Omega-3-Fettsäuren, Risiko

Omega-3-Fettsäuren: Bis zu 45 Prozent weniger Risiko für plötzlichen Herztod

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Marine EPA- und DHA-Fettsäuren können Herzrisiken beeinflussen; Tierstudien zeigen zugleich mögliche Nachteile von EPA nach Kopfverletzungen.

Omega-3 aus Fisch: Herz-Kreislauf-Vorteile und offene Forschungsfragen
Eine ruhige Meeresoberfläche bei Sonnenaufgang, die die natürliche Quelle mariner Omega-3-Fettsäuren symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Omega-3-Fettsäuren aus Fisch spielen eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Entzündungsprozessen und der Unterstützung der kardiovaskulären Gesundheit. Da der menschliche Körper die essenziellen Fettsäuren nicht in ausreichender Menge selbst bilden kann, kommt der Zufuhr über die Nahrung erhebliche Bedeutung zu.

Während pflanzliche Quellen wie Leinsamen, Chiasamen und Walnüsse vor allem Alpha-Linolensäure (ALA) liefern, enthalten fetter Seefisch wie Lachs, Hering und Makrele sowie Algenöl die biologisch aktiven Formen Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA).

Kardiovaskuläre Effekte und Entzündungsprozesse

Chronische Entzündungen gelten in der Medizin als entscheidender Risikofaktor für Gefäßerkrankungen. Eine im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlichte Untersuchung des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London, die Daten von rund 480.000 Personen in Großbritannien analysierte, verdeutlicht diesen Zusammenhang: Menschen mit den höchsten Entzündungswerten – gemessen über den Blutmarker GlykA – wiesen ein um 43 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle auf als Personen mit den niedrigsten Werten.

Zudem zeigten sich bei erhöhten Entzündungsmarkern strukturelle Veränderungen am Herzen wie verdickte Herzwände, kleinere Herzkammern und eine geringere Füllung des Organs.

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Marine Fettsäuren können solchen Prozessen entgegenwirken. Eine tägliche Zufuhr von etwa 1 Gramm EPA und DHA kann kardiovaskuläre Todesfälle sowie Herzinfarkte in der Allgemeinbevölkerung und bei Diabetikern senken.

Zudem verringern marine Fettsäuren das Risiko für einen plötzlichen Herztod um bis zu 45 Prozent. Bei Statin-Patienten mit erhöhten Triglyceridwerten senkte eine Gabe von 4 Gramm reinem EPA pro Tag kardiovaskuläre Ereignisse deutlich.

Neben dem Herz-Kreislauf-System deuten Daten darauf hin, dass EPA-dominierte Gaben von 1 bis 2 Gramm täglich über acht bis zwölf Wochen moderate therapeutische Effekte bei Depressionen erzielen können, insbesondere bei erhöhten Entzündungsmarkern mit einem CRP-Wert über 3 Milligramm pro Liter. Bei Sportlern kann EPA zudem Entzündungen modulieren und trainingsbedingten Muskelkater reduzieren.

Dosierung, Quellen und Zubereitung

Für gesunde Erwachsene gilt eine Zufuhr von rund 250 Milligramm EPA und DHA pro Tag als allgemeine Richtlinie. Körperlich aktive Personen nutzen häufig Dosierungen von 500 bis 1.000 Milligramm täglich, während bei sehr geringem Fischkonsum 1.000 bis 2.000 Milligramm infrage kommen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche, idealerweise mit einer Portion von rund 150 Gramm fettem Seefisch.

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Diese Menge deckt zugleich den täglichen Jodbedarf eines Erwachsenen vollständig ab, der derzeit von rund 32 Prozent der Bevölkerung unterschritten wird. Kabeljau enthält dabei 170 bis 275 Mikrogramm Jod pro 100 Gramm, während Lachs rund 34 Mikrogramm liefert.

Da marine Fettsäuren hitzeempfindlich sind, sollte Fisch schonend gedämpft oder bei maximal 120 bis 140 Grad Celsius im Ofen gegart werden. Als alternative Quelle bietet Krillöl eine Bindung von EPA und DHA an Phospholipide statt an Triglyceride, was eine effizientere Integration ermöglichen kann. Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist zu beachten, dass sich die Dosierung nach der Summe von EPA und DHA richtet und nicht nach dem Gesamtfischöl.

Differenzierte Befunde der Forschung

Trotz der dokumentierten Vorteile mahnen Laboruntersuchungen zu einer differenzierten Betrachtung einzelner Fettsäuren. Eine im Fachjournal Cell Reports publizierte Studie zeigte an Mäusen mit leichten Kopfverletzungen, dass eine EPA-haltige Ernährung die Wiederherstellung verletzter Blutgefäße im Gehirn behinderte und Lern- sowie Gedächtnisleistungen beeinträchtigte, während DHA diese Prozesse nicht störte.

Eine Analyse menschlichen Hirngewebes von Patienten mit chronischer traumatischer Enzephalopathie ergab vergleichbare Gefäß- und Stoffwechselstörungen.

Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass diese Beobachtungen vor allem aus Zell- und Tierexperimenten stammen und die Übertragbarkeit auf lebendes menschliches Gewebe unklar bleibt. Bei Vorerkrankungen oder der Einnahme von Blutgerinnungshemmern sollte eine Einnahme höherer Dosierungen stets unter ärztlicher Begleitung erfolgen.

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