Nikotinkonsum bei Jugendlichen: 9,6 Prozent in 2025 erreicht
31.05.2026 - 15:49:09 | boerse-global.deDie deutsche Gesundheitspolitik schlägt Alarm: Nach Jahren des Rückgangs steigt der Nikotinkonsum bei Jugendlichen wieder massiv an. Eine parteiübergreifende Allianz aus Gesundheitspolitikern fordert nun deutliche Steuererhöhungen auf Zigaretten und E-Zigaretten.
Steuern als Waffe gegen den Nikotintrend
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), macht keinen Hehl aus seiner Position: Höhere Preise seien der wirksamste Hebel, um Jugendliche vom Nikotinkonsum abzuhalten. „Wer den Einstieg erschwert, rettet Leben", so Streeck. Unterstützung kommt von Christos Pantazis (SPD), der konstatiert, dass konsequente Besteuerung und höhere Verkaufspreise junge Menschen effektiv vom Kauf abhalten.
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Simone Borchardt (CDU) bringt eine zusätzliche Idee ins Spiel: Ein Teil der Mehreinnahmen aus der Tabaksteuer solle in den Gesundheitsfonds fließen, um das gesamte Gesundheitssystem zu stärken. Die Forderungen gehen jedoch über die reine Steuerpolitik hinaus. Der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, plädiert für neutrale Verpackungen, ein komplettes Verbot von Aromen in Tabakprodukten und strengere Werbebeschränkungen.
Jugendliche greifen häufiger zur E-Zigarette
Die Zahlen der aktuellen Drogenaffinitätsstudie 2025 (BIÖG) sind alarmierend. Der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die Nikotinprodukte konsumieren, ist von 6,1 Prozent im Jahr 2021 auf 9,6 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei E-Zigaretten: Der Konsum hat sich in dieser Altersgruppe mehr als verdoppelt.
Bei den Jungen stieg der Vape-Konsum von 2,9 auf 6,7 Prozent, bei den Mädchen sogar von 1,8 auf 7,8 Prozent. Bundesweit rauchten 2025 rund 19,1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Und während der Zigarettenkonsum seit der Jahrtausendwende fast halbiert werden konnte, verzeichnete das Jahrbuch Sucht 2025 für 2024 einen Anstieg der Zigarettenverkäufe um 3,5 Prozent.
Die „Nikotin-Revolution" und ihre Tücken
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer regelrechten „Nikotin-Revolution". Immer neue Produkte wie Nikotinbeutel oder sogar Nikotinzahnstocher überschwemmen den Markt. Ein Nikotinzahnstocher kann zwischen 2 und 6 Milligramm Nikotin enthalten – eine normale Zigarette kommt auf etwa 2 Milligramm.
WHO-Experte Dr. Ghazi Zaatari kritisiert, dass diese Produkte oft gezielt auf Jugendliche abzielen. In Europa konsumieren rund 4 Millionen Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren Tabak, weitere 4,2 Millionen nutzen E-Zigaretten. Eine Umfrage des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigt zudem, dass 64 Prozent der Bevölkerung neutrale Verpackungen befürworten. Allerdings haben bis Anfang 2026 nur 18 von 53 Ländern in der WHO-Region Europa umfassende Nichtraucherschutzgesetze erlassen.
127.000 Tote und Milliardenkosten
Anzeige: Nikotinzahnstocher, Vapes, Nikotinbeutel – die Produkte werden immer raffinierter und zielen gezielt auf Jugendliche ab. 64 Prozent der Bevölkerung fordern bereits neutrale Verpackungen. Doch bis die Politik handelt, sind Sie als Eltern gefragt. Unser Leitfaden hilft Ihnen, den Überblick zu behalten. Kostenlosen Leitfaden sichern
Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen sind enorm. In Deutschland sterben jährlich über 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Die volkswirtschaftlichen Kosten belaufen sich auf mehr als 97 Milliarden Euro. Neben Lungenkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen warnen Ärzte- und Zahnärztekammern vor einem bis zu 15-fach erhöhten Risiko für Parodontitis durch Rauchen.
Einige Bundesländer reagieren bereits mit eigenen Initiativen. In Schleswig-Holstein beteiligen sich rund 450 Schulklassen am Projekt „Be Smart – Don't Start". Die Landesregierung hat zudem eine Bundesratsinitiative gestartet, die ein Rauchverbot in Autos fordert, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren.
Für alle, die mit dem Rauchen aufhören wollen, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Erstattung bestimmter Medikamente zur Raucherentwöhnung geregelt – ein klares Zeichen, dass Nikotinabhängigkeit als behandlungsbedürftige Krankheit anerkannt ist.
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