Nahrungsergänzung, Vitamin

Nahrungsergänzung: Vitamin A und D können bei Überdosierung vergiften

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 07:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute warnen vor möglichen Organschäden, Nährstoffkonflikten und Vergiftungen durch zu hohe oder kombinierte Präparategaben.
Natürliche Pflanzenextrakte und Kräuter auf einer dunklen Steinoberfläche bei sanftem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Nahrungsergänzungsmittel werden häufig mit dem Versprechen eingenommen, die Vitalität zu steigern. Nach Einschätzung von Prof. Dr. Osman Erk von der Universität Istanbul liefern Vitamine dem Organismus jedoch keine direkte Energie, sondern unterstützen lediglich biochemische Prozesse bei der Energiegewinnung.

Eine unkontrollierte Zufuhr birgt erhebliche Gefahren: Insbesondere eine Überdosierung der fettlöslichen Vitamine A und D kann zu schweren Vergiftungserscheinungen führen.

Fettlösliche und wasserlösliche Substanzen im Vergleich

Prof. Dr. Osman Erk verweist auf insgesamt 13 bekannte Vitamine, die sich grundlegend in zwei Gruppen unterteilen lassen. Wasserlösliche Verbindungen wie die Vitamine der B-Gruppe sowie Vitamin C scheidet der menschliche Körper in der Regel binnen 48 Stunden wieder aus. Fettlösliche Substanzen – namentlich die Vitamine A, D, E und K – werden hingegen im Fettgewebe gespeichert und können kumulieren.

Zwar führen Mangelzustände zu charakteristischen Krankheitsbildern wie Nachtblindheit bei Vitamin A, Anämie bei Vitamin B, Osteoporose und Knochenbrüchen bei Vitamin D oder Gerinnungsstörungen bei Vitamin K. Eine übermäßige Zufuhr birgt jedoch eigene Gefahren: Zu hohe Mengen an Vitamin C können beispielsweise Durchfall und Nierensteine verursachen.

Spezifische Risiken einzelner Nährstoffe

Fachberichte schlüsseln die Symptome einer Hypervitaminose differenziert auf:
- Vitamin A: Eine Überdosierung kann Leberschäden, Kopfschmerzen, Sehstörungen, trockene Haut, Schuppen, Augenschmerzen, Müdigkeit sowie ein Fehlbildungsrisiko in der Schwangerschaft auslösen.
- Vitamin D: Zu hohe Dosen begünstigen eine Hyperkalzämie, die mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Müdigkeit und Nierenschäden einhergehen kann.
- Vitamin E: Die Zufuhr kann die Blutungsneigung verstärken sowie zu Thrombozytopenie, Müdigkeit, Muskelschwäche und Verdauungsproblemen führen.

Dosen von mehr als 1.000 mg täglich stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten Blutungsrisiko, insbesondere in Kombination mit gerinnungshemmenden Medikamenten.
- Vitamin K: Mögliche Folgen umfassen Blutungen, ein erhöhtes Thromboserisiko, Störungen der Leberfunktion sowie Magen-Darm-Beschwerden.
- B-Vitamine: Ein Überschuss an Vitamin B1 kann Nervenentzündungen und Herzprobleme nach sich ziehen.

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Bei Vitamin B3 drohen Hautrötungen, Hypotonie und Leberschäden. Eine Überdosierung von Vitamin B6 kann Nervenschäden und Anämie hervorrufen, während übermäßiges Vitamin B12 Magen-Darm-Beschwerden, Nervenprobleme und Anämie verursachen kann.

Wechselwirkungen und Risiken im Kindesalter

Neben Vitaminen erfordern auch hochdosierte Mineralstoffe Vorsicht. Die Ernährungsmedizinerin Bettina Boetticher erläutert, dass Substanzen wie Calcium, Magnesium und Eisen ihre Aufnahme gegenseitig beeinflussen können. So vermindere Calcium die Verwertung von Eisen, da beide Stoffe denselben Transporter im Dünndarm nutzen. Die langfristige Einnahme von Zink berge zudem das Risiko für einen Eisen- oder Kupfermangel.

Besondere Vorsicht gilt bei Kindern. Prof. Wojciech Feleszko mahnt, dass Vitamine toxisch wirken können. Eine US-Analyse zu stationären Aufnahmen von Kindern aufgrund toxischer Wirkungen von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten zeigte demnach, dass 56 Prozent der Fälle auf eine gezielte Verabreichung der Präparate zurückzuführen waren. Er warnt davor, mehrere Mittel mit denselben Inhaltsstoffen zu kombinieren.

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Auch die Biochemikerin Donatella Verbanac hebt hervor, dass rezeptfreie Präparate keineswegs harmlos seien. Speziell sogenannte Vitaminbonbons, die Süßigkeiten ähneln, müssten strikt außerhalb der Reichweite kleiner Kinder aufbewahrt und ausschließlich in der empfohlenen Dosis verabreicht werden.

Fachliche Einordnung und Prävention

Die Nährstoffberaterin Irina Gluschak nennt eine tägliche Vitamin-D-Dosis von 1200 bis 2000 IE als Richtwert und betont, dass höhere Gaben sowie Stoffe mit kumulativer Wirkung nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen sollten.

Auch Assoc. Prof. Dr. Hüray Hügül von der Universität Istanbul-Cerrahpa?a rät zu einer Einnahme nur nach medizinischer Empfehlung, da Überdosierungen Nieren und Leber schädigen können.

Wie die Verbraucherzentrale klarstellt, benötigen gesunde Menschen derartige Präparate in den meisten Fällen nicht. Zudem überwacht die US-Arzneimittelbehörde FDA Nahrungsergänzungsmittel laut Herstellerangaben nicht streng auf Reinheit und Qualität.

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