Muskelschwund, Schwefelverbindung

Muskelschwund: Schwefelverbindung reaktiviert Stammzellen im Alter

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forscher der Kyushu-Universität entdecken, wie Liponsäure-Trisulfid die Muskelregeneration fördert und Atrophie verlangsamt.

Kyushu-Studie: Schwefelverbindung LASSS gegen Muskelschwund
Mikroskopische Aufnahme von menschlichen Muskelfasern in einer Laborumgebung zur Veranschaulichung zellulärer Prozesse. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wissenschaftliche Analysen zur Erhaltung der Muskelfunktion im Alter oder bei längerer Inaktivität rücken zunehmend biochemische Prozesse auf Proteinebene in den Fokus. Aktuelle Forschungsergebnisse der japanischen Kyushu-Universität beschreiben nun einen Mechanismus, mit dem eine spezifische Schwefelverbindung den krankheits- oder altersbedingten Muskelschwund verlangsamen könnte. Im Zentrum der Untersuchungen steht das Molekül Liponsäure-Trisulfid, kurz LASSS, welches die biologische Aktivität von Muskelstammzellen maßgeblich beeinflusst.

Der molekulare Mechanismus der Protein-Reaktivierung

Ein entscheidender Faktor für die Regeneration von Muskelgewebe ist das Protein HGF (Hepatocyte Growth Factor). Dieses Protein ist dafür verantwortlich, ruhende Muskelstammzellen zu aktivieren, damit diese neues Gewebe bilden können. In einem Zustand der Inaktivität oder durch oxidative Belastungen kommt es jedoch häufig zu einer sogenannten Nitrierung des HGF-Proteins. Dabei lagern sich Stickstoffverbindungen an das Protein an, was dessen Funktion einschränkt.

Das Forschungsteam der Kyushu-Universität unter der Leitung von Ryuichi Tatsumi identifizierte im Juli 2026 die Schwefelverbindung LASSS als effektives Mittel gegen diesen Prozess. Die Analysen zeigen, dass LASSS die Nitrierung des HGF-Proteins an den spezifischen Positionen Y198 und Y250 unterdrückt. Durch diese Unterdrückung bleibt die Struktur des Proteins stabil, beziehungsweise bereits inaktives HGF kann reaktiviert werden. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass das Protein seine Aufgabe in der Signalübertragung innerhalb des Muskelgewebes wieder wahrnehmen kann.

Steigerung der Bindungsaffinität am Rezeptor

Die Effizienz der Muskelregeneration hängt maßgeblich davon ab, wie gut das HGF-Protein an den dazugehörigen Rezeptor, den sogenannten c-Met-Rezeptor, binden kann. Die Untersuchungen des Forschungsteams, die Ende Juli 2026 bekannt wurden, belegen eine signifikante Steigerung dieser Bindungsfähigkeit durch den Einsatz von LASSS.

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Den Daten zufolge führt ein molares Verhältnis von 1:8000 (LASSS zu HGF) dazu, dass sich die Bindungsaffinität von HGF an den c-Met-Rezeptor mehr als verdoppelt. Dieser Befund deutet darauf hin, dass die Schwefelverbindung nicht nur einen Schutz vor Inaktivierung bietet, sondern die Wirksamkeit des vorhandenen Proteins aktiv optimiert. Für die medizinische Forschung ist diese quantitative Steigerung ein wichtiger Indikator für das therapeutische Potenzial der Verbindung bei der Behandlung von Atrophien.

Validierung durch In-vivo-Untersuchungen

Um die im Labor beobachteten Effekte zu verifizieren, führte das Forschungsteam der Kyushu-Universität Versuche an lebenden Organismen durch. Hierbei wurden Mäuse mit einer Inaktivitätsatrophie untersucht – ein Zustand, der durch mangelnde Bewegung zu einem schnellen Abbau von Muskelmasse führt.

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Die Forscher konnten nachweisen, dass die Gabe von LASSS die Nitrierungsprozesse im Muskelgewebe der Tiere reduzierte. In der Folge zeigte sich ein deutlicher Schutz vor der fortschreitenden Muskelatrophie. Diese Ergebnisse unterstreichen die potenzielle Übertragbarkeit der molekularen Effekte auf komplexe biologische Systeme und könnten die Grundlage für künftige Therapieansätze bei bettlägerigen Patienten oder im Rahmen der Altersmedizin bilden.

Die detaillierte Studie wurde am 27. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Scientific Reports unter der DOI 10.1038/s41598-026-60835-w veröffentlicht. Die darin beschriebenen Erkenntnisse über Liponsäure-Trisulfid markieren einen Fortschritt in der Erforschung der Muskelphysiologie und der gezielten Manipulation von Protein-Rezeptor-Interaktionen durch Schwefelverbindungen.

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