OpenAI, Gigawatt

OpenAI plant 30 Gigawatt Infrastruktur: 600 Mrd. Euro bis 2030

06.06.2026 - 06:41:14 | boerse-global.de

OpenAI setzt künftig auf Hintergrund-KI und eigene Geräte. CEO Altman skizziert die nächste Phase mit massiven Investitionen in Rechenzentren.

OpenAI-Strategiewechsel: Fokus auf autonome Systeme und eigene Hardware
OpenAI - A vast, futuristic server room with glowing blue light from AI servers and a silhouetted figure observing. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Statt auf Chatbots und Assistenzsysteme setzt das Unternehmen künftig auf autonome Hintergrundsysteme und eigene Hardware. Das gab CEO Sam Altman am 4. Juni auf einer Branchenkonferenz bekannt.

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Vom Assistenten zum Dauerläufer

Altman beschrieb die Entwicklung als nächste große Phase der KI-Industrie. Statt auf konkrete Befehle zu warten, sollen die Systeme künftig permanent im Hintergrund arbeiten – ähnlich wie ein Betriebssystem, das nie abschaltet.

Die aktuelle Zwischenstufe bilden sogenannte Agenten. Das wichtigste Produkt in diesem Bereich ist Codex, ein KI-Assistent für Entwickler. Laut CFO Sarah Friar hat Codex inzwischen über fünf Millionen wöchentliche Nutzer. Überraschend: 20 Prozent davon sind keine Programmierer – und diese Gruppe wächst dreimal schneller als die der Entwickler.

Um den Zugang zu erleichtern, brachte OpenAI am 5. Juni sechs rollenspezifische Plugins auf den Markt. Sie richten sich an Investmentbanker, Vertriebsmitarbeiter und Produktdesigner. Zwei Tage zuvor war bereits Codex Sites gestartet – eine Plattform, mit der sich Webanwendungen per Sprachbefehl erstellen lassen.

Der gigantische Hunger nach Rechenleistung

Proaktive KI frisst Rechenleistung – und zwar gewaltige Mengen. Friar gab am 6. Juni einen Einblick in die Zahlen: Die Rechenkapazität von OpenAI stieg von 0,2 Gigawatt (GW) im Jahr 2023 auf 1,9 GW Ende 2025. In den nächsten fünf bis sieben Jahren sollen es 30 GW sein. Die geschätzten Kosten für die benötigte Infrastruktur bis 2030: rund 600 Milliarden Euro.

Um diesen Hunger zu stillen, setzt OpenAI auf spezialisierte Rechenzentren. Ein Besuch am 4. Juni in der Nscale-Anlage im norwegischen Narvik zeigte die Richtung: Arktische Standorte mit günstigem Strom. Die Kosten pro Kilowattstunde liegen dort bei 3 bis 4 Cent – weit unter dem europäischen Durchschnitt. Ursprünglich als „Stargate Norway" geplant, versorgt die Anlage heute Microsoft und OpenAI.

Die Nachfrage überrascht selbst Branchengrößen. Broadcom-CEO Hock Tan erklärte am 4. Juni, die Skalierung übertreffe alle Prognosen von vor sechs Monaten. Der KI-bezogene Halbleiterumsatz von Broadcom erreichte im letzten Quartal 10,8 Milliarden Euro – für das Geschäftsjahr 2026 werden rund 56 Milliarden Euro erwartet.

Hardware-Offensive und selbstlernende Systeme

OpenAI will aber nicht nur Software liefern. Das Unternehmen arbeitet an einem eigenen Hardware-Gerät, das über das klassische Smartphone hinausgeht. Den Grundstein legte die Übernahme von io Products im Mai 2025 – eine Firma, die von Jony Ive, dem früheren Apple-Designchef, mitgegründet wurde. Der Kaufpreis lag bei umgerechnet rund 6 Milliarden Euro in Aktien. Ive verantwortet nun das gesamte Hardware-Design bei OpenAI.

Noch bemerkenswerter ist ein anderer Schritt: Künstliche Intelligenz entwickelt sich selbst weiter. SoftBank-CEO Masayoshi Son erklärte am 5. Juni, dass ein KI-Modell bereits an der nächsten OpenAI-Generation arbeite. Ein OpenAI-Sprecher bestätigte, dass KI in Teilen des Entwicklungsprozesses eingesetzt wird.

Ein Beispiel für diese rekursive Selbstverbesserung lieferte das Update von GPT-Rosalind am 3. Juni. Das auf Wirkstoffforschung spezialisierte Modell übertrifft seine Vorgänger – und benötigt dabei 31 Prozent weniger Rechenaufwand für komplexe Aufgaben.

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Börsengang und neue Regeln

OpenAI bereitet sich auf einen Börsengang vor. Die Bewertung liegt bei über 850 Milliarden Euro. Parallel dazu verhandelt das Unternehmen mit der US-Regierung über eine Beteiligung des Staates. Im Raum steht die Gründung eines „Public Wealth Fund", der die Gewinne aus der KI-Entwicklung an die Bürger weitergeben soll.

Am 3. Juni veröffentlichte OpenAI zudem einen Gesetzesentwurf für eine bundesweite KI-Regulierung. Kernforderung: Eine zentrale Bundesbehörde soll die Entwicklung von „Frontier-KI" überwachen. Besonderes Augenmerk liegt auf der rekursiven Selbstverbesserung und der Sicherheit der Infrastruktur. Die Bundesregelung müsse Vorrang vor einzelstaatlichen Gesetzen haben, so das Unternehmen.

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