Naturstoffe gegen Entzündungen: Jenaer Forscher setzen auf Weihrauch und Co.
10.05.2026 - 18:18:11 | boerse-global.de
Die Universität Jena untersucht die heilende Wirkung natürlicher Substanzen – und stößt damit eine Debatte über die Zukunft der Entzündungsmedizin an.
Forschung mit Millionen-Förderung
Das Projekt „nature4HEALTH“ am Universitätsklinikum Jena (UKJ) hat sich zum Ziel gesetzt, die therapeutischen Möglichkeiten von Naturstoffen systematisch zu erforschen. Unter der Leitung von Professor Lorkowski und Dr. Wallert analysieren die Wissenschaftler, wie Weihrauchharz, Vitamin-E-Metaboliten und Selen gegen chronische Entzündungen wirken – etwa bei Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Fettleber.
Chronische Entzündungen und Schmerzen beeinträchtigen oft massiv die Lebensqualität, doch viele Betroffene suchen nach Wegen ohne starke Medikamente. Eine Schmerzexpertin zeigt in diesem kostenlosen Guide, wie 3 Finger in wenigen Minuten spürbare Linderung bringen können – ganz ohne Nebenwirkungen. 101 Druckpunkte gegen Arthrose: Schmerzexpertin gibt ihr Wissen jetzt kostenlos weiter
Das Land Thüringen fördert das Vorhaben mit knapp einer Million Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die Laufzeit erstreckt sich bis Dezember 2026. Ein besonderer technischer Kniff: Die Forscher verpacken die Wirkstoffe in Nanopartikel. Dadurch soll die Bioverfügbarkeit der natürlichen Substanzen steigen – der Körper kann sie besser aufnehmen und nutzen. Das Ziel sind synergistische Effekte, bei denen sich mehrere Stoffe in ihrer entzündungshemmenden Wirkung gegenseitig verstärken.
Wenn die Schulmedizin an Grenzen stößt
Wie dringend neue Therapieansätze gebraucht werden, zeigen die Proteste von ME/CFS-Patienten. Anfang Mai 2026 fanden in über 30 Städten „Liege-Demonstrationen“ statt. Die Betroffenen fordern mehr Forschung zu ihrer Erkrankung – einer schweren neuroimmunologischen Störung. Allein in Deutschland leiden bis zu 650.000 Menschen an ME/CFS, darunter rund 40.000 Kinder. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Krankheit bereits 1969 als neurologische Störung einstufte, klagen Patienten weiterhin über massive Versorgungslücken.
Auch bei Lupus (Systemischer Lupus Erythematodes) spielen chronische Entzündungen eine zentrale Rolle. Am heutigen Welt-Lupus-Tag, dem 10. Mai 2026, verweisen Mediziner auf Erfolge mit Antikörper-Therapien. Der Wirkstoff Obinutuzumab wurde kürzlich als Standardtherapie für Lupus-Patienten mit Nierenbeteiligung zugelassen. Das Universitätsklinikum Münster (UKM) berichtet von einem 24-jährigen Patienten, bei dem alle Standardtherapien versagten – durch halbjährliche Infusionen erreichte er eine deutliche Remission und kehrte ins Berufsleben zurück.
Ein weiteres Problem: Die steigende Zahl von Gürtelrosen-Erkrankungen (Herpes Zoster). Bei zehn bis 15 Prozent der Betroffenen entwickelt sich eine chronische Nervenschmerzen, die sogenannte Post-Zoster-Neuralgie. In Österreich, wo jährlich rund 40.000 Fälle auftreten, gibt es seit Ende 2025 ein kostenloses Impfprogramm für Über-60-Jährige.
