OpenAI o3: KI diagnostiziert 18 seltene Kinderkrankheiten neu
18.06.2026 - 18:54:29 | boerse-global.de
Gleich mehrere Entwicklungen dieser Woche zeigen: Künstliche Intelligenz wird zum ernstzunehmenden Werkzeug in Kliniken und Laboren.
Durchbruch bei seltenen Kinderkrankheiten
Eine am Donnerstag im Fachjournal NEJM AI veröffentlichte Studie belegt erstmals den klinischen Nutzen von KI bei der Diagnose seltener Erkrankungen. Forscher des Boston Children's Hospital, der Harvard University und OpenAI setzten das Modell o3 Deep Research auf 376 ungelöste Fälle seltener pädiatrischer Erkrankungen an.
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Das Ergebnis: 18 neue Diagnosen – eine Steigerung der diagnostischen Trefferquote um 4,8 Prozent. Für die betroffenen Familien bedeutet das oft den jahrelangen Leidensweg endlich beenden zu können. Die Studie zeigt, dass fortschrittliche KI-Modelle Ärzte dort unterstützen können, wo herkömmliche Methoden versagen.
Neuer Benchmark für die Lebenswissenschaften
Parallel dazu veröffentlichte OpenAI am Donnerstag LifeSciBench – ein spezielles Bewertungssystem für KI-Modelle in der Biologie und Medizin. Der Test umfasst 750 Aufgaben, die an über 19.000 Expertenkriterien gemessen werden.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Leistungsunterschiede: Das spezialisierte Modell GPT-Rosalind erreichte eine Bestehensquote von 36,1 Prozent, gefolgt von GPT-5.5 mit 25,7 Prozent. Zum Vergleich: Im DAX-Umfeld forscht etwa SAP mit ähnlichen Benchmarks für KI in der Pharmaindustrie.
„ChatGPT for Science": Abo-Modell für Forscher
Noch spannender: Ein Blick in den Programmcode der ChatGPT-Web-App vom Mittwoch und Donnerstag verrät, dass OpenAI an einem neuen Abo-Modell arbeitet. Unter dem Arbeitstitel „ChatGPT for Science" soll ein spezielles Angebot für Universitäten, Labore und Forscher in Biologie und Chemie entstehen.
Geplant sind offenbar erweiterte Kontextfenster, spezielle Zitier-Workflows und direkte Datenbank-Anbindungen. Eine offizielle Ankündigung wird in den kommenden Wochen erwartet. Preise sind noch nicht bekannt.
Australien testet KI in der Notaufnahme
In Australien startet der Gesundheitsdienst Healthdirect ein Pilotprojekt zur Integration von ChatGPT in die Patientensteuerung. Zusammen mit den Firmen Infermedica und Skin Analytics sollen Patienten künftig direkt über die KI-Oberfläche mit registrierten Pflegekräften verbunden werden. Die Testphase mit Verbrauchern soll in Kürze beginnen.
KI optimiert Medikamentenentwicklung
In der pharmazeutischen Forschung ist das Modell GPT-5.4 bereits im praktischen Einsatz. Chemiker nutzen die KI zur Optimierung sogenannter Chan-Lam-Kupplungsreaktionen – einem zentralen Verfahren in der Wirkstoffentwicklung. Die von der KI vorgeschlagenen Verbesserungen werden derzeit im Labor validiert.
Jeder dritte Erwachsene nutzt KI für Gesundheitsfragen
Die Expansion in den Gesundheitssektor kommt nicht von ungefähr. Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage der KFF zeigt: 29 Prozent der US-Erwachsenen nutzen inzwischen monatlich KI-Modelle wie ChatGPT, Gemini oder Claude für Gesundheitsinformationen. Das ist eine Verdopplung seit Sommer 2024.
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Auch in der Psychotherapie verändert KI die Praxis. Laut einer Umfrage der American Psychological Association vom Donnerstag berichten 77 Prozent der US-Psychologen, dass ihre Patienten KI nutzen. Besonders bemerkenswert: 35 Prozent der Therapeuten beobachten, dass Patienten KI als eine Art Zweittherapeuten einsetzen. Die APA sieht darin Risiken – von Abhängigkeit bis hin zu Fehlinformationen.
Neue Funktion: Automatisierte Aufgaben
Seit Mittwoch bietet OpenAI zudem „Scheduled Tasks" für ChatGPT an. Die Funktion erlaubt automatisierte, wiederkehrende Abfragen und Web-Monitoring – etwa für regelmäßige Recherchen zu Krankheitsbildern oder Medikamentenstudien. Sie ersetzt die ältere „Pulse"-Funktion und steht Abonnenten der Tarife Plus, Pro, Business und Enterprise zur Verfügung.
Weltweit werden täglich schätzungsweise 40 Millionen gesundheitsbezogene Anfragen über ChatGPT abgewickelt. Die Konkurrenz schläft nicht: Der Anbieter MedPal AI hat mit Juno einen eigenen KI-Gesundheitsbegleiter auf Basis von Anthropics Claude-Modell gestartet.
