Nordische Kost: 27 Todesfälle pro 1.000 Personen könnten vermieden werden
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 01:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deVerschiedene wissenschaftliche Untersuchungen analysieren Ernährungsmuster wie die mediterrane oder nordische Diät sowie den regelmäßigen Konsum von fettreichem Fisch als maßgebliche Faktoren für Langlebigkeit und allgemeine Gesundheit.
Der Schwerpunkt der Forschung verschiebt sich dabei zunehmend von der reinen Lebenserwartung hin zur sogenannten Healthspan, also den krankheitsfreien Lebensjahren im Alter. Weltweit stehen laut der Global Burden of Disease Study jährlich rund 11 Millionen Todesfälle mit ungesunder Ernährung im Zusammenhang.
Biologisches Altern und epigenetische Muster
Eine im August 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Beobachtungsstudie der Arbeitsgruppe um Tavares und Liu am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen untersuchte den Einfluss der Nahrungsaufnahme auf das biologische Altern.
Auf Basis von Daten von 6.470 Teilnehmenden der Rheinland-Studie, die anhand der Potsdamer EPIC-Kohorte mit rund 1.000 Teilnehmenden überprüft wurden, erfassten die Forschenden tatsächlich konsumierte Lebensmittel und berechneten zehn etablierte Ernährungsscores.
Dabei zeigte sich, dass mediterrane, pflanzenbasierte, nordische und DASH-Ernährungsweisen jeweils mit einem verlangsamten biologischen Altern assoziiert sind. Die Muster wiesen unterschiedliche DNA-Methylierungen auf, steuerten jedoch ähnliche biologische Signalwege an.
In der Analyse von zehn Ernährungsformen wiesen acht einen Zusammenhang mit langsamerem Altern auf, wobei die DASH-Diät eine der stärksten Verbindungen zeigte. Eine ungesunde pflanzliche Kost sowie eine entzündliche Ernährung beschleunigten das biologische Altern hingegen.
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Das MIND-Muster, eine Kombination aus mediterraner Kost und DASH-Prinzipien, war mit vorteilhaften DNA-Veränderungen in Bereichen für Gedächtnis und Lernen verbunden.
Eine im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Langzeitanalyse von über 100.000 Erwachsenen stützt die Bedeutung von Ernährungsgewohnheiten über mehrere Jahrzehnte. Personen, die sich im Alter zwischen 35 und 55 Jahren konsistent mediterran oder pflanzenbasiert mit hohem Anteil unverarbeiteter Lebensmittel ernährten, wiesen im Alter signifikant mehr krankheitsfreie Jahre auf – unabhängig vom Geschlecht und von genetischen Risikofaktoren.
Die Rolle nordischer Lebensmittel
Neben der traditionellen Mittelmeerkost rückt die nordische Ernährung verstärkt in den Fokus. Sie stützt sich primär auf Vollkorn wie Roggen und Hafer, fetten Fisch wie Lachs, Hering und Makrele, Wurzelgemüse, Kohl, Beeren, Äpfel, Birnen sowie Rapsöl.
Eine Analyse der Universität Aarhus an 64.406 Personen in Schweden ergab, dass bei einer gesunden nordischen Kost das 24-Jahres-Risiko für Tod aus jeglicher Ursache um etwa 2,67 Prozentpunkte sinkt, was rund 27 vermiedenen Todesfällen pro 1.000 Personen entspricht.
Einen statistisch signifikanten Schutz vor schweren Lebererkrankungen stellte die Auswertung nicht fest. Die Universität Aarhus empfiehlt in diesem Zusammenhang den Verzehr von 90 Gramm Vollkorn täglich.
Weitere wissenschaftliche Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2025 verknüpfen die nordische Diät mit einem geringeren Risiko für Gesamtmortalität, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs.
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In einer im Fachblatt Nature Communications publizierten Untersuchung an Diabetes-Patienten führte die nordische Kost über ein Jahr zu einer Verringerung des Leberfetts um mehr als 20 Prozent, wobei über die Hälfte der Teilnehmenden eine Remission der Fettlebererkrankung erreichte.
Fettarmer Fisch, Lebensstil und Altersgruppen
Ernährungsmuster in Regionen mit einem hohen Anteil an über Hundertjährigen setzen auf eine überwiegend pflanzliche Basis, bei der Fleisch eine untergeordnete Rolle spielt. Fettarmer und fettreicher Fisch wird typischerweise einige Male pro Woche in Portionen von 100 bis 150 Gramm verzehrt. Europäische Gesundheitsbehörden raten zu mindestens einer Portion fettreichem Fisch pro Woche.
Gleichzeitig verweisen Untersuchungen auf alters- und zielgruppenspezifische Unterschiede. Eine vom chinesischen Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention durchgeführte Beobachtungsstudie an 5.203 mindestens 80-jährigen Menschen ergab, dass das bereinigte Chancenverhältnis für das Erreichen des 100. Lebensjahrs bei fleischlos Essenden um 19 Prozent niedriger lag als bei Personen mit Mischkost; bei rein pflanzlicher Ernährung lag es um 29 Prozent niedriger.
Zudem war der tägliche Verzehr von Fleisch wie auch von Gemüse jeweils eigenständig mit höheren Chancen auf das Erreichen des 100. Lebensjahres verbunden. Fachleute verweisen zudem darauf, dass bei isolierten Lebensstilinterventionen stets das Gesamtbild aus Ernährung, Bewegung und sozialem Umfeld über den langfristigen Erhalt der Gesundheit entscheidet.
