NuTra-Studie, Eiweiß

NuTra-Studie: Mehr Eiweiß beschleunigt die Genesung nach Brüchen nicht

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 01:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei älteren Menschen mit Fragilitätsfrakturen zeigte zusätzliche Proteinzufuhr keinen unabhängigen Nutzen für den frühen Rehabilitationsverlauf.
Ein leeres, ordentlich gemachtes Krankenhausbett in einem hellen, klinischen Zimmer mit natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Eine gezielte Zufuhr von zusätzlichem Eiweiß führt bei älteren Patientinnen und Patienten nach Fragilitätsfrakturen nicht automatisch zu einer schnelleren Genesung.

Zu diesem Ergebnis kommt die NuTra-Studie des Level-I-Traumazentrums der Universität Tübingen unter der Leitung von Carolina Vogel und Mika F. Rollmann. Die Untersuchung ging der Frage nach, ob eine proteinangereicherte Ernährung frühe funktionelle Verbesserungen bringt oder Komplikationen im Krankenhaus reduziert.

Studiendesign und Einteilung der Risikogruppen

In die Untersuchung wurden 218 Patienten im Alter von mindestens 70 Jahren einbezogen, die eine Fragilitätsfraktur erlitten hatten. Das mittlere Alter der Kohorte lag bei 81,8 ± 6,9 Jahren, der Frauenanteil betrug 72,0 Prozent. Vor Beginn erfolgte ein standardisiertes Screening auf ein bestehendes Ernährungsrisiko mittels NRS 2002 oder MNA.

Bei 100 der 218 Teilnehmenden, was einem Anteil von 45,9 Prozent entspricht, fiel dieses Screening positiv aus. Diese Risikogruppe wurde randomisiert aufgeteilt: 46 Personen in Gruppe A erhielten eine proteinangereicherte Kost mit einem Zielwert von 1,5 bis 2,0 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.

Weitere 54 Personen in Gruppe B wurden mit einer Standarddiät versorgt. Die verbleibenden 118 Personen (54,1 Prozent), bei denen kein erhöhtes Ernährungsrisiko festgestellt worden war, dienten als Referenzgruppe C.

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Primäre Endpunkte und klinische Verläufe

Als primäre Endpunkte der Untersuchung definierten die Forschenden medizinische Komplikationen während des Krankenhausaufenthalts, das Auftreten von Wundinfektionen sowie die funktionelle Mobilität bei der Entlassung. Die Auswertung zeigte, dass bei 45,0 Prozent aller beteiligten Patienten medizinische Komplikationen auftraten. Zwischen den Gruppen bestanden dabei keine statistisch signifikanten Unterschiede.

Auch die laborchemischen Marker spiegelten keine spezifische Wirkung der Ernährungsintervention wider: Der Albuminspiegel sank im Behandlungsverlauf, während das C-reaktive Protein (CRP) in allen Gruppen gleichermaßen anstieg. Ebenso zeigten sich bei der Krankenhausverweildauer, der Mortalität und dem Entlassungsziel keine Differenzen zwischen den Interventions- und Kontrollbedingungen.

Begleiterkrankungen prägen den Entlassungszustand

Deutliche Unterschiede traten hingegen im Vergleich zur nicht mangelernährten Referenzgruppe zutage. Die Patienten der Gruppe C waren zum Zeitpunkt der Entlassung häufiger mobil und konnten öfter direkt in das häusliche Umfeld zurückkehren. Die Patienten mit nachgewiesenem Ernährungsrisiko waren nach dem stationären Aufenthalt dagegen häufiger auf eine institutionelle Pflege angewiesen.

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Die statistische Auswertung ergab zudem, dass ein höherer altersadjustierter Charlson-Comorbidity-Index unabhängig mit dem Entlassungsziel verknüpft war.

Für die Ernährungsintervention selbst ließ sich kein unabhängiger Effekt nachweisen. Dies verdeutlicht, dass die allgemeine Krankheitslast und vorbestehende Einschränkungen den frühen Rehabilitationsverlauf älterer Traumapatienten maßgeblicher bestimmen als eine kurzfristige Erhöhung der Proteinzufuhr während des Klinikaufenthalts.

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