OpenAI, Anthropic

OpenAI und Anthropic: US-KI-Anbieter nehmen deutsche Firmen ins Visier

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 13:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Beide US-Anbieter bauen ihre Europa-Präsenz aus, während Replit OpenAI als bevorzugten KI-Anbieter auswählte.
Moderne Glasfassade eines Bürogebäudes in einem Geschäftsviertel bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die beiden führenden US-Entwickler künstlicher Intelligenz, OpenAI und Anthropic, verstärken ihren Wettbewerb um Unternehmenskunden in Deutschland. Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am Wochenende berichtete, intensivieren beide Anbieter ihre Offensive für das Deutschlandgeschäft und nehmen dabei gezielt hiesige Firmen ins Visier.

Der deutsche Markt gilt dabei als anspruchsvolles Terrain: Zwar investieren Unternehmen hierzulande kräftig in KI-Lösungen, achten dem Bericht zufolge jedoch zunehmend streng auf das Verhältnis von Kosten und tatsächlichem betriebswirtschaftlichen Nutzen.

Dass die Technologie im geschäftlichen Alltag ankommt, zeigen aktuelle Zahlen. Nach Angaben von tech-insider.org setzen inzwischen 54,5 Prozent der deutschen Firmen künstliche Intelligenz ein. Auch deutsche Software- und Industriekonzerne treiben die praktische Einbindung voran.

So unterzeichnete der Softwarekonzern SAP Vereinbarungen zur KI-Integration mit Herstellern in Baden-Württemberg, um generative Modelle in Bereichen wie Lieferketten, Bestandsmanagement und vorausschauender Wartung zu verankern. Auf der Konferenz SAP Sapphire 2026 präsentierte SAP zudem Anthropic mit dessen Claude-Modellen als Partner der einheitlichen Plattform SAP Business AI.

Europäische Standorte und harter Modellwettbewerb

Um den wachsenden europäischen Markt und multinationale Kunden zu bedienen, bauen beide US-Konzerne zugleich ihre Präsenzen in Europa kontinuierlich aus.

Für OpenAI ist Dublin ein zentraler Knotenpunkt: Nach 250 Stellen im Juli kündigte das Unternehmen im Oktober 2026 den Aufbau von 200 weiteren Arbeitsplätzen in der irischen Hauptstadt an. Zusammen mit den rund 120 bereits bestehenden Stellen soll die dortige EU-Zentrale laut Irish Independent auf mindestens 570 Beschäftigte anwachsen.

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Zu den neuen Aufgabenfeldern gehören das Applied AI Lab für Solutions- und Privacy-Ingenieure sowie Vertrieb und User Operations; der Umzug in das Gebäude Tropical Fruit Warehouse ist ab Dezember 2026 vorgesehen. Anthropic vergrößert seine Dubliner EU-Zentrale laut dem Bericht parallel auf 300 Mitarbeiter.

Wie intensiv das Ringen zwischen den beiden Technologieanbietern verläuft, zeigt sich auch auf Kundenebene. So bestimmte die Entwicklerplattform Replit kürzlich OpenAI zum bevorzugten Anbieter für ihren KI-Agenten, wenngleich Claude laut Replit-Chef Amjad Masad wählbar bleibe.

Masad erklärte den Schritt auf der Konferenz TechCrunch Disrupt mit Leistungs- und Kostenvorteilen sowie besserer Zusammenarbeit, nachdem die OpenAI-Modelle Sol und Astra in internen Tests besser abgeschnitten hatten.

Bis vor Kurzem gehörte Replit noch zu den fünf größten Kunden von Anthropic. Replit verzeichnete binnen eines Jahres einen Anstieg des Firmenkundenanteils am Umsatz von 2 auf 15 Prozent und erzielt mittlerweile über die Hälfte seiner Einnahmen mit Geschäftskunden.

Behörden prüfen Marktstrukturen

Das wachsende Engagement der KI-Schwergewichte trifft in Deutschland auf ein aufmerksames regulatorisches Umfeld. Das Bundeskartellamt verstärkt die Aufsicht über exklusive Datenvereinbarungen und vertikale Integration auf den KI-Märkten, um fairen Wettbewerb zu sichern und kleinere Unternehmen vor Benachteiligungen zu schützen.

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Gleichzeitig engagiert sich die öffentliche Hand bei der technologischen Infrastruktur. Während die bayerische Regierung ein Investitionsprogramm genehmigte, um internationale Rechenzentrumsbetreiber und Forschungseinrichtungen nach München und Nürnberg zu holen, plant die Bundesregierung laut Handelsblatt eine Kooperation mit Nvidia.

Ziel des Bundes ist es, mit einer Investition im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich Grundlagen für industrielle Modelle und Robotik zu schaffen, an denen sich rund ein Dutzend deutscher Unternehmen wie Siemens, Audi und Black Forest Labs beteiligen sollen.

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