Neurodermitis: Ziegenmilch senkt Risiko um 34 Prozent
21.06.2026 - 20:42:17 | boerse-global.de
Weltweit sind schätzungsweise 15 Prozent aller Kinder von Neurodermitis betroffen. Die Folgen sind enorm: In Europa verursachen Behandlungen und krankheitsbedingte Ausfälle jährlich Kosten von rund 30 Milliarden Euro. Aktuelle Forschungen untersuchen daher, wie die Wahl der Säuglingsnahrung und der Zeitpunkt der Beikosteinführung das Erkrankungsrisiko beeinflussen.
Ziegenmilch senkt Risiko um 34 Prozent
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Die im Juni 2026 veröffentlichte GIraFFE-Studie liefert überraschende Ergebnisse. Säuglingsnahrung auf Basis von Ziegenvollmilch senkt das Neurodermitis-Risiko im Vergleich zu Kuhmilchprodukten um 34 Prozent.
Besonders profitieren Kinder mit familiärer Vorbelastung. Bei ihnen sank das Risiko laut der im Fachmagazin „Clinical Nutrition“ veröffentlichten Daten um 64 Prozent. Während in der Kontrollgruppe 48 von 100 Kindern ein Ekzem entwickelten, waren es in der Ziegenmilch-Gruppe nur 18 von 100.
Wissenschaftliche Einordnung: Noch offene Fragen
Die GIraFFE-Studie ist eine doppelblinde, randomisierte Untersuchung mit mehr als 2.100 Säuglingen in Deutschland, Spanien und Polen. Die Koordination lag beim LMU Klinikum München unter der Leitung von Berthold Koletzko. Die Kinder wurden bis zum fünften Lebensjahr beobachtet.
Trotz der statistischen Signifikanz mahnen Fachleute zur Vorsicht. Die Allergologin Kirsten Beyer von der Berliner Charité warnte vor voreiligen Schlüssen. Die Ergebnisse bei der hochbelasteten Gruppe basierten auf einer vergleichsweise kleinen Untergruppe. Zudem sei der genaue biologische Mechanismus noch nicht vollständig geklärt.
Frühe Beikost: Erfolg durch angepasste Leitlinien
Parallel dazu zeigen Untersuchungen aus Australien die Wirksamkeit angepasster Fütterungsempfehlungen. Eine in „JAMA Pediatrics“ veröffentlichte Analyse belegt: Seit 2016 geltende Leitlinien zur frühen Einführung von Hühnereiern ab dem sechsten Lebensmonat haben zu einem Rückgang von Ei-Allergien geführt.
Bei einjährigen Kindern sank die Allergierate um 17 Prozent. Besonders profitierten Säuglinge mit bestehendem Ekzem: In dieser Gruppe ging die Häufigkeit von 35 auf 22 Prozent zurück. Forscher wie Jennifer Koplin von der University of Queensland sehen darin einen Beleg für den Erfolg flächendeckender Ernährungsrichtlinien.
Schadstoffe in Muttermilch und neue Erkenntnisse zu Allergenen
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Neben industrieller Nahrung rückt auch die Zusammensetzung von Muttermilch in den Fokus. Untersuchungen von Universitäten in Parma und Seattle identifizierten in über 90 Prozent der untersuchten Proben Weichmacher wie Phthalate. Bisphenol A (BPA) fand sich in rund der Hälfte der Proben.
Die Autoren betonen: Diese Funde sprechen nicht gegen das Stillen. Sie fordern stattdessen eine strengere Regulierung chemischer Substanzen.
Eine Studie des Forschungszentrums Borstel liefert zudem neue Erkenntnisse zur Verstärkung allergischer Reaktionen. Lipidtransferproteine aus der gelben Lupine können in Verbindung mit bestimmten Fettmolekülen die Immunantwort intensivieren. Das könnte erklären, warum allergische Reaktionen bei den bundesweit mehr als drei Millionen Betroffenen von Nahrungsmittelallergien in ihrer Schwere stark variieren.
