Natur auf Rezept: Taiwan startet Schlaf-Programm für Millionen
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Taiwan startet am 23. September 2026 eine neue gesundheitspolitische Initiative, die die heilende Wirkung der Natur direkt in den medizinischen Alltag integriert.
Das Forschungsinstitut für Forstwirtschaft (???) hat in Kooperation mit dem Taipei City Hospital (????) und dem Far Eastern Memorial Hospital (????) das Projekt „Botanischer-Garten-Rezept: Karte für Entspannung und guten Schlaf“ (?????:??????) ins Leben gerufen. Das Vorhaben im Botanischen Garten von Taipei ist zunächst bis Ende 2026 befristet.
Natur auf Rezept für neurologische Patienten
Das Programm richtet sich gezielt an Personen, die unter Schlaflosigkeit leiden – ein Problem, das in Taiwan Schätzungen zufolge rund vier Millionen Menschen betrifft.
Patientinnen und Patienten der neurologischen Fachambulanzen der beteiligten Krankenhäuser erhalten nach einer ärztlichen Prüfung der Indikation ein spezielles Rezept. Dieses führt sie mit einer Karte durch den Botanischen Garten, wobei der Fokus auf therapeutischem Gehen und achtsamer Atmung liegt.
Die Initiative ist als sogenanntes soziales Rezept (?????) konzipiert. Es dient als ergänzendes Angebot zur Förderung des Wohlbefindens und ist ausdrücklich nicht als vollständiger Ersatz für eine notwendige medizinische Behandlung gedacht.
Um die Motivation der Teilnehmenden zu steigern, wurde ein Belohnungssystem integriert: Wer die auf den Routen vorgegebenen Aufgaben abschließt, sammelt Punkte, die gegen kleine Geschenke eingetauscht werden können.
Wissenschaftliche Grundlagen und internationale Vernetzung
Das Projekt baut auf Erkenntnissen auf, die das Forschungsinstitut für Forstwirtschaft bereits in den Jahren 2020 bis 2022 gesammelt hat. In diesem Zeitraum wurden Aktivitäten untersucht, die die fünf Sinne im Wald ansprechen. Die 174 Teilnehmenden berichteten von deutlich gesunkenen Werten bei Stress, Depressionen und Angstzuständen.
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Zudem konnten ein stabilisierter Herzschlag und ein regulierter Blutdruck beobachtet werden. Ein Pilotversuch des Botanischen-Garten-Rezepts im Frühjahr des Vorjahres bestätigte diesen Trend: Von 76 ausgefüllten Fragebögen gaben über 70 % der Befragten eine gesteigerte positive Stimmung an.
Der Trend zum „Green Social Prescribing“ – der ärztlichen Vermittlung naturbezogener Maßnahmen bei Stress, Erschöpfung oder Schlafproblemen – gewinnt auch international an Bedeutung.
Fachleute weisen darauf hin, dass Aufenthalte in natürlichen Umgebungen messbare Effekte auf die körperliche und psychische Gesundheit haben können. In Portugal wird derzeit über das Netzwerk Destinature das Projekt PhorestAll koordiniert, das mit einem Budget von über 1 Mio. Euro therapeutische Wälder untersucht.
Zu den Partnern aus fünf Ländern gehört auch Taiwan. Wissenschaftlich begleitet wird dieses Vorhaben vom Centro de Ecologia Funcional der Universität Coimbra, das unter anderem den Einfluss der Biodiversität und von Fitonciden auf Gesundheitsindikatoren erforscht.
Fachliche Einordnung und Marktentwicklungen
Während naturbasierte Ansätze und Präventionsthemen wie Heilwälder und Schlafkuren – etwa am traditionsreichen Standort Bad Wörishofen – an Relevanz gewinnen, steht die medizinische Anwendung pflanzlicher Wirkstoffe vor Herausforderungen.
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Vom 24. bis 26. September findet auf dem PharmaCampus der Universität Münster die Jahrestagung der Gesellschaft für Phytotherapie (GPT) statt. Über 100 Wissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz diskutieren dort über den Einsatz pflanzlicher Präparate bei Depressionen, Schmerzen und allergischen Erkrankungen.
Branchenexperten beobachten eine ambivalente Entwicklung: Während der Markt für pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel ohne Zulassungspflicht rasch wächst, sind phytotherapeutische Arzneimittel in Deutschland bereits seit 2004 weitgehend von der gesetzlichen Kassenerstattung ausgenommen. Es wird davor gewarnt, dass steigende regulatorische Anforderungen der EMA und des BfArM dazu führen könnten, dass klassische Phytopharmaka in den kommenden Jahren zunehmend vom Markt verdrängt werden könnten.
Initiativen wie das soziale Rezept in Taiwan könnten hier neue Wege aufzeigen, wie naturheilkundliche Ansätze ohne rein medikamentöse Fixierung in das Gesundheitssystem integriert werden können.
