Muskelkraft: 12 Prozent niedrigeres Sterberisiko bei Frauen
10.06.2026 - 18:14:46 | boerse-global.de
Die medizinische Forschung entdeckt sie zunehmend als aktives endokrines Organ, das bei Belastung hunderte Botenstoffe produziert. Diese sogenannten Myokine regulieren nicht nur den Stoffwechsel, sondern wirken auch präventiv gegen chronische Entzündungen und altersbedingte Erkrankungen.
Die Kraft der 600 Botenstoffe
Bei körperlicher Belastung setzt die Muskulatur rund 600 verschiedene Myokine frei. Sie gelangen über die Blutbahn zu verschiedenen Zielorganen. Gezieltes Training kann den Myokinspiegel im Blut um das Hundertfache steigern. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel stabilisiert sich, der gesamte Stoffwechsel verbessert sich.
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Besonders wichtig ist die entzündungshemmende Wirkung dieser Stoffe. Sie wirken als Gegenspieler zu entzündungsfördernden Botenstoffen, die bei Übergewicht oder Diabetes vermehrt auftreten. Zudem beeinflussen Myokine die Muskel-Gehirn-Achse positiv – mit Auswirkungen auf Stimmung und kognitive Leistungsfähigkeit.
Muskelkraft senkt Sterberisiko bei Frauen
Eine Studie im Fachjournal JAMA Network Open zeigt: Starke Muskeln bedeuten ein längeres Leben. Forscher beobachteten 5.472 Frauen zwischen 63 und 99 Jahren über durchschnittlich 8,3 Jahre. Gemessen wurden die Handgriffkraft und der sogenannte Chair-Stand-Test.
Das Ergebnis: Eine höhere Griffkraft um eine Standardabweichung war mit einer etwa 12 Prozent niedrigeren Sterblichkeit verbunden. Dieser Zusammenhang blieb auch dann bestehen, wenn Faktoren wie allgemeine körperliche Aktivität, Sitzdauer oder Entzündungsmarker berücksichtigt wurden. Die Kraftkomponente hat demnach eine eigenständige Bedeutung für Belastbarkeit und Regeneration im hohen Alter.
Abnehm-Medikamente: Weniger Muskelschwund als befürchtet
Auf dem Europäischen Adipositaskongress in Istanbul stellte eine Wiener Studie (2022-2025) neue Daten vor. 486 Patienten nahmen mit GLP-1-Präparaten wie Semaglutid oder Tirzepatid durchschnittlich 10 Prozent ihres Körpergewichts ab. Die gute Nachricht: Der Gewichtsverlust entfiel primär auf die Fettmasse (ca. 9 kg), die Muskelmasse sank nur um etwa 1,2 kg.
Bei über 70 Prozent der Teilnehmenden blieb die relative Muskelmasse stabil oder stieg sogar an. Dennoch empfehlen Fachleute begleitendes Krafttraining und eine Eiweißzufuhr von 1 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm Zielgewicht.
Eine Phase-2-Studie in Nature Medicine untersuchte zudem den Myostatin-Inhibitor Apitegromab. Der Wirkstoff könnte künftig den Muskelverlust unter Tirzepatid-Therapie weiter minimieren. Vorsicht ist dagegen bei Rapamycin geboten: Die RAPA-EX-01-Studie vom April 2026 zeigte, dass die Placebo-Gruppe bessere Fortschritte bei Kraft und Muskelmasse erzielte. Rapamycin hemmt offenbar den für die Muskelanpassung notwendigen mTOR-Signalweg.
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Neue Wege in Schmerztherapie und Neurologie
Der Fokus der Forschung weitet sich auf die neuronale Gesundheit aus. Ein für Mitte Juni angekündigter Fachkongress befasst sich mit der Stärkung des Nervensystems und der Optimierung der Darm-Hirn-Achse. Die Reduktion von Neuroinflammationen spielt dabei eine zentrale Rolle.
Im Bereich der Schmerztherapie steht eine Markteinführung bevor. Ein Münchener Biopharmaunternehmen erhielt die Zulassung für ein Cannabis-basiertes Medikament gegen chronische Rückenschmerzen. Ab September 2026 soll es verfügbar sein. Zwar belegen klinische Studien eine Schmerzreduktion, die Differenz zur Placebo-Wirkung wird in Fachkreisen jedoch als gering eingestuft. Das unterstreicht die Bedeutung ergänzender physikalischer Maßnahmen wie gezieltem Muskeltraining zur Gelenkstabilisierung.
