Online-Handel, Käufe

Online-Handel: 71 Prozent aller Käufe werden abgebrochen

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 17:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Girocard wird digital, Wero drängt in den Markt und der digitale Euro bleibt umstritten. Neue Dienste für Anleger und Unternehmen kommen hinzu.

Zahlungsverkehr 2026: Girocard-Update, Wero und digitaler Euro
Online-Handel - Eine Hand hält ein Smartphone mit einer digitalen Wallet-App, umgeben von leuchtenden Linien, die Datentransfer symbolisieren. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während die Girocard modernisiert wird, drängen neue europäische Systeme wie Wero auf den Markt. Und die Debatte um den digitalen Euro wird immer hitziger.

Girocard wird digital: In-App-Zahlungen ab 2027

Die gute alte Girocard bekommt ein Update. Ab Frühjahr 2027 soll sie erstmals In-App-Zahlungen ermöglichen. Die Integration erfolgt über Händler-Anwendungen, die per Online-Banking und TAN-Verfahren aktiviert werden. Ein Whitelisting von Händlern soll für schnellere Transaktionen sorgen, während die digitale Altersprüfung ausgeweitet wird.

Doch das ist nicht die einzige Neuerung. Parallel drängt die europäische Alternative Wero auf den Markt. Das System des European Payments Initiative (EPI) wird in den Niederlanden bis Ende 2027 das bisherige iDEAL-Verfahren ersetzen. In Belgien sind Online-Zahlungen via Wero bereits seit dem Frühjahr 2026 bei ersten großen Webshops möglich. Auch in Deutschland wird die Integration vorangetrieben – in bayerischen Kommunen etwa über spezialisierte Dienstleister.

Nicht alle sind begeistert. Zahlungsdienstleister äußerten bereits im Frühjahr 2026 Bedenken: mögliche Kostensteigerungen und Betrugsrisiken stehen im Raum. Kritisch diskutiert wird auch die Nutzung von Cloud-Infrastrukturen US-amerikanischer Anbieter wie AWS bei Wero. Die Entwickler verweisen zwar auf umfassende Sicherheitsmaßnahmen – ganz vom Tisch ist das Thema aber nicht.

Wallets und Apps: Mehr Transparenz und Datenschutz

Beim mobilen Bezahlen setzen Anbieter verstärkt auf Transparenz und Plattformunabhängigkeit. Ein Update für Google Wallet vom 6. Juli 2026 verbessert die Sichtbarkeit von Transaktionen, die über Smartwatches getätigt wurden. Sie werden nun mit einem spezifischen Hinweis in der App aufgeführt.

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Bei den Multibanking-Apps markiert die Version 4.0 von Outbank einen Strategiewechsel. Die App nutzt eine neue Architektur für den plattformübergreifenden Datenabgleich und verlegte den Serverstandort nach Deutschland. Dabei verfolgt sie das Zero-Knowledge-Prinzip – ein klarer Fokus auf Datenschutz für Nutzer von über 4.500 Banken in der DACH-Region.

Und auch Visa mischt mit: Click to Pay soll die hohe Abbruchrate im Online-Handel senken. Rund 71 Prozent aller Onlinekäufe werden derzeit abgebrochen. Die Tokenisierung von Kartendaten soll die Autorisierungsraten steigern. In Europa nutzen bereits rund 15.000 Onlineshops das Verfahren.

Neue Angebote für Anleger und Unternehmen

Auch für Geschäftskunden und spezialisierte Anleger gibt es Neues. Die ING Deutschland führte Anfang Juli 2026 Festgeldkonten für kleine und mittelständische Unternehmen sowie Solo-Selbstständige ein. Die Zinssätze liegen je nach Laufzeit zwischen 1,6 und 2,2 Prozent.

Im Bereich der dezentralen Finanzen startete Consensys Ende Juni 2026 den MetaMask Money Account. Das Angebot verspricht eine variable Rendite von bis zu 4 Prozent auf einen Stablecoin – über das Morpho-Lending-Protokoll. Eine Karte im Mastercard-Netzwerk ist inklusive. Parallel dazu integrieren Treasury-Plattformen wie Nuvion seit Juli 2026 neue Stablecoins wie Ripple USD (RLUSD), um grenzüberschreitende Zahlungen für Unternehmen zu beschleunigen.

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Digitaler Euro: Zwischen Mehrwert und Skepsis

Die Debatte um den digitalen Euro bleibt kontrovers. In einem Positionspapier vom 6. Juli 2026 forderte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) einen klaren Mehrwert und eine einfache Integration in bestehende Systeme. Ohne Zusatzkosten für Unternehmen, versteht sich.

Wirtschaftswissenschaftler wie Gunther Schnabl äußerten sich zeitgleich skeptisch. Sein Argument: Der Bargeldumlauf im Euroraum hat mit 1.660 Milliarden Euro einen Rekordstand erreicht. Und Systeme wie die Girocard funktionieren. Warum also eine neue digitale Zentralbankwährung, die möglicherweise erst ab 2029 eingeführt wird?

Soziale Schieflage: Bezahlkarten für Geflüchtete in der Kritik

Abseits der technologischen Innovationen stehen auch soziale Anwendungen digitaler Bezahlsysteme in der Kritik. Die Soziologin Alexandra Keiner bemängelte Anfang Juli 2026 die Einschränkungen bei Bezahlkarten für Geflüchtete. Die Deckelung des Bargeldbetrags auf 50 Euro pro Monat sowie regionale Sperren und das Verbot von Überweisungen würden die finanzielle Selbstbestimmung einschränken. Gleichzeitig profitieren private Kartenanbieter von der Abwicklung.

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