Akupunktur wirkt besser als Morphin – ohne Suchtrisiko
Die Suche nach nicht-opioidhaltigen Schmerzmitteln hat zu einem überraschenden Befund geführt: Akupunktur könnte bei bestimmten Schmerzarten wirksamer und schneller sein als Morphin – und macht nicht süchtig. Forscher wiesen mithilfe von fMRI-Scans nach, dass die Nadeln einen Prozess namens Mechanotransduktion auslösen. Dabei setzt die mechanische Stimulation Histamin und Serotonin frei, was messbare Veränderungen in den schmerzregulierenden Regionen des Gehirns bewirkt. Placebo-kontrollierte Studien zeigen, dass die Effekte bis zu zwölf Wochen anhalten können.
Weniger operieren, mehr bewegen
Auch in der Orthopädie zeichnet sich ein Umdenken ab. Die sogenannte Fidelity-Studie, veröffentlicht im New England Journal of Medicine (NEJM), hat 146 Teilnehmer zwischen 35 und 65 Jahren an fünf finnischen Krankenhäusern begleitet. Ergebnis: Eine Teilentfernung des Meniskus bei verschleißbedingten Knieschäden führt oft zu schlechteren Ergebnissen als eine Scheinoperation – und beschleunigt sogar die Arthrose. Studienleiter Teppo Järvinen von der Universität Helsinki betont: Physiotherapie sei häufig genauso wirksam wie ein chirurgischer Eingriff, oft sogar besser.
Deutsche Spezialisten schließen sich an. Matthias Hauger, Chefarzt am Klinikum Tuttlingen, plädiert für konservative Maßnahmen wie Radfahren, Schwimmen und Gewichtsreduktion, bevor ein Gelenkersatz in Betracht gezogen wird. Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an Arthrose – jede zweite Frau und jeder dritte Mann über 60 ist betroffen. Ist eine Operation unvermeidbar, ermöglichen „Fast-Track“-Verfahren heute, dass Patienten bereits Stunden nach dem Eingriff wieder gehen können, um Muskelabbau zu verhindern.
Wer Gelenkschmerzen und Muskelschwund effektiv vorbeugen möchte, sollte laut Experten auf gezielte Kräftigung setzen. Dieser kostenlose Ratgeber stellt 6 einfache Übungen vor, die bequem zuhause durchgeführt werden können und dabei helfen, Entzündungsfolgen zu reduzieren. Besser schlafen, weniger Rückenschmerzen, mehr Energie: So gelingt Krafttraining ab 50 ganz einfach
Was die Krankenkassen zahlen
Die Integration natürlicher Therapien schlägt sich zunehmend in den Erstattungsstrukturen der gesetzlichen Krankenversicherungen nieder. Je nach Anbieter werden verschiedene Naturheilverfahren übernommen. Für 2026 bietet die AOK bis zu 500 Euro jährlich, die BKK bis zu 200 Euro und die IKK bis zu 150 Euro. Abgedeckt sind unter anderem Akupunktur, Osteopathie und Phytotherapie.
Der Markt für entzündungshemmende Produkte boomt. Die Preisspanne reicht von etablierten medizinischen Gelen wie Voltaren (ab etwa 21 Euro) bis zu neueren Hanf-basierten Produkten. Verbraucherschützer warnen jedoch: Während die Wirksamkeit von Diclofenac-Gelen bei Gelenkschmerzen wissenschaftlich belegt ist, fehle für manche natürliche Alternativen – etwa bestimmte Hanf-Gele für 27 Euro – derzeit der strenge wissenschaftliche Nachweis.
Ausblick: Was bringt die Zukunft?
Bis Ende 2026 will das „nature4HEALTH“-Projekt in Jena weitere Daten liefern, wie Nanopartikel-Systeme pflanzliche Harze und Vitamine optimal transportieren können. Parallel dazu läuft in Berlin die COPLANT-Studie mit 6.000 Teilnehmern, die langfristig untersucht, wie Ernährung und Phytotherapie als zentrale Werkzeuge im Kampf gegen chronische und neurologische Entzündungen eingesetzt werden können. Die Ergebnisse könnten die Medizin nachhaltig verändern – und den Weg für eine echte Integration von Schul- und Naturheilkunde ebnen.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.
