Nahrungsergänzung, Senioren

Nahrungsergänzung bei Senioren: Vitamin D und Omega-3 fördern kognitiven Abbau

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 08:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien relativieren den Nutzen vieler Supplements für Senioren: Einige Präparate bleiben wirkungslos, andere können Nebenwirkungen oder Risiken bergen.

Nahrungsergänzung im Alter: Studien zeigen Nutzen und Risiken
Ein Glas Wasser steht in hellem, natürlichem Licht auf einer schlichten Holzoberfläche in einem ruhigen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Berichte von Mitte September 2026 werfen grundlegende Fragen zur Wirksamkeit und Sicherheit populärer Nahrungsergänzungsmittel bei Senioren auf. Während viele Präparate bei jüngeren Menschen positive Effekte zeigen können, deuten neue Studien darauf hin, dass die Resultate in höheren Altersgruppen oft deutlich geringer ausfallen oder sogar mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein können.

Kognitiver Abbau trotz Supplementierung

Beobachtungsstudien zur kognitiven Gesundheit liefern derzeit kritische Hinweise. Laut Berichten vom 15. September 2026 zeigte eine Untersuchung an 5.065 US-Amerikanern mit einem Durchschnittsalter von 67,5 Jahren (Health and Retirement Study), dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten über einen Zeitraum von sechs Jahren mit einem leicht schnelleren kognitiven Abbau einherging. Dieser Effekt wurde primär bei Personen beobachtet, die bereits über normale Vitamin-D-Werte verfügten.

Ähnliche Tendenzen zeigten sich in Daten der Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative: Bei 273 Nutzern von Omega-3-Präparaten im Alter zwischen 55 und 90 Jahren wurde nach durchschnittlich fünf Jahren ein schnellerer kognitiver Verfall im Vergleich zu 546 Nichtnutzern festgestellt.

Zudem weisen Berichte darauf hin, dass die Einnahme von Glucosamin mit einem häufigeren Übergang von leichter kognitiver Beeinträchtigung zu einer Demenzerkrankung binnen fünf Jahren korrelieren könnte.

Die sogenannte PreventE4-Studie der USC untersuchte zudem die Wirkung von 2.000 mg DHA pro Tag bei 365 Erwachsenen im Alter von 55 bis 80 Jahren über 24 Monate.

Zwar stiegen die DHA-Werte im Liquor um 17 % und der Omega-3-Index in den Erythrozyten von 4,9 % auf 11,0 % an, jedoch konnten keine signifikanten Unterschiede bei der Kognition oder dem Hirnvolumen im Vergleich zur Placebogruppe festgestellt werden.

Forschung zu Anti-Aging-Wirkstoffen

Auch bei sogenannten Longevity-Supplements bleibt die Studienlage unklar. Während eine Science-Studie aus dem Jahr 2023 bei Mäusen eine lebensverlängernde Wirkung durch Taurin nachwies, fanden Forscher im Jahr 2025 beim Menschen keine altersbedingte Abnahme der Taurinwerte.

Ähnliches gilt für NAD+-Vorstufen wie NR und NMN: Eine Übersichtsarbeit von 2026 bestätigt zwar die Erhöhung der NAD+-Werte, belegt jedoch keine gesundheitlichen oder lebensverlängernden Effekte.

Bei Spermidin konnte in einer randomisierten Studie mit 100 älteren Erwachsenen nach einem Jahr kein eindeutiger Gedächtnisvorteil nachgewiesen werden. Auch für Resveratrol fehlen laut einer Analyse von 45 systematischen Reviews Belege für eine Lebensverlängerung beim Menschen, wenngleich Hinweise auf positive Effekte bei Stoffwechselmarkern existieren.

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Kollagen und Arthrose: Linderung statt Heilung

Ein Umbrella-Review vom Januar 2026, der 113 randomisierte Studien umfasste, untersuchte die Wirkung von Kollagen. Demnach kann hydrolysiertes Kollagen (oft in einer Dosierung von 5–10 g/Tag über mindestens 8 bis 12 Wochen) bei leichter bis mittelgradiger Arthrose, insbesondere im Knie, Schmerzen und Gelenksteifigkeit moderat lindern. Es gibt jedoch keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass Kollagen Knorpelgewebe wieder aufbaut. Fachleute betonen, dass Krafttraining weiterhin die wichtigste Maßnahme bleibe.

Warnungen vor Überdosierung und Nebenwirkungen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veröffentlichte im August 2026 eine Mitteilung zu Beta-Alanin. Diese Nahrungsergänzungsmittel können Parästhesien wie Kribbeln oder Brennen auslösen. Das Institut rät Menschen über 65 Jahren sowie Schwangeren und Kindern von der Einnahme ab.

Bei Vitamin B12 ergab eine Untersuchung von Öko-Test, dass viele Präparate deutlich überdosiert sind. Nur 4 von 29 getesteten Produkten wurden als Arzneimittel eingestuft, die einen bestehenden Mangel tatsächlich ausgleichen können. Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 25 µg Vitamin B12 pro Tag, während der Tagesbedarf bei rund 4 µg liegt.

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Bezüglich Lithiumorotat weisen Fachleute darauf hin, dass Wirkung und Langzeitfolgen in niedrigen Dosierungen unzureichend erforscht sind. Eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2024 konnte keinen kausalen Zusammenhang zwischen Lithiumwerten im Trinkwasser und Suizidraten belegen. Obwohl eine Nature-Studie vom August 2025 im Tierversuch ein Verschwinden von Alzheimer-Plaques durch Lithiumorotat zeigte, fehlen entsprechende Belege für den Menschen.

Trendprodukte: Probiotika und Proteinbedarf

In den USA hat sich der Anteil der Erwachsenen, die Probiotika einnehmen, zwischen 2009 und 2023 fast vervierfacht. Wissenschaftlich ist ein Nutzen jedoch lediglich für drei spezifische Stämme von Milchsäurebakterien bei Laktoseintoleranz nachgewiesen.

Hinsichtlich der Proteinzufuhr liegt die Empfehlung für Ältere bei 1,0 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Für eine optimale Muskelproteinsynthese werden 20 bis 30 g Protein pro Mahlzeit empfohlen, gleichmäßig über den Tag verteilt. In Österreich liegt der Durchschnitt der Proteinzufuhr bereits über den offiziellen Empfehlungen.

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