Neandertaler-Gene, Gramm

Neandertaler-Gene: 270 Gramm mehr Muskelmasse durch alte DNA

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien zeigen: Neandertaler-Gene, Krafttraining und innovative Wirkstoffe beeinflussen Muskelmasse und -erhalt maßgeblich.

Muskelaufbau: Neandertaler-DNA, Training und neue Therapien
Abstrakte Darstellung menschlicher Muskelanatomie in einem modernen wissenschaftlichen Laborumfeld. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine Welle neuer Studien zeigt: Muskelmasse ist kein Zufall, sondern Ergebnis von Genetik, Training und Ernährung. Forscher entdecken dabei überraschende Zusammenhänge zwischen evolutionärem Erbe und moderner Medizin.

Neandertaler-Gene: Mehr Muskeln durch alte DNA

Bestimmte Genvarianten der Neandertaler beeinflussen das Muskelwachstum heutiger Menschen signifikant. Das zeigt eine Studie von Philipp Kanis vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, veröffentlicht Anfang August in Current Biology.

Träger dieser Varianten haben im Durchschnitt rund 270 Gramm mehr Muskelmasse. Davon entfallen etwa 150 Gramm auf die Extremitäten und 212 Gramm auf den Rumpf. Die Verbreitung variiert global stark: Während nur 0,5 Prozent der Europäer die Merkmale tragen, sind es in Ostasien 15 Prozent und in Südasien bis zu 20 Prozent.

Reparaturmechanismen: Krafttraining aktiviert Proteinnetzwerk

Krafttraining aktiviert ein spezifisches Proteinnetzwerk, das beschädigte Muskelbestandteile gezielt erkennt und abbaut. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universitäten Hildesheim, Bonn und Freiburg in einer Publikation in Nature Communications.

Die Erkenntnisse stützen die WHO-Empfehlung, mindestens zweimal pro Woche moderate Muskelkräftigung zu betreiben. Künftig könnten daraus optimierte Trainingsmethoden für den Profisport und gezielte Übungen gegen altersbedingten Muskelverlust entstehen.

Ein weiterer Ansatzpunkt: Die Sulfidverbindung LASSS schützt ein Signal, das Muskelstammzellen aktiviert. Wissenschaftler der Kyushu University zeigten in einer Juli-Studie, dass die Bindung an Rezeptoren durch die Verbindung mehr als verdoppelt werden konnte. Das eröffnet neue Wege in der Sarkopenie-Forschung, also gegen den Muskelschwund.

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Abnehmspritzen: Muskelschwund als Nebenwirkung

Die Risiken medikamentöser Gewichtsreduktion zeigen sich besonders bei Männern mit Adipositas und Testosteronmangel. In einer 26-wöchigen Studie unter Leitung von Prof. Frank Sommer entfielen ohne Begleitmaßnahmen rund 38 Prozent des Gewichtsverlusts auf fettfreie Masse – also primär Muskulatur.

Die Kombination aus Testosteron-Substitution, Krafttraining und eiweißreicher Ernährung stoppte den Verlust nicht nur, sondern steigerte die Muskelmasse sogar um 4,2 Prozent. Relevant ist das für viele: In Deutschland hat etwa jeder vierte Mann um das 60. Lebensjahr einen Testosteronmangel.

Starke Muskeln, langes Leben

Muskelkraft korreliert direkt mit der Lebenserwartung. Eine Untersuchung an über 5.000 Frauen mit einem Durchschnittsalter von mehr als 65 Jahren ergab: Höhere Muskelkraft senkt das Sterberisiko um 12 Prozent. Regelmäßige Kraftübungen sind demnach entscheidend für die funktionale Gesundheit im Alter.

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Auch das Protein TRF2, bisher bekannt für den Schutz von Telomeren, reguliert die Funktion von Muskelstammzellen. Ein Mangel könnte die Regenerationsfähigkeit mindern und Erkrankungen wie die Duchenne-Muskeldystrophie beschleunigen.

Pflanzen als Protein-Fabriken

Die synthetische Biologie macht auch vor Muskelforschung nicht halt: Forscher brachten Salat dazu, Schweine-Myoglobin zu produzieren. Der Gehalt erreichte 810 mg pro Kilogramm Trockenmasse – noch deutlich unter tierischen Muskeln, zeigt aber das Potenzial pflanzlicher Systeme.

KI-Modelle wie AlphaGenome könnten die Forschung künftig beschleunigen. Das System analysiert DNA-Sequenzen von bis zu einer Million Nukleotiden und könnte genetische Varianten und deren Einfluss auf die menschliche Physiologie präziser bewerten als bisher möglich.

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