Vorteil: Sie müssen sensible Daten nicht mehr an externe Cloud-Dienste auslagern. Codex wird dabei in Dells neue 18. Generation der PowerEdge-Server und die PowerStore-Elite-Speichersysteme integriert.

Dells Aktie profitierte von der Ankündigung und erreichte mit 308,64 Euro ein Allzeithoch. Allein in der vergangenen Woche legte der Kurs um 24 Prozent zu. Der Auftragsbestand für KI-Server liegt inzwischen bei rund 43 Milliarden Euro. Codex selbst wird bereits von vier Millionen Entwicklern genutzt.

Singapur: Erstes KI-Labor außerhalb der USA

Bereits am 20. Mai hatte OpenAI eine Investition von über 300 Millionen Singapur-Dollar (rund 210 Millionen Euro) in den Stadtstaat bekannt gegeben. Geplant ist das OpenAI Singapore Applied AI Lab – die erste derartige Einrichtung außerhalb der USA. Gemeinsam mit Singapurs Ministerium für digitale Entwicklung soll die Forschung vor allem öffentliche Dienstleistungen, Finanzen, Gesundheit und Bildung voranbringen.

Mehr als 200 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, vor allem für „Forward-deployed Engineers", die direkt mit lokalen Unternehmen zusammenarbeiten. Ergänzt wird das Engagement durch die OpenAI Academy und ein Codex-Talentprogramm.

Japan: GPT-5.5 Cyber für kritische Infrastruktur

Parallel dazu hat OpenAI der japanischen Regierung exklusiven Zugang zu einem speziellen Sicherheitstool angeboten: „GPT-5.5 Cyber" soll 15 kritische Infrastruktursektoren schützen. Die Gespräche führte Paul Nakasone, ehemaliger Chef des US-Geheimdienstes NSA und heute Mitglied des OpenAI-Verwaltungsrats.

Das Angebot fällt in eine Zeit, in der Japan verstärkt über KI-Souveränität diskutiert. Das Land investierte zwischen 2019 und 2023 rund zehn Milliarden Euro in Künstliche Intelligenz – ein Bruchteil der Summen, die die USA (329 Milliarden) und China (133 Milliarden) aufbrachten.

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Brasilien: Rechtsstreit beigelegt, Content-Deal geschlossen

OpenAI hat auch einen langwierigen Rechtskonflikt beigelegt. Am 25. Mai einigte sich das Unternehmen mit den beiden größten brasilianischen Nachrichtenorganisationen Folha de São Paulo und UOL. Die Vereinbarung erlaubt ChatGPT den Zugriff auf aktuelle journalistische Inhalte – und beendet eine Klage von Folha aus dem Jahr 2025 wegen unbefugter Nutzung von Inhalten für das KI-Training.

Brasilien ist für OpenAI ein Schlüsselmarkt: Mehr als 50 Millionen Nutzer greifen dort monatlich auf ChatGPT zu. Mit lizenzierten Inhalten will das Unternehmen die Qualität seiner Modelle in nicht-englischsprachigen Märkten verbessern.

Samsung hebt KI-Verbot auf

Auch in der Unternehmenswelt fallen Hürden. Samsung Electronics wird ab Juni 2026 das bisherige Verbot externer KI-Dienste wie ChatGPT, Gemini und Claude aufheben. Nach einem Pilotprojekt mit 2.500 Mitarbeitern im Frühjahr dürfen nun alle Beschäftigten der Device-eXperience-Sparte die Tools nutzen. Samsung treibt damit sein Ziel voran, bis 2030 alle Produktionsstandorte in KI-gesteuerte „Smart Factories" zu verwandeln – inklusive humanoider Fertigungsroboter.

Finanzielle Schieflage vor dem Börsengang

Trotz der Expansionsstrategie bleibt die finanzielle Lage angespannt. Im ersten Quartal 2026 erzielte OpenAI zwar 5,7 Milliarden Euro Umsatz, die operative Marge lag jedoch bei erschreckenden minus 122 Prozent. Das Unternehmen verliert also 1,22 Euro für jeden eingenommenen Euro. Zudem verfehlte ChatGPT mit 905 Millionen monatlich aktiven Nutzern das selbstgesteckte Ziel von einer Milliarde.

Der Wettbewerb wird härter: Der Rivale Anthropic erzielte angeblich einen annualisierten Umsatz von rund 45 Milliarden Euro – und liegt damit vor OpenAIs annualisierten 30 Milliarden. Beide Unternehmen gelten als Kandidaten für einen Börsengang im Laufe des Jahres 2026.

Neue Konkurrenz kommt auch von xAI, das am 25. Mai mit „Grok Build" einen direkten Konkurrenten zu Codex und GitHub Copilot auf den Markt brachte. Google wiederum veröffentlichte seinen „Agent Executor" als Open-Source-Laufzeitumgebung für KI-Agenten.

Australien als Datenzentrum der Zukunft?

Sam Altman, Mitgründer von OpenAI, sieht Australien in einer Schlüsselrolle für die KI-Infrastruktur der Zukunft. In einem Video-Interview für eine Konferenz in Sydney betonte er die reichhaltigen erneuerbaren Energien und die soziale Stabilität des Landes – ideale Voraussetzungen für den Bau riesiger Datenzentren.

Die nächste Hardware-Generation von Nvidia, die Plattform „Vera Rubin" mit HBM4-Speicher, soll die Effizienz von KI-Training und -Inferenz drastisch steigern. Doch Marktexperten rechnen mit anhaltender Knappheit: Die Nachfrage werde die Produktionskapazitäten übersteigen, was zu langfristigen Lieferverträgen und Engpässen führen dürfte.

OpenAI zeigt mit seinen Regionalstrategien und Hardware-Partnerschaften klare Ambitionen im Unternehmensmarkt. Ob das reicht, um die gigantischen Verluste vor dem erwarteten Börsengang in den Griff zu bekommen, bleibt die entscheidende Frage für Investoren.

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