Notfallpatienten mit Bluthochdruck: VR senkt Werte um 4 bis 5 mmHg mehr
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Kombination aus virtueller Realität und klassischer Musik kann bei Notfallpatienten mit stark erhöhtem Blutdruck zu einer beschleunigten Senkung von Blutdruck und Stresswerten führen.
Eine randomisierte kontrollierte Studie am Ankara Bilkent City Hospital in der Türkei untersucht diesen Ansatz als Ergänzung zur herkömmlichen medikamentösen Versorgung. Die Daten wurden auf dem europäischen Notfallmedizinkongress EUSEM 2026 in Paris vorgestellt.
Ausgeprägte Angstreduktion trotz höherer Belastung
Ein zentraler Befund der Untersuchung betrifft das psychische Ausgangsniveau der Patienten: Die Gruppe, welche die digitale Intervention erhielt, wies zu Beginn eine höhere Eigenschaftsangst auf, verzeichnete im Verlauf jedoch eine deutlich stärkere Abnahme des Angstniveaus als die Kontrollgruppe.
In der Notaufnahme verschärfen Faktoren wie Lärm, grelles Licht und Ungewissheit das Stressempfinden, was wiederum die Ausschüttung von Stresshormonen begünstigt und den Blutdruck länger hochhält, wie Studienleiter Dr. Safa Dönmez von der Universität der Gesundheitswissenschaften Ankara darlegte. Eine gezielte Beruhigung könne diesem Mechanismus frühzeitig entgegenwirken.
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Signifikanter Effekt in den ersten Behandlungsminuten
An der Untersuchung nahmen 130 Patientinnen und Patienten mit einer hypertensiven Urgenz teil, definiert durch einen Blutdruck von mindestens 180 mmHg systolisch beziehungsweise mindestens 110 mmHg diastolisch. Alle Teilnehmenden erhielten die reguläre Blutdruckmedikation.
Bei 65 Personen kam zusätzlich ein VR-Headset zum Einsatz, über das ruhige Naturlandschaften mit Flüssen, Bäumen und Holzbrücken sowie klassische Stücke von Bach, Mozart, Debussy, Vivaldi und Tschaikowski über ein Smartphone eingespielt wurden. Das genaue Headset-Modell wurde in der Arbeit nicht benannt.
Nach 15 und 30 Minuten wies die Interventionsgruppe einen um 12 bis 15 Prozent stärkeren Rückgang von Angst und Blutdruck auf als die Kontrollgruppe. Konkret sank der mittlere arterielle Druck bei einem Ausgangswert von 130 bis 138 mmHg in der Interventionsgruppe von 132 über 116 nach 15 Minuten auf 112 mmHg nach 30 Minuten, was Reduktionen um 12 Prozent und 15 Prozent entspricht. In der Kontrollgruppe verringerte sich der Wert von 138 über 126 auf 119 mmHg, was Abnahmen um 8 Prozent und 14 Prozent entsprach.
Innerhalb der ersten 15 Minuten fiel der Blutdruck in der VR-Gruppe um 4 bis 5 mmHg stärker als unter alleiniger Medikation. Co-Autor Dr. Kadir Yenal hob hervor, dass sowohl der absolute Blutdruck als auch das Ausmaß des Rückgangs nach 15 Minuten statistisch signifikant niedriger lagen als in der Kontrollgruppe. Nach 60 Minuten glichen sich die Messwerte beider Gruppen jedoch an.
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Ergänzender Ansatz mit methodischen Einschränkungen
Die Forschenden heben hervor, dass es sich um frühe Kongressergebnisse handelt und die Methode keinesfalls eine Alternative zur pharmazeutischen Therapie darstellt, sondern als unterstützende Maßnahme dienen könnte.
Eine raschere Blutdruckkontrolle in der Anfangsphase könne im Klinikalltag dabei helfen, zusätzliche und womöglich unnötige Medikamentengaben zu vermeiden. Zudem sei die Technik kostengünstig und unkompliziert einsetzbar, so Dr. Yenal.
Die Autoren verweisen zugleich auf Limitationen des Versuchsaufbaus: Die Studie wurde monozentrisch an einem einzelnen Krankenhaus durchgeführt und umfasste lediglich ein Nachbeobachtungsfenster von zwei Stunden.
Zudem wichen die Ausgangsblutdruckwerte voneinander ab, eine Verblindung war methodisch bedingt nicht vorhanden und die Effekte von virtueller Umgebung und Musik wurden nicht getrennt voneinander analysiert. Das zuständige Abstract-Komitee des Kongresses stufte das Verfahren ungeachtet dessen als weiter untersuchenswert ein.
