Aktive, Hefepilze

Ötzi-Mumie: Aktive Hefepilze überdauerten 5.300 Jahre in der Tiefkühlung

03.06.2026 - 15:31:38 | boerse-global.de

Forscher finden in der Gletschermumie überlebensfähige Mikroorganismen, die bei Minusgraden Stoffwechsel betreiben und industrielles Potenzial bieten.

Ötzi-Mumie: Aktive Hefepilze überdauerten 5.300 Jahre in der Tiefkühlung - Bild: über boerse-global.de
Ötzi-Mumie: Aktive Hefepilze überdauerten 5.300 Jahre in der Tiefkühlung - Bild: über boerse-global.de

Die rund 5.300 Jahre alte Gletschermumie „Ötzi“ beherbergt noch immer aktive Mikroorganismen. Eine Studie im Fachjournal Microbiome zeigt: Besonders kälteangepasste Hefepilze haben die Jahrtausende überdauert.

Vier Hefegattungen identifiziert

Ein Team um Mohamed Sarhan und Frank Maixner vom Eurac-Institut für Mumienstudien in Bozen gelang die Unterscheidung zwischen Ötzis ursprünglicher Darmflora und späteren Besiedlern. Die Forscher identifizierten vier spezifische Hefegattungen: Phenoliferia, Glaciozyma, Goffeauzyma und Mrakia. Diese stammen vermutlich aus der Gletscherumgebung, in der die Mumie eingeschlossen war.

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Proben von Haut, Magen und Körperwasser belegen eine bemerkenswerte Kälteresistenz. Trotz einer dauerhaften Lagerungstemperatur von -6 Grad Celsius im Südtiroler Archäologiemuseum persistierten die Hefepilze über Jahrtausende hinweg, wie Anthropologe Albert Zink von der LMU München betont.

Stoffwechselaktivität im Tiefkühlzustand

Die Analyse offenbart: Das mikrobielle Leben auf der Mumie ist nicht vollständig zum Erliegen gekommen. Der Vergleich von Proben aus den Jahren 2010 bis 2019 zeigte signifikante Verschiebungen in den Mikroorganismen-Anteilen. Besonders die Hefe Glaciozyma vermehrte sich langsam unter den aktuellen Lagerungsbedingungen.

Genetisch „frisches“ Material weist Ähnlichkeiten zu Mikroorganismen aus der Antarktis auf. Die Mumie fungiert demnach als dynamisches biologisches System, in dem Stoffwechselprozesse auch im Sub-Null-Bereich ablaufen. Für die Probennahme erwärmten Forscher den Körper kurzzeitig auf 4 Grad Celsius – das ermöglichte die Gewinnung lebensfähiger Kulturen.

Konsequenzen für Konservierung und Industrie

Drei der identifizierten Hefestämme können Phenol abbauen – eine Substanz, die in den 1990er-Jahren zur Desinfektion der Mumie eingesetzt wurde. Die Hefen profitierten offenbar von dieser Behandlung und breiteten sich weiter aus.

Museumsdirektorin Vallazza fordert deshalb ein engmaschiges mikrobiologisches Monitoring. Frank Maixner empfiehlt regelmäßige genomische Überwachung, um den Zersetzungsgrad zu kontrollieren.

Die Entdeckung bietet jedoch auch industrielles Potenzial. Die Fähigkeit der Hefen, bei extrem niedrigen Temperaturen Stoffwechselleistungen zu erbringen, könnte energieeffiziente Industrieprozesse ermöglichen – etwa bei der Fermentation in der Lebensmittel- oder Biotechnologiebranche.

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Zeitkapsel des prähistorischen Darms

Neben den post-mortalen Besiedlern lieferte die Forschung detaillierte Daten zum Darmmikrobiom des Gletschermannes. Bakterienstämme wie Romboutsia hominis, Clostridium moniliforme und Ruminococcus bromii sowie Vertreter der Gattungen Treponema und Kineothrix wurden identifiziert.

Viele dieser Bakterien sind in den Darmfloren heutiger Menschen in industrialisierten Gesellschaften kaum noch nachweisbar. Die Zusammensetzung spiegelt die fettreiche Ernährung Ötzis wider – und unterstreicht die Bedeutung dieser „Zeitkapsel“ für das Verständnis der menschlichen Evolution und Gesundheit.

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