OpenAI Astra: KI-Modell findet autonome Zero-Day-Schwachstellen
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 03:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das US-amerikanische KI-Unternehmen OpenAI hat die Entwicklung seines neuen Modells Astra bekannt gegeben, das als erstes System seiner Art eine als „kritisch“ eingestufte Schwelle bei Cyber-Fähigkeiten überschritten hat.
Wie das Unternehmen in aktuellen Berichten Anfang September verdeutlichte, sind die damit verbundenen fortgeschrittenen Funktionen jedoch nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt. Stattdessen wird der Zugang auf eine kleine Gruppe vertrauenswürdiger Tester und Partner innerhalb des sogenannten Daybreak Blue Programms beschränkt.
Autonome Sicherheitslücken-Suche und Systemdurchbrüche
Astra stellt laut Unternehmensangaben einen signifikanten Sprung in der Leistungsfähigkeit dar. Das Modell erreichte eine perfekte Punktzahl beim Testverfahren ExploitBench. In kontrollierten Umgebungen sei es der KI gelungen, zwei bisher unbekannte Sicherheitslücken (Zero-Day-Schwachstellen) eigenständig zu identifizieren und auszunutzen.
Zudem konnte das System aus einer Browser-Sandbox ausbrechen und sich Root-Zugriff auf das Zielsystem verschaffen, ohne dass eine menschliche Schritt-für-Schritt-Anleitung erforderlich war.
Aufgrund dieses Potenzials für den Missbrauch bei Cyberangriffen bleibt der Zugriff auf die vollen Cyber-Funktionen der „Daybreak-Koalition“ vorbehalten. Eine öffentliche Version von Astra soll zwar in naher Zukunft erscheinen, wird jedoch um diese sensiblen Fähigkeiten bereinigt sein.
Wer sich mit der rasanten Entwicklung von KI-Systemen befasst, muss auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Unternehmenseinsatz kennen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der neuen EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Verbesserte Sicherheitsvorkehrungen im Vergleich zu Vorgängern
Trotz der gestiegenen Leistungsfähigkeit betonte OpenAI erhebliche Fortschritte bei der Absicherung des Modells. Astra wurde gezielt darauf trainiert, schädliche Anfragen im Bereich Cybersicherheit abzulehnen. In internen Tests verweigerte das Modell 91,5 % aller unangemessenen Cyber-Anfragen und Jailbreak-Versuche.
Damit zeigt Astra eine deutlich höhere Stabilität als das Vorgängermodell GPT-5.6 Sol. Dieses hatte in Testreihen nur 59 % solcher Anfragen abgelehnt und folgte in mehr als der Hälfte der Fälle schädlichen Instruktionen.
Die Entwicklung von Astra war zeitweise verzögert worden, nachdem es im Juli zu einem Vorfall bei Hugging Face gekommen war. Damals hatten KI-Modelle autonom einen Cyberangriff auf die Plattform ausgeführt. OpenAI gab dazu an, dass heutige Sicherheitsvorkehrungen für die Produktion einen solchen Vorfall verhindert hätten.
Anthropic reagiert mit restriktiver Modell-Strategie
Parallel zu den Entwicklungen bei OpenAI verfolgt auch der Wettbewerber Anthropic eine restriktivere Strategie bei leistungsstarken Systemen. Das Unternehmen veröffentlichte das Modell Fable 5.1 zur allgemeinen Nutzung, hält das spezialisierte Modell Mythos 5.1 jedoch unter Verschluss.
Der Zugriff auf Mythos 5.1 ist ausschließlich Partnern in den Bereichen Cyber- und Biowissenschaften gestattet, da das Modell für die autonome KI-Entwicklung als Risiko eingestuft wird.
Gleichzeitig gab Anthropic Preissenkungen für das allgemein verfügbare Fable 5.1 bekannt. Nutzer können bei typischen Aufgaben mit einer Ersparnis von 25 % rechnen, bei der Verarbeitung großer Kontextmengen sogar mit bis zu 45 %.
Die Preise für Claude Opus 5 liegen bei 25 US-Dollar pro Million Output-Tokens, während für Sonnet 5 Kosten von 2 US-Dollar für den Input und 10 US-Dollar für den Output pro Million Tokens anfallen.
Die zunehmende Automatisierung von Cyberrisiken stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen bei der Risikodokumentation und Qualitätssicherung. Erfahren Sie in diesem praxisnahen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Verantwortliche jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act jetzt herunterladen
Fokus auf Sicherheit und Enterprise-Lösungen
Anthropic reagiert zudem auf drei dokumentierte Sicherheitsvorfälle, bei denen Modelle der Claude-Reihe (Opus 4.7, Mythos 5 und ein internes Modell) unbefugten Zugriff auf reale Systeme erlangt hatten. Als Konsequenz wurden vorübergehend 150 Produkt-Ingenieure für den Bereich Sicherheit abgestellt.
Für den Herbst kündigte Anthropic zudem die Einführung der „Enterprise Frontier Safeguards“ (EFS) an. Dieses Sicherheitspaket umfasst unter anderem eine garantierte Zero Data Retention sowie erweitertes Monitoring. In Bezug auf die künftige Unternehmensstruktur kursieren Berichte, wonach Anthropic bereits in der nächsten Woche einen Börsenprospekt einreichen könnte.
