Online-Betrug, Verbraucher

Online-Betrug: 24% der Verbraucher wurden Opfer, KI treibt Welle an

22.06.2026 - 23:03:44 | boerse-global.de

Verbraucherschutzminister der Länder drängen auf strengere Domain-Prüfung und mehr Maßnahmen gegen die wachsende Flut von Fake-Shops und KI-Betrug.

Länder fordern nationalen Aktionsplan gegen KI-Betrug
Online-Betrug - Ein abstraktes digitales Schloss oder Schildsymbol über einem verschwommenen Hintergrund aus leuchtendem Binärcode und Datenströmen. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Auf ihrer Konferenz in Potsdam sprachen sie sich für einen nationalen Aktionsplan aus. Ziel: Verbraucher besser vor Fake-Shops und KI-gestützten Betrugsmaschen zu schützen.

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Fake-Shops und Identitätsprüfung im Fokus

Die Minister reagieren auf eine anhaltende Welle betrügerischer Aktivitäten im Internet. Laut einer Schufa-Umfrage aus Februar 2025 wurden bereits 24 Prozent der deutschen Verbraucher Opfer von Online-Betrug. 61 Prozent der Betroffenen erlitten einen finanziellen Schaden. Allein 2025 gingen bei den Verbraucherzentralen rund 10.000 Beschwerden zu Fake-Shops ein.

Die rheinland-pfälzische Ministerin Mittelstädt (SPD) betonte die Notwendigkeit einer zentralen Koordinierung durch den Bund. Ein zentraler Punkt: eine strengere Identitätsprüfung bei der Registrierung von Internet-Domains. Der CDU-Politiker Jung plädierte für eine stärkere Verifizierung, um die Erstellung betrügerischer Webseiten zu erschweren. Die Dimension des Problems zeigt ein automatisierter Finder: Er identifiziert monatlich etwa 1.800 neue betrügerische Angebote.

Betrug durch Kunden belastet den Online-Handel

Der Online-Handel kämpft zunehmend mit kriminellen Aktivitäten durch Kunden selbst. Eine Analyse von LexisNexis Risk Solutions basiert auf 116 Milliarden Transaktionen. Ergebnis: Der Anteil des sogenannten First-Party-Betrugs in Europa liegt bei knapp 52 Prozent aller Betrugsfälle im Online-Handel des Jahres 2025.

Häufig agieren organisierte Banden im Hintergrund. Sie werben gezielt Personen mit schlechter Bonität oder Studenten für betrügerische Bestellungen an. Die angeworbenen Personen erhalten Prämien von 50 Euro. Die Maschen reichen von der Nichtzahlung auf Rechnung bis zur wahrheitswidrigen Reklamation. Da die Beweislast meist beim Händler liegt, entstehen der Branche erhebliche Verluste.

KI treibt Betrugswelle massiv an

Künstliche Intelligenz ist ein wesentlicher Treiber der Entwicklung. Im Rahmen einer Anhörung vor dem US-Kongress wurde berichtet: KI-gestützte Betrugsfälle nahmen innerhalb eines Jahres um 500 Prozent zu. Mittlerweile nutzen 86 Prozent aller Phishing-Angriffe KI-Technologien. Die Erfolgsquote liegt bei 54 Prozent – klassische Methoden erreichen lediglich 12 Prozent.

Sicherheitsforscher von Kaspersky stellten fest: Knapp zwei Drittel der Opfer gehen von einem KI-Einsatz bei der Kontaktaufnahme aus. Die Geschwindigkeit der Täter ist entscheidend. Mehr als 12 Prozent der Betroffenen überwiesen bereits innerhalb von fünf Minuten nach dem ersten Kontakt Geld. Besonders häufig treten Anlagebetrug, gefälschte Lieferbenachrichtigungen und die Imitation bekannter Marken auf.

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Google führt Schutzfunktion gegen Telefonbetrug ein

Als Reaktion auf die steigende Gefahr bringt Google eine neue Schutzfunktion für Android-Smartphones. Die „Fake Call Detection“ soll Betrugsanrufe anhand von KI-imitierten Stimmen oder gefälschten Nummern erkennen. Die Funktion wird zunächst für Pixel- und Samsung-Geräte ab Android 12 ausgerollt.

Auch den Strafverfolgungsbehörden gelangen Erfolge. Europol zerschlug gemeinsam mit Microsoft und Coinbase die Phishing-Plattform „Tycoon 2FA“. Das Netzwerk war Mitte 2025 für über 60 Prozent der von Microsoft abgefangenen Phishing-Versuche verantwortlich. Monatlich generierte es rund 30 Millionen schädliche E-Mails. Im Mai 2026 nahm die Polizei auf Mallorca einen mutmaßlichen Hauptbetreiber einer Fake-Shop-Struktur fest.

Trotz dieser Erfolge bleibt der Schaden enorm. Die Global Anti-Scam Alliance schätzt die weltweiten Verluste durch Betrug für 2024 auf rund 850 Milliarden Euro. Experten fordern von Banken den Übergang zu verhaltensorientierten Erkennungssystemen. Moderne Betrugsmuster laufen technisch oft unauffällig ab – klassische, regelbasierte Systeme erfassen sie kaum noch.

de | wissenschaft | 69606353 |