Muskelkraft, Handgreifstärke

Muskelkraft: Handgreifstärke senkt Sterberisiko um 12%

04.06.2026 - 00:39:11 | boerse-global.de

Kraft- und Gleichgewichtstraining senkt Sterberisiko bei Senioren deutlich. Schweizer Krankenkasse fördert Sturzprävention.

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Neue Studien und eine Schweizer Gesundheitsreform rücken die Bedeutung von Bewegung für Senioren in den Fokus. Krafttraining und Gleichgewichtsübungen senken nachweislich das Sterberisiko – und das oft wirksamer als jede Pille.

Ab dem 1. Juli 2026 übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) in der Schweiz die Kosten für präventive physiotherapeutische Leistungen zur Sturzprävention bei älteren Menschen. Die aktualisierte Regelung nach Art. 5 KLV beauftragt Physiotherapeuten mit der systematischen Identifikation und Behandlung von Risikopatienten. Das Programm orientiert sich an bewährten Konzepten wie „StoppSturz“ und der Rheumaliga Schweiz. Um die Umsetzung zu erleichtern, haben Berufsverbände für den 22. Juni und 17. August 2026 Einführungswebinare angesetzt, in denen die systematische Erfassung von Mobilität und Stabilität geschult wird.

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Muskelkraft als Überlebensfaktor

Eine am 3. Juni 2026 im Fachblatt JAMA Network Open veröffentlichte Studie belegt den direkten Zusammenhang zwischen Muskelkraft und Überlebenschancen bei älteren Frauen. Die Forscher begleiteten 5.472 Frauen im Alter zwischen 63 und 99 Jahren – im Schnitt 78,7 Jahre alt – über einen Zeitraum von 8,3 Jahren. Das Ergebnis: Eine höhere Muskelkraft, gemessen an der Handgreifkraft, senkte das Sterberisiko um zwölf Prozent.

Bemerkenswert: Dieser Zusammenhang blieb selbst dann signifikant, wenn die Forscher die allgemeine körperliche Aktivität, die Sitzzeit oder Entzündungswerte der Teilnehmerinnen berücksichtigten. Während des Studienzeitraums starben 1.964 Frauen – doch jene mit einer Kraftleistung, die eine Standardabweichung über dem Durchschnitt lag, zeigten durchweg höhere Überlebensraten. Die Ergebnisse untermauern, was Mediziner seit langem betonen: Sarkopenie – der altersbedingte Muskelabbau – beginnt bereits ab dem 30. Lebensjahr und beschleunigt sich nach 50 deutlich.

Ausdauer schlägt Pillen

Ein am selben Tag von Harvard Health Publishing veröffentlichter Report mit dem Titel „Pathways to Longevity“ identifiziert die kardiorespiratorische Fitness als den besten Einzelindikator für die Lebenserwartung. Die Experten betonen: Regelmäßige Bewegung – bestehend aus Kraft-, Ausdauer- und Gleichgewichtsübungen – bringt klare Vorteile für ein langes Leben. Konkret empfehlen sie mindestens 7.000 Schritte pro Tag, um die Lebenserwartung um 50 bis 70 Prozent zu steigern.

Die Harvard-Analyse widmet sich auch dem wachsenden Hype um sogenannte „Langlebigkeitsmedikamente“ und Nahrungsergänzungsmittel. Das Fazit fällt ernüchternd aus: Bislang gibt es keine Belege dafür, dass Substanzen wie Rapamycin, Metformin, GLP-1-Agonisten oder diverse Nahrungsergänzungsmittel beim Menschen lebensverlängernd wirken. Stattdessen bleibt Bewegung der entscheidende Faktor. Einige Experten weisen zudem darauf hin, dass Rückschlagsportarten besonders effektiv für die Langlebigkeit sind.

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Die ideale Kombination: Eiweiß plus Training

Eine Metaanalyse, die am 3. Juni 2026 im Journal Nutrients erschien, wertete 235 randomisierte kontrollierte Studien aus, um die wirksamsten Methoden zum Erhalt der Muskelmasse im Alter zu identifizieren. Das Ergebnis: Die Kombination aus Molkenprotein und Krafttraining ist die effektivste Intervention zur Verbesserung von Muskelmasse und Beinkraft.

Die Forscher erklären, dass Molkenprotein aufgrund seines hohen Leucingehalts besonders gut geeignet ist, die sogenannte „anabole Resistenz“ älteren Menschen zu überwinden. In Verbindung mit einem Mehrkomponenten-Training – das Kraft, Ausdauer und Gleichgewicht umfasst – verbessert dieser Ernährungsansatz die Mobilität insgesamt erheblich.

Früh übt sich: Bewegung beginnt im jungen Erwachsenenalter

Eine am 3. Juni 2026 in Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Studie der Universität Leipzig legt nahe, dass die Grundlagen für gesundes Altern früh gelegt werden müssen. Die Auswertung von Daten aus der NAKO-Studie mit 150.000 Teilnehmern zeigt: Risikofaktoren für Demenz wie Bewegungsmangel und Rauchen sind bereits bei Erwachsenen zwischen 20 und 39 Jahren mit schlechteren kognitiven Leistungen verbunden.

Um diesen Risiken entgegenzuwirken, setzen verschiedene Gemeinschaftsinitiativen auf Bewegung im sozialen Umfeld:

  • Walking Football: Am 6. Juni 2026 findet in Nürnberg eine „Laufverbots“-Version des Fußballs für Senioren ab 55 Jahren statt. Anmeldeschluss ist der 4. Juni 2026.
  • Therapeutisches Tanzen: Das Bamberger Seniorenbüro lädt am 10. Juni 2026 zu einer Seniorentanzveranstaltung ein. Tanzen trainiert nachweislich sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch die kognitiven Fähigkeiten.
  • GLP-1 und Kniegelenke: Eine US-Kohortenstudie aus dem Zeitraum 2010 bis 2024 deutet darauf hin, dass Medikamente wie Semaglutid und Tirzepatid das Risiko einer Kniegelenkersatzoperation bei Patienten mit Arthrose um bis zu fünf Prozentpunkte senken könnten – möglicherweise aufgrund entzündungshemmender Effekte.

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