Nahrungsergänzung: 20 Prozent der Jugendlichen nehmen täglich Präparate
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 23:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich in Deutschland anhaltend großer Beliebtheit. Laut einer Umfrage von Statista greifen etwa drei von vier Bundesbürgern zu entsprechenden Präparaten.
Auch die Produktion verzeichnete zuletzt ein deutliches Wachstum: Im Jahr 2024 wurden in Deutschland Nahrungsergänzungsmittel im Gesamtwert von 1,9 Milliarden Euro hergestellt, was einem Zuwachs von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2023 entspricht. Parallel zu dieser Marktentwicklung wächst jedoch die Kritik an den Methoden, mit denen viele dieser Produkte in sozialen Netzwerken beworben werden.
Verbraucherschützer und Organisationen wie Foodwatch bemängeln, dass online vermehrt wissenschaftlich nicht belegte und teils gefährliche Gesundheitsversprechen verbreitet werden.
Nach der europäischen Health-Claims-Verordnung sind solche Angaben strikt reglementiert und ohne entsprechende Zulassung verboten. Dennoch schreiten die zuständigen Kontrollbehörden laut entsprechenden Berichten offenbar nur in Ausnahmefällen ein, was den Markt für aggressive Werbestrategien anfällig macht.
Juristische Auseinandersetzungen um Werbeaussagen
Die Diskrepanz zwischen Werbeversprechen und Rechtslage führt zunehmend zu juristischen Schritten durch Nichtregierungsorganisationen. Foodwatch erwirkte bereits gerichtlich das Verbot unzulässiger Abnehmversprechen und mahnte zudem das Unternehmen TQG wegen Werbeaussagen zu Ashwagandha ab.
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Ein weiteres Beispiel für die anhaltenden Konflikte ist die Marke More Nutrition. Das Unternehmen verzeichnet trotz mehrerer juristischer Niederlagen weiterhin hohe Absätze. Verbraucherschützer konnten vor Gericht Erfolge gegen unzulässige Erfolgsgeschichten im Internet erzielen, und auch Behörden leiteten rechtliche Schritte gegen irreführende Werbebehauptungen ein.
Kritiker verweisen auf eine aggressive Vermarktung und unbelegte Heilsversprechen. Öffentliche Kampagnen der Unternehmensführung gegen Kritiker sowie daraus resultierende Auseinandersetzungen trügen nach Einschätzung von Branchenbeobachtern letztlich dazu bei, Reichweite und Verkäufe zu steigern.
Medizinische Risiken und unrealistische Heilsversprechen
Aus medizinischer Sicht birgt die unregulierte Einnahme von Präparaten erhebliche Gefahren. Der Facharzt für Lipödeme Christian Schmitz warnt etwa vor Aussagen in sozialen Medien, die Betroffenen eine Heilung von Lipödemen durch Diäten, Detox-Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel in Aussicht stellen. Es existiere kein Supplement, das in der Lage sei, Lipödemfett abzubauen.
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Während gezielte Ergänzungen bei einem ärztlich nachgewiesenen Nährstoffmangel möglich seien, fehle Detox-Präparaten die wissenschaftliche Basis. Zwar könne Kompression Beschwerden lindern sowie Bewegung und Ernährung den Verlauf unterstützen, eine Heilung bewirken sie jedoch nicht; bei unzureichendem Ansprechen konservativer Maßnahmen bleibe eine Liposuktion als Option.
Das Zusammentreffen von Gesundheitsratschlägen mit persönlichen Rabattcodes bezeichnet der Mediziner als deutliches Warnsignal für vordergründige Verkaufsinteressen.
Häufiger Einsatz bereits im Kindesalter
Die Ausbreitung von Nahrungsergänzungsmitteln betrifft längst nicht mehr nur Erwachsene. Wissenschaftliche Erhebungen verdeutlichen das Ausmaß des Konsums bei jüngeren Zielgruppen: Der DONALD-Studie zufolge erhalten zehn Prozent der Kinder täglich mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel.
Daten der EsKiMo-Studie belegen zudem, dass dies für jedes zwölfte Kind im Alter von sechs bis elf Jahren und rund 20 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren gilt.
Fachleute weisen darauf hin, dass diese Produkte in den meisten Fällen unnötig sind und gesundheitliche Risiken mit sich bringen können. Bei dauerhafter oder unkontrollierter Einnahme drohen Überdosierungen. Mediziner und Beratungsstellen raten daher grundsätzlich dazu, den Nährstoffbedarf primär über eine ausgewogene Ernährung zu decken und vor der Einnahme von Präparaten stets eine individuelle ärztliche Abklärung vorzunehmen.
