Notdienstpauschale: 571,46 Euro Rekord bei sinkenden Apotheken
18.06.2026 - 13:08:27 | boerse-global.de
Im ersten Quartal 2026 lag sie bei 571,46 Euro pro Dienst – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorquartalen. Doch die Zahl der geleisteten Notdienste sinkt.
Weniger Apotheken, höhere Vergütung
Hinter dem Rekordwert steckt eine einfache Rechnung: Immer weniger Apotheken teilen sich die Notdienste. Laut aktuellen Abrechnungsdaten leisteten 16.583 Apotheken insgesamt 73.622 Dienste – ein neuer Tiefstand. Der Nacht- und Notdienstfonds (NNF) schüttete dafür 42,1 Millionen Euro aus, basierend auf 200,8 Millionen abgegebenen Packungen.
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Zum Vergleich: Im Vorquartal lag die Pauschale noch bei 550,53 Euro, im Vorjahresquartal bei 556,22 Euro. Der Anstieg ist also signifikant – aber er ist auch ein Alarmzeichen für die Branche.
Reform bringt mehr Geld – aber auch höhere Abzüge
Das Apotheken-Reformgesetz (ApoVWG) soll die Vergütung grundlegend neu justieren. Vorgesehen ist eine stufenweise Anhebung des Fixums von 8,35 auf 9,50 Euro. Doch die Freude darüber hält sich in Grenzen: Gleichzeitig steigt der Kassenabschlag um 30 Cent auf 2,07 Euro. Unterm Strich bleiben den Apotheken netto 9,20 Euro – und das, obwohl die letzte Anpassung des Fixums bereits 2013 erfolgte.
Ein Lichtblick: die Einführung vergüteter Teilnotdienste. Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese lobte das Modell als „wichtiges Signal zur Stärkung der Apotheken vor Ort". Gleichzeitig kritisierte sie das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz scharf – ein „reines Spargesetz", so Drese.
Ländliche Regionen besonders betroffen
Die flächendeckende Versorgung bleibt ein Problem. Rund vier Millionen Bürger müssen mehr als sechs Kilometer zur nächsten Apotheke fahren, zeigt eine Studie der ABDA. Besonders hart trifft es Mecklenburg-Vorpommern: Hier sind 21,7 Prozent der Bevölkerung von langen Wegen betroffen.
Die Zahl der Apotheken ist in den letzten zehn Jahren von rund 20.000 auf aktuell etwa 16.600 gesunken. Um die Versorgung dennoch zu gewährleisten, setzen Großhändler auf hohe Lieferfrequenzen. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland werden Apotheken teilweise bis zu dreimal täglich beliefert.
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Digitale Services und neue Logistik
Drohnenlieferungen, Elektromobilität und digitale Dienste – die Branche sucht nach neuen Wegen. Bei Fachbesuchen in pharmazeutischen Niederlassungen standen genau diese Themen im Fokus. Die politische Forderung: Für alle Vertriebswege müssen vergleichbare Qualitätsstandards gelten, um die Patientensicherheit auch im Notdienst zu gewährleisten.
Die Organisation der Notdienste läuft weiterhin über regionale Verzeichnisse der Apothekerkammern. Sie sollen sicherstellen, dass Patienten in ihrer Nähe eine erreichbare Notdienst-Apotheke finden – auch wenn die Dichte weiter abnimmt.
