Muskelschwund, Adipositas

Muskelschwund bei Adipositas: Kombination senkt Verlust um 55%

12.06.2026 - 18:10:37 | boerse-global.de

Großbritannien genehmigt orales Semaglutid zur Gewichtsreduktion. Neue Studien zeigen Muskelerhalt durch Kombinationstherapie.

Britische Zulassung: Erste Semaglutid-Tablette gegen Übergewicht
Muskelschwund - Eine Nahaufnahme einer weißen, runden Tablette auf einer sauberen Oberfläche, mit angedeuteten Muskelstrukturen im Hintergrund. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat im Juni 2026 eine Tablette auf Semaglutid-Basis zur Gewichtsreduktion zugelassen. Großbritannien ist damit das erste Land in Europa, das eine tägliche orale Alternative zu den bisher üblichen wöchentlichen Spritzen ermöglicht. In den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten war das Präparat bereits verfügbar.

Die Zahlen der Zulassungsstudie

Die Entscheidung stützt sich auf die Phase-3-Studie OASIS-4 mit 307 Erwachsenen. Bei täglicher Einnahme von 25 mg Semaglutid verloren die Probanden nach 64 Wochen durchschnittlich 13,6 Prozent ihres Gewichts. In der Placebo-Gruppe waren es nur 2,4 Prozent. Allerdings klagten 74 Prozent der Teilnehmer über gastrointestinale Nebenwirkungen.

Anzeige

Ab 50 verliert der Körper jedes Jahr Muskelmasse – dieser stille Prozess macht viele krank. Ein Experte zeigt 6 einfache Übungen, die Sie von zuhause aus dagegen tun können – ganz ohne Geräte. Kostenlosen PDF-Ratgeber mit 6 Übungen sichern

Branchenkenner rechnen damit, dass das Medikament binnen Wochen auf Privatrezept erhältlich sein wird. Ob der britische Gesundheitsdienst NHS die Kosten übernimmt, entscheidet eine noch ausstehende Bewertung durch das NICE-Institut. Bereits 2025 nutzten rund 2,4 Millionen Briten GLP-1-Präparate – nur ein Bruchteil davon auf Kosten der Staatskasse.

Muskelschwund: Neue Kombinationstherapie zeigt Erfolge

Ein großes Problem der hochwirksamen Adipositas-Medikamente: Sie lassen nicht nur Fett, sondern auch Muskeln schwinden. Eine im Juni 2026 in Nature Medicine veröffentlichte Studie liefert nun vielversprechende Daten.

In der Phase-II-Studie EMBRAZE kombinierten Forscher den Myostatin-Inhibitor Apitegromab (Scholar Rock) mit dem GLP-1-Wirkstoff Tirzepatid. Das Ergebnis bei 102 Teilnehmern: Die Gruppe mit der Kombination verlor nur 1,6 Kilogramm Magermasse, die Placebo-Gruppe dagegen 3,5 Kilogramm – ein um 55 Prozent höherer Verlust.

Der Gesamtgewichtsverlust blieb mit 11,2 beziehungsweise 12,5 Kilogramm vergleichbar. Fachleute bewerten den Muskelerhalt als wichtigen Fortschritt. Allerdings müssen großangelegte Phase-III-Studien die Sicherheit der Kombination erst noch bestätigen.

Anzeige

Wer gezielt gegen den Verlust von Muskelmasse vorgehen möchte, findet in diesem Leitfaden eine effiziente Lösung für den Alltag. Erfahren Sie, wie Sie mit minimalem Aufwand maximale Ergebnisse beim Muskelaufbau erzielen. Gratis-Ratgeber: 17 Übungen für zuhause

Non-Responder und die Rückkehr zum Ausgangsgewicht

Trotz aller Erfolge: Im klinischen Alltag wirken die Präparate längst nicht bei jedem. Schätzungen zufolge sprechen 10 bis 30 Prozent der Patienten nicht ausreichend an. Eine Analyse der NYU Langone Health mit über 38.000 Patienten ermittelte einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von nur 5,7 Prozent – weit entfernt von den Ergebnissen kontrollierter Studien.

Genetische Untersuchungen deuten auf die Bedeutung der PAM-Genvariante hin, die die Reaktion auf GLP-1-Medikamente abschwächen kann. Die Abbruchrate liegt bei rund 17 Prozent, meist wegen Nebenwirkungen. Und eine Oxford-Analyse zeigt: Viele Patienten kehren nach dem Absetzen zu ihrem Ausgangsgewicht zurück.

Novo Nordisk meldet IT-Sicherheitsvorfall

Parallel zu den medizinischen Entwicklungen kämpft Marktführer Novo Nordisk mit operationellen Problemen. Im Juni 2026 erlangten Unbefugte Zugriff auf interne Systeme und kopierten personenbezogene Daten von Patienten aus klinischen Studien. Das Unternehmen betont, das Kerngeschäft sei nicht beeinträchtigt.

Der Wettlauf um die Pille

Analysten schätzen den Markt für Adipositas-Medikamente bis 2030 auf über 100 Milliarden US-Dollar, einige Prognosen reichen sogar bis 150 Milliarden. Der Wettbewerb um orale Darreichungsformen verschärft sich rasant.

Eli Lilly erhielt bereits im April 2026 die Zulassung für sein orales Präparat Orforglipron (Foundayo). AstraZeneca, Roche und Viking Therapeutics befinden sich in verschiedenen klinischen Phasen. Pfizer unterstrich seine Ambitionen mit der 10-Milliarden-Dollar-Übernahme von Metsera.

Die weitere Marktentwicklung hängt maßgeblich von der Preisgestaltung ab. In den USA planen erste Arbeitgeber für 2027 ein Ende der pauschalen Kostenübernahme für GLP-1-Therapien. Der Druck auf die Hersteller steigt, die klinische Überlegenheit und langfristige Kosteneffizienz ihrer Produkte nachzuweisen.

de | wissenschaft | 69528886 |