Muskelkraft senkt Sterberisiko um 12%: Was Langlebigkeit bedeutet
10.06.2026 - 15:06:51 | boerse-global.de
Besonders Muskelmasse und Gelenkgesundheit spielen eine zentrale Rolle für Lebenserwartung und Lebensqualität.
Wissenschaftler identifizieren zwölf grundlegende biologische Prozesse, die sogenannten „Hallmarks of Aging“. Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement können diese Prozesse positiv beeinflussen.
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Studie belegt: Muskelkraft senkt Sterberisiko
Eine aktuelle Untersuchung in der Fachzeitschrift JAMA Network Open zeigt den Zusammenhang zwischen körperlicher Kraft und Langlebigkeit. Die Studie begleitete 5.472 Frauen zwischen 63 und 99 Jahren über mehr als acht Jahre.
Das Ergebnis: Höhere Muskelkraft – gemessen durch Griffkraft und den Chair-Stand-Test – war mit einer signifikant geringeren Sterblichkeit verbunden. Eine Steigerung der Griffkraft um eine Standardabweichung senkte das Sterberisiko um zwölf Prozent.
Bemerkenswert: Dieser Effekt trat unabhängig vom allgemeinen Aktivitätsniveau oder der kardiorespiratorischen Fitness auf.
Krafttraining ab 40: So bleiben Muskeln erhalten
Der natürliche Muskelabbau beginnt bereits im vierten Lebensjahrzehnt und beschleunigt sich ab 50. Fitnesstrainerin Alina Bock empfiehlt daher schon ab 40 ein gezieltes Ganzkörper-Krafttraining.
Übungen wie Kniebeugen und Kreuzheben sind besonders effektiv, um den hormonell bedingten Rückgang der Muskelmasse zu bremsen. Dazu kommt die richtige Ernährung: Empfohlen werden mindestens 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht täglich.
Die Universität Burgos untersuchte zudem die Wirkung einer Kombination aus Kreatin und dem Leucin-Metaboliten HMB bei Senioren in Pflegeheimen. Ziel war es, Sarkopenie und Gebrechlichkeit entgegenzuwirken.
Sanfte Bewegung bei Arthrose
Bei bestehender Arthrose rücken schonendere Bewegungsformen in den Fokus. Experten empfehlen Yoga oder Gymnastik, um den Gelenkverschleiß zu stabilisieren.
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Eine Untersuchung der Anglia Ruskin University im Aesthetic Surgery Journal Open Forum zeigt: Eine Supplementierung mit Kollagen kann sowohl die Muskelmasse unterstützen als auch Arthrose-Symptome lindern.
Neue Medikamente gegen Muskelverlust
In der Pharmaforschung zeichnen sich vielversprechende Ansätze ab. Eine Phase-2-Studie in Nature Medicine untersuchte den Antikörper Apitegromab. Dieser Myostatin-Inhibitor soll den Muskelabbau begrenzen, der als Nebenwirkung von Abnehmspritzen wie Tirzepatid auftritt.
Die Ergebnisse nach 24 Wochen: In der Apitegromab-Gruppe betrug der Verlust an Magermasse 1,6 Kilogramm, in der Placebo-Gruppe 3,5 Kilogramm.
Allerdings zeigt eine Wiener Studie vom Mai 2026, dass der Muskelverlust unter GLP-1-Medikamenten oft geringer ausfällt als befürchtet. Bei den meisten Patienten blieb die relative Muskelmasse stabil.
Cannabis-Extrakt gegen chronische Schmerzen
Für Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen gibt es eine neue Option. Das Unternehmen Vertanical bringt ab September 2026 mit Exilby® einen Cannabis-Vollspektrum-Extrakt auf den deutschen und österreichischen Markt.
Phase-3-Studien in Nature Medicine belegen eine signifikante Schmerzreduktion bei guter Verträglichkeit. Anders als Opioide birgt das Mittel kein Abhängigkeitsrisiko.
Supplemente: Was wirklich hilft
Eine Metaanalyse im BMJ zeigt: Weder Calcium noch Vitamin D allein schützen ausreichend vor Frakturen. In Kombination senken sie jedoch das Risiko für Hüftfrakturen um 16 Prozent und für Gesamtfrakturen um neun Prozent.
Dr. Friederike Thomasius vom Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrum betont: Eine Supplementierung ist vor allem bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll. In Deutschland nehmen Bürger im Schnitt nur 500 Milligramm Calcium täglich zu sich – die Empfehlung liegt bei 1.000 Milligramm.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist zudem darauf hin, dass über die Hälfte der über 65-Jährigen einen Vitamin-D-Mangel hat. Empfohlen werden 800 IE täglich.
Neue Präparate und kritische Einordnung
Im Juni 2026 drängen neue Gelenkpräparate mit Inhaltsstoffen wie Glucosamin, Hyaluronsäure und MSM auf den Markt. Pharmazeutische Expertin Prof. Dr. Mona Tawab mahnt zur Differenzierung zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und zugelassenen Arzneimitteln. Sie rät zur vorherigen Kontrolle der Blutwerte.
Neue Forschungsansätze in Nature Communications untersuchen zudem die Calcium-Signalisierung als potenziellen Ansatzpunkt, um biologische Alterungsprozesse direkt zu beeinflussen.
