Neandertaler-Gene: 270 Gramm mehr Muskelmasse durch Steinzeit-Erbe
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neandertaler-DNA beeinflusst noch heute Muskelmasse, Knochenbau und Wachstum des modernen Menschen. Eine neue Studie zeigt jetzt, wie tief die Spuren der Urzeit in unseren Genen sitzen.
Mehr Muskeln dank Steinzeit-Erbe
Forschende haben eine Genvariante des Wachstumshormonrezeptors identifiziert, die vom Neandertaler stammt. Erwachsene Träger dieser Variante besitzen im Durchschnitt rund 270 Gramm mehr Muskelmasse. Die am 5. August in Current Biology veröffentlichte Studie basiert auf Daten von über einer Million Menschen. Laborversuche bestätigten: Zellen mit dem Neandertaler-Rezeptor wuchsen 40 Prozent schneller.
Die Verbreitung ist höchst unterschiedlich. In Südasien tragen bis zu 24 Prozent der Bevölkerung die Variante, in Ostasien rund 15 Prozent. In Europa ist sie mit 0,5 Prozent selten, in afrikanischen Populationen fehlt sie komplett. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Wirkung: Erst mit der Pubertät setzt der Effekt ein. Bei Kindern unter elf Jahren fanden die Forschenden keine Unterschiede. Auch die Schädelstruktur verändert die Variante – mit Folgen für Zahnwurzeln und Unterkiefer.
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Der Becken-Unterschied zwischen den Geschlechtern
Doch nicht nur Muskeln tragen Neandertaler-Erbe in sich. Eine Analyse in Scientific Reports zeigt: Die Beckenstruktur männlicher Neandertaler ähnelt der heutiger Frauen mehr als der moderner Männer. Bei Letzteren wanderte die Hüftpfanne im Laufe der Evolution rund 2,6 Zentimeter nach vorne.
Forschende deuten das als Stoßdämpfer-Mechanismus für effizienteres Gehen. Frauen behielten die breitere Beckenform – vermutlich wegen des Geburtsvorgangs, der evolutionär einen starken Selektionsdruck ausübte.
Fast das komplette Erbgut entschlüsselt
Solche Vergleiche werden erst durch präzise Genomkartierung möglich. Das T2T-Konsortium meldete am 7. August in Cell einen Meilenstein: 99,4 Prozent des diploiden menschlichen Genoms sind entschlüsselt – 6,4 Milliarden Basenpaare auf allen 46 Chromosomen. Zusätzlich veröffentlichte das Projekt die Genome von acht Wirbeltierarten.
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Diese Daten erlauben künftig hochgradig personalisierte Genome und tiefere Einblicke in evolutionäre Zusammenhänge. Je besser Forschende die genetischen Bausteine verstehen, desto klarer wird, wie die Vergangenheit bis in unseren Körper hineinwirkt.
