Neurodermitis bei Jugendlichen: 67% leiden unter hautbedingter Angst
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 14:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neurodermitis gilt vielen als reines Hautproblem – tatsächlich zeigen aktuelle Erhebungen, dass die chronisch-entzündliche Erkrankung tief in das soziale Leben und die Psyche der Betroffenen eingreift. Anlässlich des Welt-Neurodermitis-Tags am 14. September rücken Unternehmen, Fachgesellschaften und Ärzteverbände in mehreren Ländern die sozialen Folgen der Erkrankung in den Fokus.
Ausgrenzung und Verstecken als Alltagserfahrung
Sanofi und Regeneron verweisen auf eine in der Fachzeitschrift Br J Dermatol 2025 (Ausgabe 193, Nr. 2, Seiten 341–343) veröffentlichte Untersuchung von Silverberg und Kollegen, die in 27 Ländern durchgeführt wurde.
Demnach hat fast jeder zweite erwachsene Neurodermitis-Betroffene bereits Ausgrenzung erlebt. Über die Hälfte gab an, sichtbare Hautstellen bewusst zu verdecken – ein Hinweis darauf, wie stark die Erkrankung Scham und sozialen Rückzug befördert.
Besonders betroffen sind offenbar Jugendliche. Eine 2025 durchgeführte internationale Studie mit 379 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren mit mittelschwerer oder schwerer Neurodermitis aus sechs Ländern kam zu dem Ergebnis, dass 67 Prozent der Befragten von Unwohlsein berichteten, das sie auf hautbedingte Angst zurückführten. 46 Prozent gaben an, dass die Erkrankung ihre schulischen Leistungen beeinträchtige.
Die kalifornische Ärztevereinigung AADA hat dazu eine Kampagne unter dem Titel „Rodéate de quien ve más allá de tu piel“ gestartet, die sich gezielt an junge Betroffene richtet.
Italien: Millionen Betroffene, aber keine Kostenübernahme
In Italien beziffert der Fachverband Apiafco die Zahl der Neurodermitis-Betroffenen auf rund 3 Millionen Menschen – das entspricht 8,1 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und 16,5 Prozent der Kinder. Zum Welt-Neurodermitis-Tag ist ein Webinar von Apiafco angekündigt, das um 18.00 Uhr stattfinden soll.
Ein strukturelles Problem bleibt dabei ungelöst: Neurodermitis ist in Italien nicht in den sogenannten Lea, den staatlich definierten Leistungskatalog, aufgenommen. Es existiert kein eigener Ausnahmekode, sodass Behandlungskosten zulasten der betroffenen Familien gehen.
Fast zwei von drei Jugendlichen mit mittelschwerer oder schwerer Neurodermitis berichten von Unwohlsein durch hautbedingte Angst – und fast jeder zweite spürt die Erkrankung in den schulischen Leistungen. Wer sein Kind in dieser Phase begleiten will, braucht Worte, die ankommen. Kostenlosen Eltern-Leitfaden anfordern
Die Equity Group Malattie Croniche della Pelle schätzt zudem, dass in Italien insgesamt rund 15 Millionen Menschen – etwa ein Viertel der Bevölkerung – an einer Hauterkrankung leiden, davon 6 Millionen an einer chronisch entzündlichen Form.
Argentinien: Langzeitverlauf und psychische Belastung
In Argentinien geht die Dermatologin Carolina Ledesma von der Fachgesellschaft SOARPSO davon aus, dass mindestens 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen von Neurodermitis betroffen sind. In drei von zehn Fällen bestehe die Erkrankung bis ins Erwachsenenalter fort.
Der chronische, intensive Juckreiz, der die Erkrankung begleitet, sei mit einem dreifachen Depressionsrisiko und einem doppelten Angstrisiko verbunden, so die Einordnung aus argentinischen Fachkreisen.
Als Behandlungsoptionen werden in Argentinien Biologika, insbesondere IL-4/13-Inhibitoren, sowie orale JAK-Inhibitoren genannt. Übergeordnet wird dort das Konzept des „Manejo Dermatológico Adecuado“ (MDA), einer angemessenen dermatologischen Versorgung, propagiert.
Gemeinsamer Nenner: Verständnis als Behandlungsziel
Viele Jugendliche verstecken ihre Haut, ziehen sich zurück und schweigen – aus Scham. Eltern können diesen Kreislauf durchbrechen, wenn sie wissen, wie sie ins Gespräch kommen und wann sie Unterstützung holen. Der Leitfaden zeigt die wichtigsten Schritte. Gesprächsstrategien jetzt sichern
Die Befunde aus verschiedenen Ländern zeichnen ein konsistentes Bild: Neurodermitis wirkt weit über die Haut hinaus – auf Schule, Beruf, soziale Beziehungen und psychische Gesundheit.
Die verschiedenen Initiativen zum Welt-Neurodermitis-Tag zielen darauf ab, dieses Verständnis in der Öffentlichkeit zu verankern und zugleich auf strukturelle Lücken in der Versorgung hinzuweisen, wie sie etwa in Italien durch die fehlende Aufnahme in den Leistungskatalog sichtbar werden.
